Elmsburg wird wieder zum Leben erweckt

von Katja Weber-Diedrich

Schöningen. Unter dem Blätterdach auf einer Kirchenbank sitzen und einem Gottesdienst oder den Klängen einer nachempfundenen Orgel lauschen – das soll, wenn es nach den Vorstellungen der Kreisarchäologin Dr. Monika Bernatzky geht, bald im Elm bei Schöningen möglich sein. Dort wird aktuell der Elmsburg “neues Leben” eingehaucht.

Hoch herrschaftlich ist es einst im Elm bei Schöningen zugegangen, denn die Elmsburg war im Mittelalter nicht nur eine „einfache“ Kirche, sondern sogar ein Standort des Deutschritterordens. Damit ist die Elmsburg eines der herausragenden archäologischen Denkmäler des Landkreises Helmstedt.
Historisch bedeutsam ist die Elmsburg, da sie zunächst im welfischen Besitz war und 1221 dem Deutschen Orden geschenkt wurde. Die Ritter erweiterten die Anlage zu einer Kommende, die bis ins 16. Jahrhundert hinein „in Betrieb“ war.
Doch der Zahn der Zeit hat an den Mauern genagt. Zwar fanden in den 1950er Jahren schon einmal Ausgrabungen statt, allerdings ist die frühere Burganlage im Laufe der Jahre wieder zugewachsen und beinahe im Boden „verschwunden“. Nur die Fundamente der Kirche blieben nach den Grabungen in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts offen liegen.
Im Rahmen der LEADER-Region „Grünes Band im Landkreis Helmstedt“ wurde nun ein Projekt eingerichtet, das zum Ziel hat, die Elmsburg entsprechend ihrer Bedeutung herzurichten. So soll das Denkmal durch neue Informationstafeln und eine behutsame Ergänzung der Mauern von den Besuchern wieder wahrgenommen werden können. Zum anderen bietet sich für die weitere Region mit dem spannenden Thema „Deutscher Orden“ ein neuer touristischer Aufhänger, der die Elmsburg in Vernetzung mit dem Rittergut Lucklum im Reitlingstal als lohnendes Ausflugsziel etablieren kann.
Beauftragt wurde die Arcontor Produkt GmbH aus Destedt für archäologische Grabungen, die bis Mitte 2020 andauern sollen.

Da die Grabungsdokumentation der 1960er Jahre für heutige Ansprüche nicht ausreichend ist, bilden archäologischen Nachgrabungen an der Kirchenruine die erste Phase der Umsetzung des Projektes. Dabei muss das Denkmal von Schutt und verstürzten Steinen, die sich in den letzten 60 Jahren über den Relikten angesammelt haben, befreit werden. Neben der genauen Dokumentation mithilfe von digitalen Vermessungsmethoden gilt es insbesondere die Frage zu klären, welche Bauphasen die Kirche erlebt hat und wie sich diese anschließend in einem schlüssigen Rekonstruktionskonzept darstellen lassen. Schon jetzt zeichnen sich die Fundamentreste, wie sie von Archäologen schon einmal vor 60 Jahren freigelegt worden sind, wieder deutlich im Gelände ab. Starke Grundmauern, überwiegend aus ortsfremdem Sandstein, trugen die erste Kirche an diesem Platz. Weitere Mauern bestehen aus Elmkalkstein und scheinen später errichtet worden zu sein. Noch bedarf es einiger gezielter „Schnitte“, wie es im archäologischen Fachjargon heißt, um die Abfolge genau zu klären.

Der jetzige Zustand wird weder dem Kulturdenkmal noch den Ansprüchen an ein attraktives touristisches Ziel gerecht. Loses Mauerwerk ist über den Kirchengrundriss verteilt und dient immer wieder als Spielplatz für Kinder der nahen Jugendherberge. Die Elmsburg macht den Eindruck eines zwar geheimnisvollen, aber doch sehr verwahrlosten historischen Orts.
Der Träger des Projektes ist der Landkreis Helmstedt. Neben Geldern der europäischen Union aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) ermöglichen Förderungen der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, in dessen Stiftungswald die Elmsburg liegt, und der Bürgerstiftung Ostfalen die Realisierung des Gesamtprojektes.

 

 

Dr. Monika Bernatzky (links) zeigte Vertretern des Landkreises, der Stadt Schöniningen, der LEADER-Aktionsgruppe, der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz sowie der Bürgerstiftung Ostfalen im Beisein von Grabungsleiter Marius Miche (rechts), was an der Elmsburg zutage gefördert werden soll. Foto: Katja Weber-Diedrich

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