Zeitzeuge in der BBS: Sally Perel war selbst der “Hitlerjunge Salomon”

von Katharina Loof

Helmstedt. „Zeitzeugen sind die besten Geschichtslehrer“, zitierte Sally Perel den Regisseur Steven Spielberg. Und der Autor des autobiografischen Buches „Ich war Hitlerjunge Salomon“ nahm seine Rolle als „lebendige Geschichte“ sehr ernst. Auf Einladung der Schulleitung Heidelinde Klimm und Stefanie Lorenz war Perel  in die Berufsbilden Schulen (BBS) für den Landkreis Helmstedt gekommen, um aus seinen Leben zu berichten.
Er berichtete von seiner Jugend in Peine, von der Flucht nach Polen, von wo aus er 1939 als 14-Jähriger in Richtung Russland floh.
Während seiner Flucht wurde Perel von deutschen Soldaten aufgegriffen, die ihn für einen der Ihren hielten. Perel tarnte sich als Josef Peters, gelangte in ein Waisenhaus und wurde später von einem Hauptmann adoptiert und in ein Hitlerjugend-Internat nach Braunschweig geschickt. Vier Jahre lang lebte Perel als vermeintlicher Nazideutscher. Mehr noch: er verinnerlichte seine Rolle bis zum Selbsthass. „Ich war ein begeisterter Hitlerjunge, salutierte mit Stolz, rief den Hitlergruß – ich wurde zu meinem größten Feind.“
Perels Worte bewegten und machten nachdenklich. Vor allem, weil in seinen Worten mit keiner Silbe eine Anklage mitschwang.
Er überlebte diese „größtmögliche Tragödie von der anderen Seite“. Perel ist Teil beider Geschichten; ein Doppelleben, das sich einprägte und über 75 Jahre Bestand hat. „Noch immer muss ich mich mit der Nazi-Ideologie auseinandersetzen“, gestand der 93-Jährige. „Unsere Völker – das jüdische und das deutsche – werden noch lange Auschwitz-Invaliden sein.“ Sein Plädoyer richtete sich daher an alle: „Macht nicht die gleichen Fehler, wiederholt nicht die gleichen Parolen.“

Jetzt teilen... Share on Facebook0Share on Google+0Tweet about this on TwitterShare on LinkedIn0Pin on Pinterest0Share on Tumblr0

Kommentar verfassen