Stille Tage: Die Zeit des Gedenkens ist da

von Katharina Loof

Mit dem Volkstrauertag hat der erste von insgesamt drei der so genannten „stillen Tage“ begonnen, die in der Bundesrepublik ihren festen Platz vor dem Beginn der Adventszeit haben. Doch was wird an den Tagen eigentlich genau „gefeiert“, an was gedacht und woher kommt die Bezeichnung „stille Tage“?
Die stillen Tage sind vom deutschen Feiertagsgesetz vorgeschrieben und unterliegen einem besonderen Schutz: Gemeint sind alle religiösen Feiertage von Heilg­abend über die Oster- und Pfingsttage, Allerheiligen / Allerseelen bis zu den letzten dreien Volkstrauertag, Buß- und Bettag sowie Totensonntag. An diesen Tagen sind alle Veranstaltungen verboten, die dem stillen Charakter, gemeint ist die Trauer um Verstorbene oder das christliche Gedenken an Jesus Christus, widersprechen.
Der Volkstrauertag ist der einzige staatliche Feiertag in dieser Reihe und wurde erstmals 1925 begangen. Am Vortag war der erste Reichspräsident Friedrich Ebert verstorben, sodass an diesem Tag überall Gedenkfeiern stattfanden. Vorgeschlagen wurde er bereits 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkrieges. Drei Jahre später fand dazu die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. Warum es 30 Jahre dauerte, bis der Volkstrauertag offizieller deutscher Feiertag wurde, ist der früheren Uneinigkeit zwischen Bund und Ländern geschuldet. Auch ließ sich ein neuer Termin nicht leicht zwischen die bereits von der Kirche besetzten Feiertage schieben. So wurde der Volkstrauertag vorerst auf das Frühjahr (fünf Wochen vor Ostern) gelegt. Erst 1952 wurde der Volkstrauertag auf den Sonntag zwei Wochen vor dem ersten Advent gelegt und seitdem regelmäßig begangen. An diesem Tag, am heutigen Sonntag, 18. November, wird an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltbereitschaft und Gewaltherrschaft aller Nationen erinnert. Auch im Landkreis wird der Tag für umfassende Trauermärsche, Kranzniederlegungen und spezielle Gedenkgottesdiens­te genutzt. Nicht nur der Opfer der beiden Weltkriege soll gedacht werden, im Fokus stehen als Mahnung die Menschen, die weltweit Opfer von Verfolgung, Diskriminierung und Gewaltherrschaft wurden.
Der Buß-und Bettag war bis 1995 bundesweit arbeitsfreier Feiertag, heutzutage wissen die meisten jüngeren Menschen nichts mit der Bedeutung hinter dem Tag anzufangen. Der evangelische Feiertag geht auf Notzeiten zurück und wurde von der Kirche immer wieder ausgerufen. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird ein allgemeiner Buß- und Bettag am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, begangen. In diesem Jahr fällt der Buß- und Bettag auf den 21. November. Dieser Tag soll zur Entschleunigung, zum Insichkehren, zum Innehalten genutzt werden. Es geht um das Hinterfragen, um Fürbitten und im übertragenen Sinne um ein gesellschaftliches Engagement.
Der Totensonntag ist ein Gedenktag für die Verstorbenen und fällt auf den letzten Sonntag vor dem ersten Advent. Während die Kirche an diesem Tag das jüngste Gericht thematisiert, verschafft er den Menschen im Alltag Raum, um verlorener Menschen zu gedenken.

Vier Phasen der Trauerbewältigung

Das Sprichtwort „Zeit heilt alle Wunden“ lässt sich auf viele Bereiche des Lebens übertragen und endet eben mit diesen Grenzen. Für den Tod und das Abschiednehmen hat Zeit hingegen keine Bedeutung. Im besten Fall kann sie helfen, mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen zu können; als „geheilt“ vom Schmerz fühlen sich die Betroffenen aber nie.
Der Tod und die damit einhergehende Trauer machen vor keinem Menschen Halt. Der Verlustschmerz trifft jedoch jeden individuell: Wie lange das Gefühl der Leere und der Ohmacht anhält, kann nicht vorausgesagt werden. Folglich gibt es hinsichtlich des Verlustempfindens auch kein „Normal“, kein „Zu kurz“, „Zu heftig“ oder „Zu lang“.
Experten sind sich aber einig, dass jeder Mensch in etwa die gleichen Phasen der Trauer durchläuft, die jeweils unterschiedlich lang und intensiv durchlebt werden können. das bekannteste Modell zur Trauerbewältigung stammt von der Psychologin Verena Kast. Sie unterscheite zwischen vier Phasen: Die erste, meist kürzeste Phase ist geprägt von Schock und Verleugnung. In dieser Zeit brauchen die betroffenen Menschen starke Unterstützung im Alltag. In diese Zeit fällt die Planung der Beerdigung und Trauerfeier, der Organisation von Dokumenten und der gestaltung der Traueranzeigen.
Darum übernehmen die meisten Bestattungshäuser einen wichtigen Part als Begleiter und Unterstützer in dieser ersten schlimmen Zeit.
Die zweite Phase nennt Kast die Zeit der Emotionen. Wenn Ruhe in den Alltag kommt, die Trauerfeier vorbei ist, der Verstorbene Beerdigt wurde und alle Formalitäten erledigt, fühlen sich die Betroffenen überrannt von Wut, Angst und Verzweiflung.
Diese Phase nennt Kast als besonders kritisch, weil „unsere Gesellschaft von Selbstbeherrschung geprägt ist – Das Sichgehenlassen wird selten akzeptiert“. In dieser zeit ist Geduld und Zuneigung vom Umfeld wichtig. Gute Bestattungshäuser helfen auch in dieser Phase, die eigenen Gefühle zu verstehen sowie mit der Reaktion des Umfelds umgehen zu können.
„Suchen, finden, sich trennen“ nennt Kast die dritte Phase, in der die Nähe zum Verstorbenen unbewusst oder bewusst mittels Fotos, bestimmter Räume und Aktivitäten gesucht wird.
Dies sei wichtig, um den Bezug zur Realität herstellen zu können, erklärt Kast in ihrem Modell. Die Hinterbliebenen müssten lernen, Situationen allein zu meistern. Diese Phase könne mehrere Jahre dauern und gilt daher als längste der vier Unterteilungen.
Mit der vierten Phase, in der der Tod und damit der Verlust des Verstorbenen akzeptiert werde, sei die Trauerbewältigung abgeschlossen. Der verlorene Mensch ist zu einer inneren, begleitenden Figur geworden.
Trauerberater sind sich einig, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg finden muss, wieder zurück in den Alltag zu finden. Gespräche mit Freunden und Bekannten, zur Not auch professionelle Hilfe bei Therapeuten und Psychologen können helfen, mit dem Schmerz umzugehen.
Auch ein Ort der Trauer, wie Gedenk- und Grabstäten seien wichtig für die Verarbeitung der Trauer, um den gefühlen einen Raum zur Entfaltung zu geben.

Auch Kinder dürfen und sollen trauern

Wenn ein geliebter Mensch bestattet wird, stehen Eltern neben ihrer eigenen Trauerbewältigung vor der Frage: Wie soll ich mit meinem Kind über den Tod reden? Kinder in Beziehung mit dem Tod zu setzen, fällt schwer.
Schließlich sollen sie zunächst vor den Schattenseiten des Lebens bewahrt werden. Tritt der Fall jedoch einmal ein, ist es Aufgabe der Eltern, diese Phase tröstend zu begleiten. Offen darüber zu sprechen und Neugier auf das wichtige Thema bei ihnen zu wecken, sind in dieser Ausnahmesituation dann sehr hilfreich für alle Beteiligten.
„Seitdem ich selbst Vater bin, weiß ich erst, wie schwierig es wirklich ist, Kindern den Tod nahe zu bringen“, sagt Oliver Suhre, Geschäftsführer der Monuta Sterbegeldversicherungen. „Doch es ist wichtig, das Thema Sterben nicht zu verdrängen, denn damit ist keinem geholfen.“
Zusammen mit Joachim Hall, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Elberfeld-Nord, gibt Oliver Suhre nützliche Tipps, wie man mit Kindern in solch einer schweren Zeit umgeht – und sie gut durchsteht.
1. Offen über den Tod sprechen
„Wo ist Oma jetzt? Geht es ihr gut?“ Diese Fragen werden am häufigsten gestellt. Die Antworten
darauf sollten offen und ehrlich erfolgen, ohne Angst vor dem Thema. „Beschönigungen, wie ‚Oma schläft jetzt‘ oder ‚sie befindet sich auf einer langen Reise‘ helfen dem Kind nicht, sie könnten sich dadurch sogar fürchten. Sie fragen sich, ob sie selbst wieder aufwachen, wenn sie sich schlafen legen. Kinder können nicht abstrakt denken und nehmen solche Aussagen wörtlich auf“, weiß Suhre.
2. Eigene Gefühle zeigen
Eltern sollten ihren Kindern erklären, warum sie selbst in den vergangenen Tagen viel geweint haben.
Es hilft auch dabei, ihnen darzulegen, wie sie zeitweise Trost fanden. Kinder lernen so, dass Erwachsene die gleichen Gefühle haben, wie das Kind selbst. Eine trostspendende Umarmung hilft über den Verlust hinweg.
3. Kinder auf der Trauerfeier? Natürlich!
Ab dem vierten Lebensjahr ist es gut, das Kind an einer Trauerfeier teilhabenzulassen, damit es den zeremoniellen Ablauf kennenlernt. Dort wird viel über den Verstorbenen gesprochen, sich an ihn erinnert. Durch die Teilnahme lernt das Kind, auf seine ganz eigene Art und Weise Abschied zu nehmen. „Es kann in der Kapelle herumlaufen, auf dem Schoß einer vertrauten Person sitzen oder Bilder malen, die die Gefühle zum Ausdruck bringen“, erklärt Pfarrer
Joachim Hall. „So gestaltet es sogar die Zeremonie aktiv mit – und die Bilder können schließlich mit in das Grab des Verstorbenen gelegt werden.
4. Urnenbestattungen bedürfen besonderer Aufklärung
Bei einer Urnenbestattung sollten die Kinder allerdings altersgerecht vorbereitet werden. Kleinen Kindern ängstigt der Gedanke, dass ein verstorbener Mensch verbrannt wird. Es sollte
vielmehr gesagt werden: ‚Die Urne ist eine Erinnerung an Opa‘. Erst ab dem Grundschulalter verstehen Kinder diese Bestattungsform.
5. Erinnerungen bleiben
„Nach einer Bestattung mit dem Kind alte Fotoalben durchzublättern und positive Geschichten zu der verstorbenen Person zu erzählen, hilft das Verlustgefühl zu verstehen. Die Person ist fort, existiert aber weiter in den Gedanken. Es ist ein tröstliches Gefühl, zu wissen, dass geliebte Menschen nicht vergessen werden“, erklärt Suhre.
6. Keinen Druck ausüben
Kinder trauern anders als Erwachsene. Aus diesem Grund sollten Kinder nicht dazu gedrängt werden, über den Tod zu sprechen. Oft wirken sich Trauerphasen neben Weinen auch durch Stille und Wutausbrüche aus. So überwinden sie das Ohnmachtsgefühl. Dabei ist es wichtig, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Dennoch trösten Umarmungen und die elterliche Nähe am meisten.

Ein Dorf mit Zukunft: Räbke ist Landessieger

Eien Delegation von neun Abgesandten nahm in Hannover ihre Auszeichnung entgegen.

Räbke/Hannover. Abordnungen aus allen 18 Teilnehmerdörfern an der Endausscheidung des Landeswettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ waren im Ortsteil Hagen in der Region Hannover zu Gast und von der niedersächsischen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zu einer feierlichen Abschlussveranstaltung mit Siegerehrung eingeladen.
250 Personen – darunter eine Delegation von neun Räbkern –  erlebten eine Veranstaltung um die Bedeutung des ländlichen Raumes und seiner Gestaltungsmöglichkeiten. Ministerin Otte-Kinast machte allen Zuhörern Mut, den Weg der Dorfentwicklung auf breite Füße zu stellen und die ländlichen Gebiete zu einem Lebensraum mit Lebensqualität und Entwicklungspotenzial auszubauen. Das Land werde den Dorfwettbewerb neu konzipieren und auf andere Standbeine stellen.
Alle Dörfer der Endausscheidung wurden mit Geldpreisen und Urkunden geehrt. Als Siegerdorf erhielt Räbke 3.500 Euro und eine Ehrentafel mit der Inschrift „Räbke – Landessieger 2018“. Das erste Mal ist der Landkreis Helmstedt mir einem Siegerdorf auf Bundesebene vertreten. Landrat Gerhard Radeck und sein Abteilungsleiter Reinhard Siegert, Bau und Umwelt, würdigten diese Leistung nicht nur durch Worte, sondern insbesondere durch ihre Teilnahme an der Veranstaltung in Hagen.
Am Vormittag bereits hatten die Delegationen die Chance, in drei von Landesjurymitgliedern moderierten unterschiedlichen Workshops Fragen zur Bewertung zu stellen und sich auf den Wettbewerb auf Bundesebene im Juni/Juli 2019 geistig einzustellen.
Bürgermeister Angerstein und acht weitere Räbker machten davon reichlich Gebrauch, gilt doch das Zwischenziel, im Jahr 2019 im Vergleich mit circa 30 anderen Dörfern aus 13 Bundesländern ein Golddorf zu werden.

Eien Delegation von neun Abgesandten nahm in Hannover ihre Auszeichnung entgegen.

Räbke ist Landessieger des Wettbewerbs “Unser Dorf hat Zukunft”.

Einbruch in der Bismarckstraße

Schöningen. Die Polizei Schöningen sucht Zeugen zu einem Einbruch in ein Elektrogeschäft in der Bismarckstraße. Die Tat ereignete sich in der Zeit vom Freitagabend, 18 Uhr, bis zum Montagmorgen, 8.30 Uhr. Die Täter verschafften sich gewaltsam Zugang zum Objekt und durchsuchten anschließend die Geschäftsräume. Dabei entwendeten sie mehrere Elektrogeräte, unter anderem zwei Mikrowellen und zwei Kaffeevollautomaten. Zum Abtransport dürften sie vermutlich ein Fahrzeug benutzt haben. Die Höhe des Sachschadens kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angegeben werden. Zeugen, die Hinweise zu verdächtigen Fahrzeugen oder Personen in der Nähe des Tatorts geben können, werden gebeten sich mit der Polizei Schöningen unter der Rufnummer 05352/951050 in Verbindung zu setzen.

Eine Nacht bei der Feuerwehr

Eine Nacht bei der Feuerwehr erlebten die Mitglieder der Kinderfeuerwehr.

Helmstedt. Die Kinderfeuerwehr Helmstedt veranstaltete von Freitag, 2. November, bis Sonnabend, 3. November, eine Feuerwehrnacht.  Der jüngste Nachwuchs bei der Feuerwehr traf sich dazu in den Räumlichkeiten der Ortsfeuerwehr Helmstedt.

Nachdem die Feldbetten bezogen wurden, startete zuerst der Spielenachmittag mit verschiedenen Gesellschafts- und Brettspielen. Nach dem Abendbrot ging es über zu einem Filmeabend und frischen Stockbrot von der Feuerschale. Am Sonnabend begann der Tag früh, denn um kurz nach 7 Uhr wurde der Nachwuchs bereits durch die „Großen“ geweckt, die zu einem Ensatz ausrücken mussten. Im Anschluss daran wurden durch die Betreuer der Kinderfeuerwehr verschiedene Feuerwehrstationen aufgebaut in der es unter anderem um Geschicklichkeit mit dem Spreizer, das binden von Knoten, Schlauchkegeln und einem Leinenbeutelweitwurf ging. Hierbei sollte der Spaß im Vordergrund stehen und dennoch das Feuerwehrspezifische vermittelt werden. Letztendlich wurde bei Hot Dogs der Tag abgeschlossen.
Interesse an der Kinderfeuerwehr? Kinder zwischen sechs und zehn Jahren treffen sich dienstags ab 16:30 Uhr, Kinder/Jugendliche ab zehn Jahren dienstags ab 18 Uhr im Feuerwehrhaus an der Nordstraße 36 in Helmstedt.

Zwei Einbrüche – Polizei sucht Zeugen

Helmstedt. Einen vollendeten und einen versuchten Einbruch in zwei Geschäfte in der Neumärker Straße verzeichnet die Polizei in Helmstedt. Betroffen sind ein Cafe und ein Verkaufsgeschäft in der Marktpassage. Dabei erbeuteten die Ganoven Bargeld in noch genau zu beziffernder Höhe.

Zwischen Dienstagabend, 6. November, um 20.30 Uhr und Mittwochmorgen, 7. November, 7 Uhr öffneten die Unbekannten gewaltsam die Eingangstür zu dem Cafe. Im Inneren wurden Schränke und Schubladen nach Bargeld durchsucht. Dabei fielen den Tätern ein Würfeltresor, eine Geldkassette und eine Geldbörse in die Hände. Die genaue Schadensermittlung dauert hier noch an. Zwischen Dienstagnachmitttag 17 Uhr und Mittwochmorgen 8.30 Uhr versuchten vermutlich dieselben Täter nur wenige Meter weiter in das Geschäft eines Verlagshauses einzubrechen. Eine Angestellte hatte Beschädigungen an der Eingangstür bemerkt und die Polizei alarmiert.  Die Schadensermittlung dauert noch an. Die Ermittler gehen von einem unmittelbaren Tatzusammenhang aus und bitten Zeugen, sich an die Polizeiwache am Ludgerihof, Rufnummer 05351/521-0 zu wenden.

Propst Detlef Gottwald durch Landesbischof Meyns verabschiedet

Propst Gottwald von Landesbischof Christoph Meyns verabschiedet.

Bereits im Sommer hatte Propst Detlef Gottwald verkündet, für die erneute Kandidatur zum Vorsteher der Propstei Helmstedt nicht mehr zur Verfügung stehen zu wollen. Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes wurde Gottwald vergangenen Sonntag in der Kirche St. Stephani von Landesbischof Christoph Meyns offiziell von seinem Amt verabschiedet.

Helmstedt. „Wenn unsere Kirche so gut befüllt ist, ist klar, dass es sich um einen besonderen Gottesdienst handelt“, sagte Pfarrerin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Georg Calixt Helmstedt Sabrina Fröhlich mit Blick auf die voll besetzen bankreihen der St. Stephanie Kirche in Helmstedt. Tatsächlich waren mehrere hundert Gläubige, darunter politische Vertreter des Landkreises wie Landrat Gerhard Radeck, Landtagsabgeordnete Veronika Koch und Helmstedts Bürgermeister Wittich Schobert, sowie die Ordinierten aller zwölf Kirchengemeinden zum Gottesdienst am vergangenen Sonntag erschienen, um ihren Propst aus dem Amt des Kirchenvorsitz zu verabschieden. Die offizielle Dispensation übernahm Landesbischof Dr. Christoph Meyns. Im Anschluss an den Gottesdienst hatte die Kirchengemeinde für ihren Propst einen Empfang im Gemeindehaus vorbereitet, bei dem es für alle Mitwirkenden die Möglichkeit gab, Detlef Gottwald die Ehre zu erweisen. Neben Grußworten nutzten viele die Gelegenheit, sich für die Dienste, die Gottwald in seiner Amtszeit für den Landkreis erbracht und erarbeitet hatte, zu bedanken.

Nicht alles, was der Propst während der vergangenen zwölf Jahre in die Wege geleitet hatte, sei auf Begeisterung gestoßen: Als Beispiele nannte Gottwald die Schaffung von zwei Gestaltungsräumen, die sich als Pfarrverbände Helmstedt-Nord und Helmstedt-Süd konstituiert haben. Er sei aber dankar für all‘ die vielfältigen Erfahrungen, die er in Helmstedt hatte machen dürfen. Seine Amtszeit war geprägt von Reformprozessen: So wurden die ursprünglich 28 Kirchengemeinden zu zwölf Gemeinden zusammengelegt.

Ziele nach dem Propstamt: „Als Pfarrer den Menschen nah sein.“

Bereits im Sommer hatte Propst Detlef Gottwald bekannt gegeben, dass er Ende Oktober nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen werde. Er wolle, so Gottwald, die letzten zehn Jahre seiner Dienstzeit einzig als Pfarrer tätig sein.

Schon zum 1. November wird er seinen Dienst als Pfarrer in Braunschweig Heidberg-Melverode antreten. „Noch einmal nah an den Menschen sein“, war und ist der Wunsch des heute 57-Jährigen. „Ich habe Theologie studiert, um Pfarrer zu sein“, hatte Gottwald stets betont. Bevor er im Jahr 2006 mit großer Mehrheit zum Propst in Helmstedt und damit Vorsteher von rund 20.000 Mitglieder der Propstei wurde, war Gottwald 14 Jahre lang als Pfarrer der Kirchengemeinden Heilig Kreuz Flechtorf und St. Jürgen Beienrode in der Propstei Königslutter im Dienst. Zusätzlich zu seinem Amt als Propst hatte er einen halben Dienstauftrag im Ev.-luth. Quartier Georg Calixt in Helmstedt übernommen – er kümmerte sich um den Seelsorgebezirk 3 in den den Kirchengemeinden St. Stephani und St. Thomas. Mit der offiziellen Verabschiedung verlieren die Gemeindemitglieder auch einen sich sorgenden Pfarrer.

Bis zur Wahl des neuen Propsteivorstandes übernimmt Pfarrer Frank Barche das Amt des Propst. Barche war bislang als stellvertretender Propst aktiv gewesen.

Elmsburg wird wieder zum Leben erweckt

von Katja Weber-Diedrich

Schöningen. Unter dem Blätterdach auf einer Kirchenbank sitzen und einem Gottesdienst oder den Klängen einer nachempfundenen Orgel lauschen – das soll, wenn es nach den Vorstellungen der Kreisarchäologin Dr. Monika Bernatzky geht, bald im Elm bei Schöningen möglich sein. Dort wird aktuell der Elmsburg “neues Leben” eingehaucht.

Hoch herrschaftlich ist es einst im Elm bei Schöningen zugegangen, denn die Elmsburg war im Mittelalter nicht nur eine „einfache“ Kirche, sondern sogar ein Standort des Deutschritterordens. Damit ist die Elmsburg eines der herausragenden archäologischen Denkmäler des Landkreises Helmstedt.
Historisch bedeutsam ist die Elmsburg, da sie zunächst im welfischen Besitz war und 1221 dem Deutschen Orden geschenkt wurde. Die Ritter erweiterten die Anlage zu einer Kommende, die bis ins 16. Jahrhundert hinein „in Betrieb“ war.
Doch der Zahn der Zeit hat an den Mauern genagt. Zwar fanden in den 1950er Jahren schon einmal Ausgrabungen statt, allerdings ist die frühere Burganlage im Laufe der Jahre wieder zugewachsen und beinahe im Boden „verschwunden“. Nur die Fundamente der Kirche blieben nach den Grabungen in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts offen liegen.
Im Rahmen der LEADER-Region „Grünes Band im Landkreis Helmstedt“ wurde nun ein Projekt eingerichtet, das zum Ziel hat, die Elmsburg entsprechend ihrer Bedeutung herzurichten. So soll das Denkmal durch neue Informationstafeln und eine behutsame Ergänzung der Mauern von den Besuchern wieder wahrgenommen werden können. Zum anderen bietet sich für die weitere Region mit dem spannenden Thema „Deutscher Orden“ ein neuer touristischer Aufhänger, der die Elmsburg in Vernetzung mit dem Rittergut Lucklum im Reitlingstal als lohnendes Ausflugsziel etablieren kann.
Beauftragt wurde die Arcontor Produkt GmbH aus Destedt für archäologische Grabungen, die bis Mitte 2020 andauern sollen.

Da die Grabungsdokumentation der 1960er Jahre für heutige Ansprüche nicht ausreichend ist, bilden archäologischen Nachgrabungen an der Kirchenruine die erste Phase der Umsetzung des Projektes. Dabei muss das Denkmal von Schutt und verstürzten Steinen, die sich in den letzten 60 Jahren über den Relikten angesammelt haben, befreit werden. Neben der genauen Dokumentation mithilfe von digitalen Vermessungsmethoden gilt es insbesondere die Frage zu klären, welche Bauphasen die Kirche erlebt hat und wie sich diese anschließend in einem schlüssigen Rekonstruktionskonzept darstellen lassen. Schon jetzt zeichnen sich die Fundamentreste, wie sie von Archäologen schon einmal vor 60 Jahren freigelegt worden sind, wieder deutlich im Gelände ab. Starke Grundmauern, überwiegend aus ortsfremdem Sandstein, trugen die erste Kirche an diesem Platz. Weitere Mauern bestehen aus Elmkalkstein und scheinen später errichtet worden zu sein. Noch bedarf es einiger gezielter „Schnitte“, wie es im archäologischen Fachjargon heißt, um die Abfolge genau zu klären.

Der jetzige Zustand wird weder dem Kulturdenkmal noch den Ansprüchen an ein attraktives touristisches Ziel gerecht. Loses Mauerwerk ist über den Kirchengrundriss verteilt und dient immer wieder als Spielplatz für Kinder der nahen Jugendherberge. Die Elmsburg macht den Eindruck eines zwar geheimnisvollen, aber doch sehr verwahrlosten historischen Orts.
Der Träger des Projektes ist der Landkreis Helmstedt. Neben Geldern der europäischen Union aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) ermöglichen Förderungen der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, in dessen Stiftungswald die Elmsburg liegt, und der Bürgerstiftung Ostfalen die Realisierung des Gesamtprojektes.

 

 

Dr. Monika Bernatzky (links) zeigte Vertretern des Landkreises, der Stadt Schöniningen, der LEADER-Aktionsgruppe, der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz sowie der Bürgerstiftung Ostfalen im Beisein von Grabungsleiter Marius Miche (rechts), was an der Elmsburg zutage gefördert werden soll. Foto: Katja Weber-Diedrich

Ein Wiedersehen in Watenstedt

von Katja Weber-Diedrich

Watenstedt. “In Watenstedt ist’s herrlich, in Watenstedt ist’s schön, hier wollen wir uns wiederseh’n!” Mit diesen Worten hatten Bärbel Harmel, Klaus Bode ind Winfried Reinhardt “Ureinwohner” der Jahrgänge 1945 bis 1960 des Dorfes am Heeseberg eingeladen, um einen bunten Tag in der alten Heimat zu verbringen. Und zahlreich waren die (früheren) Watenstedter der Einladung gefolgt. Am Vormittag kamen 77 Ureinwohner der genannten Jahrgänge in der Gaststätte Borrmann zusammen, was natürlich zunächst ein lautes Hallo gab.

„Heimat ist die Gewissheit, jede Straße, jeden Schleichweg zu kennen. Heimat ist, wo wir frühe, intensive Prägungen erfahren durften, Heimat ist hier in Watenstedt.“ Mit diesen Worten eröffnete Klaus Bode dieses erste Ureinwohnertreffen. Am Nachmittag kamen 28 “aktuelle” Senioren des Ortes hinzu, sodass insgesamt 105 Watenstedter den ereignisreichen Tag zusammen verbrachten. Die Idee zum Treffen (früherer) Watenstedter der Geburtsjahrgänge 1945 bis 1960 sowie heutiger Senioren des Dorfes kam Reinhardt nach der Goldenen Konfirmation. Es war ihm ein Bedürfnis, sich mit mehreren Jahrgängen wiederzusehen, von denen die meisten in Deutschland und sogar der ganzen Welt verstreut wohnen.

Klaus Bode hatte die Geschichte des Ortes zusammengetragen und ließ die Teilnehmer so in Erinnerung „an alte Zeiten“ schwelgen.Er trug vor, dass der Raum um Watenstedt ein uraltes menschliches Kultur- und Siedlungsgebiet ist. Funde von vor- und frühgeschichtlichen Gräbern, von Gefäßscherben und alten Geräten geben heute davon Kenntnis und deuten auf eine alte Siedlung hin. “Ein heute noch sichtbarer Zeuge der historischen Vergangenheit ist die Hünenburg, die sich im Osten über dem Dorf erhebt”, führte Bode aus. Scherbenfunde weisen dabei auf die Entstehung der Burg bereits in der Bronzezeit hin.

Die erste Urkunde, on der Warenstedt Erwähnung findet, stammt allerdings “erst” aus dem Jahr 1051. Damals hieß das Dorf Wethnenstede, später Watenstide und Watenstede mit dem Zusatz bi dem broke.

Bode erzählte weiter: “Die aus dem Rogenbruchstein des Heesebergs gebaute Kirche liegt oberhalb des Dorfes und beherrscht mit ihrem wuchtigen Turm den Ort, Von ihrem Fuß hat man einen weiten Blick in das Harzvorland bis zu den Harzbergen in Teilen unseres Vaterlandes, zu denen uns eine willkürlich gezogene Zonengrenze bis 1989 den Zutritt versperrte.”

Bode berichtete, dass Watenstedt am 11. April 1945 von amerikanischen Truppen besetzt wurde. Nach dem Ende des Krieges übernahm die britische Militärregierung die Verwaltung und Heimatvertriebene aus den Ostgebieten kamen nach Warenstedt. Wie allerorts nahm die Einwohnerzahl entsprechend zu.”Wir alle sind nach dem Krieg, also nach 1945 geboren”, machte Bode deutlich und verwies darauf, dass es für ihre Eltern nicht so einfach war, über die Runden zu kommen. Damals lebten schließlich bis zu 1.300 Personen in Watenstedt – heute sind es noch ganze 280.

Bode kam darauf auf die Kindheit der Anwesenden zu sprechen, erinnerte an das Spielen mit Stock und Reifen, mit Murmeln oder mit Karten, die Lehrer in der Schule. “In unserer Schulzeit wurde der Grundstein für unser späteres Leben gelegt”, sagte Bode. Allerdings begann für alle nach der Schule die Berufsausbildung – und damit trennten sich die Wege. Zwar blieben auch einige vor Ort, dennoch verlor man sich aus den Aufen. “Aber man kam immer gern nach Watenstedt.”

Nach dem Mittagessen gab es eine Ortsbegehung mit Erklärungen zum früheren und heutigen Watenstedt, bevor sich zur Kaffeetafel die heutigen Senioren des Dorfes dazu gesellten. Diese wurde vom Watenstedter Peter Gotterbarm gesponsert, der leider nicht selbst bei dem Treffen dabei sein konnte. Eine Tombola und eine Versteigerung gestifteter Gemälde des Watenstedter Künstlers Hilmar Gottwald setzte dem Nachmittag eine unterhaltsame Note auf, ebenso wie die Video-Schau mit alten Fotos. So konnte das erste Ureinwohnertreffen an Abend harmonisch ausklingen und es wurden mehrfach die Wünsche nach einer Wiederholung laut…

Zum Gruppenfoto versammelten sich alle Ureinwohner auf einem Bauernhof. Foto: privat

Helmstedter Kräfte helfen in Meppen

von Katja Weber-Diedrich

Helmstedt. Seit Wochen schon “wütet” bei Meppen der Moorbrand, den die Bundeswehr bei einer Übung ausgelöst hat. Mittlerweile sind auch Einsatzkräfte aus dem Landkreis Hemstedt vor Ort, um Hilfe zu leisten.

Die THW Ortsverbände Schöningen und Helmstedt befinden sich mit Führungs- und Küchenpersonalnun seit knapp drei Wochen in Meppen beim Moorbrand im Einsatz.
Der Bereitstellungsraum (BR) in Meppen wurde aufgestockt, sodass die Anzahl der ausgegeben Essen die 1.000-Portionen-Grenze pro Mahlzeit überschritten hat. Gleich­zeitig werden bis zu 400 Einsatzkräfte von THW, Freiwilligen Feuerwehren und Bundeswehrfeuerwehr untergebracht. Insgesamt sind derzeit über 500 ehrenamtliche Helfer aus 90 Ortsverbänden in Meppen sowie hauptamtliche THW-Angehörige in den Leitungs- und Koordinierungsstäben im Hintergrund am Einsatz beteiligt.
Einsatzaufgaben des THW sind dabei Transport von Brauchwasser und Betreuen der eingerichteten Wasserförderstrecken. Zusätzlich betreibt das THW den BR in der Kaserne WTD 91, in dem die Einsatzkräfte untergebracht sind und zur Ruhe kommen und leisten Führungsunterstützung für die Einsatzleitung der Bundeswehr inklusive Fachberatung über die Einsatzmöglichkeiten des THW.
Um das Löschwasser an die Einsatzstellen zu bekommen, hat das THW drei Wasserförderstrecken aufgebaut. Mit mehreren Hochleis­tungspumpen wird das Wasser aus einem Fluss in Rückhaltebecken gepumpt, um von dort aus mit weiteren Pumpen über eine Stre­cke von mehreren Kilometern zu den Wasserübergabestellen transportiert zu werden. Die zur Brandbekämpfung eingesetzten Kräfte der Feuerwehren und Bundeswehrfeuerwehr können das Wasser dort entnehmen und gegen das Feuer angehen.

Auch Feuerwehr beteiligt
Zunächst nur kurz ging es für 26 freiwillige Feuerwehrkräfte aus dem Landkreis Helmstedt nach Meppen. Die Tanklöschfahrzeuge aus Lelm, Süpplingen, Mariental, Flechtorf und Groß Twülpstedt sowie der Einsatzleitwagen der Kreisfeuerwehr und ein Mannschaftstransportwagen aus Bahrdorf machten sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf den Weg ins Emsland. Am Donnerstagvormittag wurden die Feuerwehrkräfte aus dem Landkreis Helmstedt wieder aus dem Einsatz entlassen und am frühen Abend in Helmstedt empfangen. Anderthalb Tage lang hatte der Wassertransportzug des Landkreises Helmstedt Schlauchleitung der Riegelstellung auf Beschädigungen untersucht, Pumpen, Fahrzeuge und Verteiler in die Leitung eingebaut.

Weil nach dem Einsatz bekanntlich vor dem Einsatz ist, ließ die nächste Anforderung nicht lange auf sich warten. Am Sonnabend gegen 23 Uhr ging es für 28 Einsatzkräfte der Feuerwehr erneut los. Die Schöninger, Graslebener, Lauinger, Mackendorfer und Velpker Feuerwehrleute unterstützen im Emsland die Bundeswehr. Dabei wurden für die Bundeswehr neue Schläuche verlegt, was sich allerdings als schwierig herausstellte. Denn die Bundeswehrschlauchanhänger haben eine andere Anhänger-Öse als die der Feuerwehrfahrzeuge. Dennoch sei die Stimmung gut, hieß es in einem Zwischenbericht aus Meppen.

Via Facebook teilte Graslebens Gemeindebrandmeister Maik Wermuth am Montag mit: “Nach einer kalten, aber erholsamen Nacht haben wir um 8 Uhr heute Morgen unseren neuen Einsatzbefehl erhalten. Alle Kräfte sind gut gelaunt und motiviert. Nachdem wir gestern als Einzel-Komponente eingesetzt wurden und hunderte Schläuche aufgenommen haben, wurden wir heute der Bundeswehrfeuerwehr West unterstellt. Gemeinsam sind wir für die Brandbekämpfung kleinerer punktueller Flächen (Nachlöscharbeiten) zutändig. Eine Herausforderung ist dabei, dass bestimmte Bereiche nicht betreten werden dürfen, da dort noch mit Munitionsresten gerechnet wird. Bei der Lagebesprechung heute morgen kam eine deutliche Entspannung rüber. Die Feuerwehren aus Braunschweig und Hannover, die heute Nacht eingetroffen sind, sind die letzten zivilen Feuerwehren die hier eingesetzt werden. Nach bisherigen Kenntnisstand werden wir bis maximal 20 Uhr heute Abend im Einsatz sein. Sollte das so sein, dann werden wir morgen früh nach dem Frühstück den Heimweg antreten.
Die Zusammenarbeit mit allen Feuerwehren, dem THW, der Bundeswehrfeuerwehr, den Soldaten und dem Stab ist extrem gut.”

Zeitzeuge in der BBS: Sally Perel war selbst der “Hitlerjunge Salomon”

Sally Perel erzählte in der Aula der BBS Helmstedt in bewegenden Worten von seinen Jahren als „Hitlerjunge Salomon“. Foto: Katharina Loof

von Katharina Loof

Helmstedt. „Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer“, zitierte Sally Perel den Regisseur Steven Spielberg. Und der Autor des autobiografischen Buches „Ich war Hitlerjunge Salomon“ nahm seine Rolle als „lebendige Geschichte“ sehr ernst. Auf Einladung der Schulleitung Heidelinde Klimm und Stefanie Lorenz war Perel  in die Berufsbilden Schulen (BBS) für den Landkreis Helmstedt gekommen, um aus seinen Leben zu berichten.
Er berichtete von seiner Jugend in Peine, von der Flucht nach Polen, von wo aus er 1939 als 14-Jähriger in Richtung Russland floh.
Während seiner Flucht wurde Perel von deutschen Soldaten aufgegriffen, die ihn für einen der Ihren hielten. Perel tarnte sich als Josef Peters, gelangte in ein Waisenhaus und wurde später von einem Hauptmann adoptiert und in ein Hitlerjugend-Internat nach Braunschweig geschickt. Vier Jahre lang lebte Perel als vermeintlicher Nazideutscher. Mehr noch: er verinnerlichte seine Rolle bis zum Selbsthass. „Ich war ein begeisterter Hitlerjunge, salutierte mit Stolz, rief den Hitlergruß – ich wurde zu meinem größten Feind.“
Perels Worte bewegten und machten nachdenklich. Vor allem, weil in seinen Worten mit keiner Silbe eine Anklage mitschwang.
Er überlebte diese „größtmögliche Tragödie von der anderen Seite“. Perel ist Teil beider Geschichten; ein Doppelleben, das sich einprägte und über 75 Jahre Bestand hat. „Noch immer muss ich mich mit der Nazi-Ideologie auseinandersetzen“, gestand der 93-Jährige. „Unsere Völker – das jüdische und das deutsche – werden noch lange Auschwitz-Invaliden sein.“ Sein Plädoyer richtete sich daher an alle: „Macht nicht die gleichen Fehler, wiederholt nicht die gleichen Parolen.“