Fusionsdebatte nimmt kein Ende

Klappt es doch noch mit Wolfsburg?
von Katja Weber-Diedrich
Helmstedt. So manchem dürfte in den vergangenen Wochen und Monaten schwindelig geworden sein um das Fusions-Hin und Her innerhalb und außerhalb des Landkreises. Und manch einer mag das Wort Fusion schon gar nicht mehr hören.
Im Raum steht dennoch die Frage: Was passiert mit dem Landkreis Helmstedt?
Also noch einmal ganz von vorne und der Reihe nach:

Die Chronologie

Im Frühjahr 2012 entstand die Idee, die bestehenden Kooperationen zwischen dem Landkreis Helmstedt und der Satd Wolfsburg auszubauen – auf Basis von interkommunaler Zusammenarbeit oder sogar bis hin zu einer Fusion. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Vereinbarung, die der Landkreis Helmstedt und die Stadt Wolfsburg im Juli 2012 schlossen: die gemeinsame Bearbeitung von Anträgen der Opfer der Heimerziehung.
Im September 2012 folgten Abstimmungsgespräche mit dem niedersächsischen Innenministerium und im Oktober desselben Jahres der Helmstedter Kreistagsbeschluss, gemeinsam mit der Stadt Wolfsburg im Rahmen eines Gutachtens die verfassungsrechtlichen Möglichkeiten einer Fusion prüfen zu lassen. Es schlossen sich Bürgerinformationsveranstaltungen in Helmstedt und Wolfsburg an, die die Bürger für das Thema sensibilisieren sollten und für einen Zusammenschluss begeistern.
Im Februar 2013 wurde schließlich das verfassungsrechtliche Gutachten der Professoren Dr. Lothar Hagebölling und Dr. Veith Mehde vorgestellt. Danach war klar, dass eine Eingemeindung Helmstedts in die Stadt Wolfsburg nicht möglich sein würde. Die Bildung eines gemeinsamen, neuen Gemeindeverbandes wurde jedoch als rechtlich zulässig erachtet.
Es folgten weitere Bürgerinformationen und die Verwaltungsleiter der beiden Kommunen nahmen Fusionsverhandlungen auf.Im März 2013 beschlossen der Rat der Stadt Wolfsburg und der Kreistag des Landkreises Helmstedt, fusionieren zu wollen. Nach acht Monaten weiterer Arbeit formulierte Innenminister Boris Pistorius bei einer Pressekonferenz, dass er die „regionalpolitische Balance“ und im Besonderen die Entwicklungsperspektiven der Stadt Braunschweig gefährdet sehe, wenn sich ein so schlagkräftiger neuer Gemeindeverband gründen würde.
Der Helmstedter Kreistag reagierte im Dezember 2013 auf die Bedenken mit dem Beschluss, die Moderation der Fusionsverhandlungen dem niedersächsischen Innenministerium zu übertragen. Zudem wurde das Verhandlungsmandat auf gegebenenfalls weitere Gebietskörperschaften erweitert – um die regionalpolitische Balance zu wahren.

Fusionsbroschüre

Helmstedts damaliger Landrat Matthias Wunderling-Weilbier und Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs waren in ihren Gesprächen schon weit voran geschritten, hatten sogar eine Broschüre für die Bürger erstellt. Foto: Archiv

Anfang des Jahres 2014 stellte das niedersächsische Innenministerium klar, dass Eingemeindungen in die Stadt Wolfsburg nicht in Frage kämen. Diese wiederum wünschte sich die Stadt Wolfsburg, wie sie in einem erneuten Verwaltungsratsbeschluss im März 2013 festhielt. Die wesentlichen Aufgaben und Entscheidungskompetenzen einer kreisfreien Stadt müssten erhalten bleiben. Einwohnerzuwächse und Flächengewinne seien ebenso Voraussetzung. Als Alternative müsse über Eingemeindungen ohne Bildung eines Gemeindeverbandes gesprochen werden.
Von dieser Meinung rückte Wolfsburg nicht ab.
So wurde im Rahmen der Beantwortung einer mündlichen Anfrage in der Sitzung des Landtages im Mai 2014 ausgeführt, dass die Abwandlung des Gemeindeverbandsmodells durch gleichzeitige, nicht nur unwesentliche Flächenvergrößerungen der Stadt Wolfsburg verfassungsrechtlich nicht vertretbar sei. Damit erteilt er Eingemeindungswünschen der Stadt Königslutter am Elm und der Samtgemeinde Velpke innerhalb des Gemeindeverbandes eine Absage.
Nach einem dritten gemeinsamen Gespräch mit Innenminister Pistorius am 3. Juli 2014 erklärte dieser in einer Pressemitteilung die Fusionsverhandlungen zwischen dem Landkreis Helmstedt und der Stadt Wolfsburg für beendet, da man sich nicht auf eine gemeinsame Gebietsstruktur habe einigen können. Eine Alternative für den Landkreis Helmstedt könne eine Fusion mit dem Landkreis Wolfenbüttel sein.
Zwei Wochen später beschloss der Helmstedter Kreistag zwar, dass an den Fusionsverhandlungen mit der Stadt Wolfsburg festgehalten werden solle, aber nun auch mit dem Landkreis Wolfenbüttel Sondierungsgespräche aufgenommen werden sollten.
Ein weiteres Gutachten später, das Anfang März dieses Jahres in einer gemeinsamen Sitzung der Kreisausschüsse Wolfenbüttel und Helmstedt vorgestellt wurde, war klar, dass Fusionsverhandlungen zwischen den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel zurzeit nicht empfohlen werden, sondern Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit geprüft werden solle.
Darauf beschloss der Helmstedter Kreistag am 11. März, keine Fusionsverhandlungen mit dem Landkreis Wolfenbüttel aufzunehmen. Er folgt damit den Empfehlungen des Gutachtens des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW) und des Ersten Kreisrates Hans Werner Schlichting.
Der Kreistag in Wolfenbüttel schloss sich zehn Tage später der Ablehnung an und lehnte die Aufnahme „offizieller“ Fusionsverhandlungen ab.

Innenminister Pistorius geht davon aus, dass weiter verhandelt wird

In einem Brief an die Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Dorothea Dannehl, schreibt Innenminister Pistorius nun, dass er davon ausgehe, dass er davon ausgehe, dass der Landkreis Helmstedt mit der Stadt Wolfsburg über eine Fusion verhandele. Pistorius schreibt: „Nach meinem Kenntnisstand hat der Kreistag des Landkreises Helmstedt in seiner Sitzung am 16. Juli 29014 zunächst noch einmal ausdrücklich bekräftigt, ‚dass an Verhandlungen mit der Stadt Wolfsburg zwecks Bildung eines Geeindeverbandes festgehalten werden soll.‘ Nur ergänzend hierzu wurde beschlossen, dass ‚das Verhandlungsmandat des Landrates… auf ein Fusionsmodell mit dem Landkreis Wolfenbüttel erweitert werden (soll).‘ Trotz des erklärten Verzichts, weitere Gespräche mit dem Landkreis Wolfenbüttel zu führen, besteht demnach also immer noch ein Verhandlungsauftrag seitens des Kreistages des Landkreises Helmstedt mit der Stadt Wolfsburg.“
Im Übrigen habe er nicht seinerseits die Gespräche mit Wolfsburg beendet, so Pistorius weiter. Er habe „vielmehr damals dargelegt, dass ich zu diesem Zeitpunkt angesichts der unterschiedlichen Vorstellungen der Stadt Wolfsburg und des Landkreises Helmstedt keine Möglichkeit einer weiteren Vermittlung durch mich mehr gesehen habe.“ Er gehe davon aus, dass im Landkreis Helmstedt auch jetzt noch ein Verhandlungsmandat des Kreistages jedenfalls für Gespräche mit der Stadt Wolfsburg bestehe.

Ob denn dies auch so ist, das wollte die CDU-Kreistagsfraktion daraufhin vom Ersten Kreisrat Hans-Werner Schlichting erfahren. In einem Brief werden sieben Fragen gestellt, deren Beantwortung durch Schlichting noch aussteht:
1. Wann werden die Gespräche mit Wolfsburg wieder aufgenommen?
2. Welche Verhandlungsziele werden vom Landkreis Helmstedt im Vorfeld definiert?
3. Welcher konkrete Teilnehmerkreis ist für die Gespräche angedacht?
4. Wie ist der zeitliche Ablauf der Treffen vorgesehen?
5. Wann werden die ersten Ergebnisse/Drucksachen zu erwarten sein?
6. Welches Zeitfenster ist für die Verhandlungen insgesamt geplant?
7. Stehen, wenn diese Verhandlungen wieder aufgenommen werden, bei erfolgreichem Ausgang
die 66 Millionen Euro für den Landkreis Helmstedt aus dem Zukunftsvertrag wieder zur
Verfügung?

Helmstedter startet Petition

Nicht immer nur auf Handlungen der Verwaltungsfachleute oder Politiker warten mag indes Rudolf-Helmut Strozyk. „Ich wünsche mir, dass die Stadt Helmstedt/der Landkreis Helmstedt mit der Stadt Wolfsburg fusioniert und würde mich freuen, wenn viele Bürger diesen Wunsch unterstützen. Dazu habe ich eine Petition ins Leben gerufen“, hat der Helmstedter vor einigen Tagen verlauten lassen. Rudolf-Helmut Strozyk, bekannt als Gründer des Vereins Academia Julia, findet, dass seit einer „gefühlten Ewigkeit in den einzelnen politischen Gremien über eine Fusion – welche auch immer – diskutiert, beraten, abgewogen, geprüft, verworfen und und und wird“. Deshalb hat er seine Petition gestartet, die im Internet unterzeichnet werden kann: HIER.
Nie werde er sich an die Langsamkeit der Politik gewöhnen, meint Strozyk außerdem. Und da er bekanntlich
kein Mann der langen Worte, sondern des schnellen Handelns ist, möchte er erreichen, dass des Bürgers Wunsch Berücksichtigung findet. Wer also für eine Fusion von Wolfsburg und Helmstedt ist, sollte sich Strozyk anschließen.

In der Buchhandlung entsteht ein Café

Helmstedt. Derzeit prägen noch die Handwerker das Bild in der ehemaligen Buchhandlung im Papenberg in der Helmstedter Innenstadt. Die Maler sorgen für weiße Wände im ersten Stock, während im Erdgeschoss Fliesenleger am Werk sind. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren – schließlich soll hier ab dem 8. Mai das Café Fröhlich der Lebenshilfe seine Türen für alle Interessierten öffnen.

Die gemeinnützige Gesellschaft hatte das Haus vor zwei Jahren erworben, um hier den neuen Standort der Ambulanten Dienste gGmbH einzurichten. Seitdem laufen aufwendige Sanierungsarbeiten, bei denen auch die Anforderungen  des Denkmalschutz berücksichtigt werden. Die Arbeiten stehen nun kurz vor dem Abschluss. Dann wird neben der Ambulanten Wohnbetreuung (ABW) auch der Familien entlastende Dienst (FUD) der Lebenshilfe in das Haus einziehen. Die Mitarbeiterinnen dieser Dienste werden im ersten Obergeschoss des Hauses ihre neuen Büroräume beziehen. Im zweiten Stock werden zwei Wohnungen im Rahmen des betreuten Wohnens eingerichtet. „Wir wollen, dass dieses Haus sich zu einem Anlaufpunkt entwickelt‟, sagt Hartmut Neumann, Leiter der Helmstedter Wohnstätten. Ein großer Pluspunkt für das Café liegt auf der Hand: die Lage. „Es ist zentral gelegen – mitten in der Stadt‟, so Neumann. Für viele Beschäftigte der Werkstätten liege es zudem auf dem Heimweg.

Das Café richtet sich mit seinem Angebot nicht nur an die Beschäftigte. „Hier soll Inklusion gelebt werden, hier sollen sich Menschen treffen können, miteinander klönen, spielen und einfach eine gute Zeit haben. Am Wochenende wird es zudem Veranstaltungen, etwa Konzerte, geben‟, kündigt Neumann an. Der Name Fröhlich ist dabei einerseits Programm, andererseits verweist er auf die traditionsreiche Buchhandlung, die mehr als hundert Jahre in dem Haus für regen Betrieb sorgte.

Anke Albert, Koordinatorin des FUD, will durch den Umzug in die zentrale Lage mit ihrem Angebot ebenfalls näher an den Menschen dran sein. „Hier sind wir für alle sehr gut erreichbar‟, freut sich die Diplom-Pädagogin. Sie wird ein umfangreiches Freizeitangebot anbieten – inklusive Kegeln, Basteln und Spielen. Auch ambulant betreutes Wohnen gehört zum Angebot. Aber auch die individuelle Betreuung im Wohnumfeld der Hilfesuchenden soll von hier aus organisiert werden. Die Alltagsbegleitung von Menschen mit Behinderung und deren Angehörigen soll zu einem weiteren Standbein der Ambulanten Dienste ausgebaut werden.

„Wir sind dabei, uns bei den ambulanten Angeboten sehr gut aufzustellen‟, sagt Neumann.  Auch Kooperationen mit Sportvereinen zu etablieren, strebt Albert mit dem FUD an. Für diese Angebote und für das Café sucht die Lebenshilfe noch Ehrenamtliche. „Im Café soll sich ein Team zusammenfinden, das wir bestmöglich unterstützen. Jeder soll seine Ideen einbringen können‟, so Neumann. Wer Interesse an einer solchen Tätigkeit hat, kann sich bei Albert (Telefon: 05351/587035) oder Neumann (05351/587012) melden.

Am Freitag, 8. Mai, steigt ab 16 Uhr die Eröffnungsfeier im Café (Papenberg 7) mit Begrüßung durch den Bürgermeister und einem fetzigen Disco-Programm. Der Termin markiert gleichzeitig den Startschuss zum Jubiläumsjahr. Vor 50 Jahren wurde der Lebenshilfe-Verein Helmstedt gegründet. Von Mai bis November wird es zahlreiche Veranstaltungen geben.

FUD-HE

Hartmut Neumann und Anke Albert inspizieren die Baustelle.

Hier entsteht demnächst das Café Fröhlich. Foto: Lebenshilfe

Ein neuer Fund im paläon

(nj) Schöningen. Das paläon ist in der Region mittlerweile zu einer festen Institution geworden. Die weit über 100.000 Besucher aus der Bundesrepublik sprechen eine deutliche Sprache: Archäologie zum Anfassen, wie sie im Forschungs- und Erlebniscenter Schöninger Speere gelebt wird, begeistert.
Doch im Rahmen der hervorragenden Forschungsarbeit am Schöninger Tagebaurand wurden nicht nur die ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen, die Schöninger Speere, gefunden, sondern die Ausgrabung liefert bis heute immer wieder neue Funde.
Seit der Entdeckung der rund 300.000 Jahre alten Jagdwaffen in den 1990er Jahren, die die Fundstätte international bekannt und zu einer Pilgerstätte für Wissenschaftler gemacht haben, hat sich einiges getan.
Im Rahmen des Konjunkturpaketes II konnte nach langem Ringen um einen Standort für die Ausstellung der Speere, das paläon gebaut werden, dass Museum und Forschungseinrichtung verbindet. Neben wechselnden Ausstellungen und spannenden Aktionen, vor allem für Familien, bieten Vortragsreihen auch einen hochwertigen wissenschaftlichen Beitrag für die Öffentlichkeit.
Große Aufmerksamkeit in eben diesem Kontext erlangte damit auch im vergangenen Jahr ein besonderer Fund, der im paläon vorgestellt wurde: Eine Säbelzahnkatze, beziehungsweise die Überreste davon. Damit hielt die Einrichtung das Versprechen, kontinuierlich die Forschung voranzutreiben und den Besuchern die Ergebnisse zu präsentieren.
Die ausgezeichnete Erhaltung organischer Materialien in den etwa 300.000 Jahre alten Ablagerungen eines ehemaligen Seeufers hat nun zu einer weiteren außergewöhnlichen Entdeckung geführt: An der Fundstelle Schöningen 13 II, die gemeinsam vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Universität Tübingen untersucht wird, haben sich in verschiedenen Niveaus mehrere Objekte erhalten, die durch den Spezialisten Dr. Frank Steinheimer von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Eierschalenreste verschiedener Vogelarten identifiziert werden konnten. Die wenige Zentimeter bis Millimeter großen Funde wurden Dank der akribischen Arbeitsweise während der Ausgrabung in den Überresten der Sedimente entdeckt.
Der makroskopische und mikroskopische Vergleich mit Eiern heutiger Vögel erlaubte bislang die Bestimmung von fünf hervorragend erhaltenen Fragmenten: Ein Fragment zeigte eine sehr gute Übereinstimmung mit den Eierschalen des Kranichs (Grus grus) und ein weiteres Fragment kann einer Ente (vermutlich Stockente, Anas platyrhynchos) zugewiesen werden.
Drei weitere Bruchstücke finden ihre beste Entsprechung in den Eiern der heutigen Singschwäne (Cygnus cygnus). Singschwäne brüten heute in der Regel in subarktisch-kühlen Regionen wie Island, Skandinavien und Sibirien, während sie in Deutschland nur sehr selten brüten.
Die kleinen Eierfragmente liefern so einen entscheidenden Beitrag zur Rekonstruktion der klimatischen Verhältnisse für die Zeit des „Speerhorizontes“ mit den Überresten von mehr als 25 erlegten Pferden.
Die Eierschalen werfen auch die Frage auf, ob neben Pferdefleisch nicht auch im Frühjahr Vogeleier eine wichtige Nahrungsquelle bildeten und ein weiterer Grund für das Aufsuchen des Seeufers waren.
Von der systematischen Auswertung der Eierschalen erwarten die Forscher neue Ergebnisse zur Rekonstruktion der Klimaverhältnisse während der Schöninger Warmzeit sowie neue Einblicke in das Verhalten der Zugvögel und die menschliche Ernährungsweise vor 300.000 Jahren.
Im paläon sind die Originalfunde in einer Vitrine noch bis Sonntag, 19. April zu sehen.

Eierschalen

[Update] Wird “Vätern” das Feiern im Elm verboten?

von Nico Jäkel

Schöningen. Es ist nicht nur in der Helmstedter Region ein guter Brauch, an Christi Himmelfahrt – auch bekannt als Vatertag – in geselliger (Männer)Runde wandern zu gehen. Dabei werden nicht selten auch das eine oder andere Bier und ein “Kurzer” getrunken. Soweit alles in Ordnung, könnte man meinen. Doch in den vergangenen Jahren schlossen sich mehr und mehr solch kleine Wandergruppen zusammen, feierten gemeinsam – und es kam immer häufiger nicht nur zu Problemen hinsichtlich der Verschmutzung in den Wäldern, sondern auch zu handfesten Auseinandersetzungen.
Den traurigen Höhepunkt fand dies im vergangenen Jahr im Elm bei Schöningen, als ein Großeinsatz der Polizei dort eine Versammlung auflösen musste (der HELMSTEDTER SONNTAG berichtete, Foto: HE-So-Archiv). Nicht nur zum Teil stark angetrunken und gewaltbereit zeigten sich Teilnehmer dieser Versammlung.

sek

Als Konsequenz daraus, hatte die Stadt Schöningen zusammen mit der Polizei über Möglichkeiten nachgedacht, der Situation vorbeugend entgegenwirken zu können, formuliert es Schöningens Bürgermeister Henry Bäsecke. Während in der Bevölkerung bereits wilde Gerüchte aufgekommen waren, dass der Elm gesperrt werden könnte, betrachtet Bäsecke die Situation nüchterner: Kommunen könnten zum Beispiel ein Alkoholverbot aussprechen.

Den Elm zu sperren würde seiner Meinung nach der Sache nicht gerecht, da dann auch sämtliche anderen Personen wie zum Beispiel Spaziergänger davon betroffen wären.

[UPDATE]: 14. April 2015:
Wie Bürgermeister Henry Bäsecke soeben telefonisch bestätigte, wird die Stadt Schöningen in den kommenden Tagen im Rahmen einer Öffentlchen Bekanntmachung bekanntgeben, dass am Himmelfahrtstag, Donnerstag, 14. Mai, in der Zeit zwischen 6 und 22 Uhr ein Alkoholverbot für den Elm im Bereich östlich von Schöningen ausgesprochen wird. In Gesprächen mit den Niedersächsischen Landesforsten haben diese für den nicht zum Stadtgebiet gehörenden Teilbereich in der Nähe zu Schöningen, ebenfalls ein Alkoholverbot ausgesprochen.
Weitere Details werden in wenigen Tagen bekannt gegeben.

“Volksfest” in Helmstedt weiter zu sehen

(kat) Helmstedt. Wenn man von dem ernsten Inhalt der Folge “Volksfest” der ZDF-Serie “Schuld” einmal absieht, lohnt es sich, einen Blick auf die Stadt Helmstedt und zahlreiche Statisten zu werfen. Denn an der Folge, sie zu großen Teilen in Helmstedt gedreht wurde, wirkten einige Kreisstädter mit und insbesondere der Markt, die Kornstraße und die Kybitzstraße sind gut wiederzufinden… Das ZDF behält die Krimireihe, die auf den Romanen von Ferdinand von Schirach beruht, noch bis zum 20. Mai in ihrer Mediathek, sodass alle noch die Chance haben, sie anzusehen. Zur Reihe “Schuld” geht es direkt hier: ZDF-Mediathek.

"Volksfest" -  online zu sehen

Helmstedt aktuell hat einen neuen Vorstand

von Katja Weber-Diedrich

Helmstedt. Einen komplett neuen Vorstand hat der Einzelhändler-Verein helmstedt aktuell/Sadtmarketing seit seiner Mitgliederversammlung. Dabei ist der alte Vorstand nicht etwa von seinem Posten zurückgetreten, sondern wurde abgewählt.

Drei Stunden lang tagten die Helmstedter Einzelhändler im Café Förster und hörten sich zunächst das Geleistete des bisherigen Vorstands an, an das der Vorsitzende Manfred Walter mit seinem Team aus seinem Stellvertreter Guido Ehlers, dem Kassenwart Christian Duckstein, dem Schriftführer Jürgen Rost und dem Pressewart Martin Ryll in seinem Jahresrückblick erinnerte.

Der Vorstand wolle für eine weitere Periode kandidieren, informierte Wahlleiter Wittich Schobert unter dem Punkt Vorstandswahlen 44 stimmberechtigte Einzelhändler. Doch mit Petra Schadebrodt hatte sich eine Gegenkandidatin gefunden. In geheimer Wahl stimmten 24 für die 56-jährige gebürtige Helmstedterin und FDP-Ratsfrau, während auf Manfred Walter lediglich 20 Stimmen entfielen.

Damit war Walter abgewählt. Im weiteren Verlauf stellte sich Petra Schadebrodt ihren weiteren Vorstand Stück für Stück zusammen, fragte Schriftführer Jürgen Rost und Pressesprecher Martin Ryll auch, ob sie denn nicht weiter machen würden. Beide lehnten allerdings ab. So wählte die Versammlung Meike Jenzen als stellvertretende Vorsitzende, Claudius Traumann als Kassenwart, Wolfram Wrede als Schriftführer, Andreas Warmbein als Pressewart sowie Uwe Neumann (Arbeitskreissprecher Kulturnacht), Henning Schrader (Arbeitskreissprecher Tourismus), Doris Hergesell und Klaus Behrens als Beisitzer.

Der neue Vorstand müsse sich nun erst einmal einfinden, sagte Petra Schadebrodt abschließend. Aber sie freue sich auf die Herausforderung. Gleichzeitig versprach sie nicht nur, sich mit aller Kraft für die Helmstedter Innenstadt einzusetzen, sondern auch, Manfred Walter in einem besonderen Rahmen für dessen Verdienste um den Verein zu danken.

Mahnende Worte fand der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus, Innenstadt und Stadtentwicklung (AWTIS) der Stadt Helmstedt, Michael Gehrke, dennoch nach den Vorstandswahlen. Er monierte, dass die Art und Weise des Vorstandswechsels alles andere als schön vonstatten gegangen sei. „Der Vorstand hätte einen anderen Abgang verdient“, so Gehrke, der darauf verwies, dass der Wirtschaftsausschuss über Jahre sehr gut und sehr loyal mit Manfred Walter zusammengearbeitet habe. „Deshalb hat er es verdient, dass ihm ausdrücklich Dank dafür gesagt wird. In seiner Arbeit steckt ein ganzes Leben.“

Dem wollte sich die neu gewählte Vorsitzende allerdings nicht verschließen. „Natürlich haben wir alle Hochachtung vor der Leistung des Vorstandes unter Führung von Manfred Walter“, sagte sie deshalb in ihren Schlussworten. Nichtsdes­totrotz freute sie sich natürlich, dass sie gewählt wurde. Sie hätte sich zwar auch einige „alte Hasen“ im Vorstand gewünscht, sei aber ebenso glücklich über die neuen Mitglieder, mit denen sie nun an die Arbeit gehen wolle. „Ich versichere, dass ich mein ganzes Engagement für helmstedt aktuell  und die Innenstadt einsetzen werde.“
Der neue Vorstand besteht nahezu komplett aus dem des Vereins Innercity Marketing, der sich in den Zeiten der Diskussion um ein DOC in Helmstedt aus Protest gegen die befürwortende Meinung des helmstedt aktuell-Vorstandes gegründet hatte.
„Für mich war eben immer die ganze Stadt Helmstedt wichtig – vom Magdeburger Berg bis nach Barmke, und nicht nur die Innenstadt“, erinnerte Manfred Walter in diesem Zusammenhang an seine Philosophie.