Ein neuer Fund im paläon

(nj) Schöningen. Das paläon ist in der Region mittlerweile zu einer festen Institution geworden. Die weit über 100.000 Besucher aus der Bundesrepublik sprechen eine deutliche Sprache: Archäologie zum Anfassen, wie sie im Forschungs- und Erlebniscenter Schöninger Speere gelebt wird, begeistert.
Doch im Rahmen der hervorragenden Forschungsarbeit am Schöninger Tagebaurand wurden nicht nur die ältesten vollständig erhaltenen Holzwaffen, die Schöninger Speere, gefunden, sondern die Ausgrabung liefert bis heute immer wieder neue Funde.
Seit der Entdeckung der rund 300.000 Jahre alten Jagdwaffen in den 1990er Jahren, die die Fundstätte international bekannt und zu einer Pilgerstätte für Wissenschaftler gemacht haben, hat sich einiges getan.
Im Rahmen des Konjunkturpaketes II konnte nach langem Ringen um einen Standort für die Ausstellung der Speere, das paläon gebaut werden, dass Museum und Forschungseinrichtung verbindet. Neben wechselnden Ausstellungen und spannenden Aktionen, vor allem für Familien, bieten Vortragsreihen auch einen hochwertigen wissenschaftlichen Beitrag für die Öffentlichkeit.
Große Aufmerksamkeit in eben diesem Kontext erlangte damit auch im vergangenen Jahr ein besonderer Fund, der im paläon vorgestellt wurde: Eine Säbelzahnkatze, beziehungsweise die Überreste davon. Damit hielt die Einrichtung das Versprechen, kontinuierlich die Forschung voranzutreiben und den Besuchern die Ergebnisse zu präsentieren.
Die ausgezeichnete Erhaltung organischer Materialien in den etwa 300.000 Jahre alten Ablagerungen eines ehemaligen Seeufers hat nun zu einer weiteren außergewöhnlichen Entdeckung geführt: An der Fundstelle Schöningen 13 II, die gemeinsam vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Universität Tübingen untersucht wird, haben sich in verschiedenen Niveaus mehrere Objekte erhalten, die durch den Spezialisten Dr. Frank Steinheimer von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg als Eierschalenreste verschiedener Vogelarten identifiziert werden konnten. Die wenige Zentimeter bis Millimeter großen Funde wurden Dank der akribischen Arbeitsweise während der Ausgrabung in den Überresten der Sedimente entdeckt.
Der makroskopische und mikroskopische Vergleich mit Eiern heutiger Vögel erlaubte bislang die Bestimmung von fünf hervorragend erhaltenen Fragmenten: Ein Fragment zeigte eine sehr gute Übereinstimmung mit den Eierschalen des Kranichs (Grus grus) und ein weiteres Fragment kann einer Ente (vermutlich Stockente, Anas platyrhynchos) zugewiesen werden.
Drei weitere Bruchstücke finden ihre beste Entsprechung in den Eiern der heutigen Singschwäne (Cygnus cygnus). Singschwäne brüten heute in der Regel in subarktisch-kühlen Regionen wie Island, Skandinavien und Sibirien, während sie in Deutschland nur sehr selten brüten.
Die kleinen Eierfragmente liefern so einen entscheidenden Beitrag zur Rekonstruktion der klimatischen Verhältnisse für die Zeit des „Speerhorizontes“ mit den Überresten von mehr als 25 erlegten Pferden.
Die Eierschalen werfen auch die Frage auf, ob neben Pferdefleisch nicht auch im Frühjahr Vogeleier eine wichtige Nahrungsquelle bildeten und ein weiterer Grund für das Aufsuchen des Seeufers waren.
Von der systematischen Auswertung der Eierschalen erwarten die Forscher neue Ergebnisse zur Rekonstruktion der Klimaverhältnisse während der Schöninger Warmzeit sowie neue Einblicke in das Verhalten der Zugvögel und die menschliche Ernährungsweise vor 300.000 Jahren.
Im paläon sind die Originalfunde in einer Vitrine noch bis Sonntag, 19. April zu sehen.

Eierschalen

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