Helmstedt. Studierende der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel stellten ihre Visionen für das idyllische Kleinod vor.

Neues entsteht dort, wo man innehält, hinschaut und den Mut hat, den nächsten Schritt in eine unbekannte Richtung zu wagen. Mit genau dieser Herangehensweise haben fünf Studierende der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel den Versuch unternommen, im Rahmen ihres Studiengangs Stadt- und Quartiersplanung neue Zukunftsvisionen für den idyllischen Ortsteil und ehemaligen Kurort Bad Helmstedt zu entwickeln. Unter der Leitung von Professor  Dr.-Ing. Jan Büchenschuß stand die Frage im Mittelpunkt, wie sich das Brunnental in den kommenden zehn Jahren entwickeln könnte. Jede und jeder Studierende wählte dafür ein eigenes Themenfeld und präsentierte individuelle Ansätze. Entsprechend groß war das Interesse der Stadtverwaltung, Politik und der zahlreichen Gäste, die den Präsentationen im Theatercafé des Brunnentheaters aufmerksam lauschten.

Fünf Studierende – fünf Handlungsfelder

Alexander Bock widmete sich zunächst der Belebung öffentlicher Räume durch saisonale Veranstaltungen auf dem Theaterparkplatz sowie sportliche Angebote wie ein Outdoor-Gym. Katharina Wichmann verknüpfte ihre Überlegungen mit dem Thema Gesundheitstourismus: Sie entwickelte Ideen für ein Reha-Zentrum, Verkaufsstände am Theaterparkplatz und eine Wiederbelebung des alten Containers am See für einen Fahrradverleih. Julia Kattenstroth legte ihren Fokus auf Bewegung, Gastronomie und Aufenthaltsqualität. Sie schlug gemütliche Sitzgelegenheiten aus Holz, Infotafeln über Aktivitäten im Brunnental und Joggingrouten im angrenzenden Lappwald vor – ergänzt um eine Wiederbelebung des Theatercafés, um so auch den Zugang zu sanitären Einrichtungen zu gewährleisten und die Aufenthaltsdauer zu verlängern.

Ideen mit Perspektive und Leidenschaft

Gerrit Klitzke brachte nachhaltige Aspekte ein, etwa die Überdachung der Parkplätze mit Photovoltaik und den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos. Laura Pleiß wiederum verband Kunst und Natur: Ein Kuppel-Café in einem Meer aus Tulpen, eine bunte Bemalungen des Parkplatzes oder wechselnde Kunstausstellungen im Brunnentheater sollen das „Brunnental 2036“ in neuem Glanz erstrahlen lassen. Auch die Aufstellung von so genannten „Smart Fridges“ (zu deutsch: intelligente Kühlschränke) – also Verkaufsautomaten mit Essens- und Getränkeangebot – warf sie in den Ring der vielen Ideen. Übereinstimmung herrschte bei allen in den Themen ÖPNV-Ausbau, Verkehrsberuhigung durch eine Tempo-30-Zone am Orts-eingang und eine verbesserte Straßenbeleuchtung – etwa durch Low-Level-Lighting entlang der Gehwege oder kunstvoll gestaltete Lampenfiguren. Der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt, und gerade diese Verschiedenheit machte die Präsentationen inspirierend.

„Verschlafenes“ Bad Helmstedt aufwecken

Bad Helmstedt besitzt als Ortsteil neben seiner historischen Bedeutung und der reizvollen Natur des Brunnentals eine lange Tradition als Naherholungsgebiet. Doch ein verändertes Freizeitverhalten hat Spuren hinterlassen. Viele Hotels und Gastronomiebetriebe sind verschwunden, geblieben sind nur das Hotel Quellenhof, der ehemalige Betrieb Gesundbrunnen und das Brunnentheater als Zeugnisse vergangener Glanzzeiten. Damit das Brunnental künftig wieder mehr Besuchende anzieht, bedarf es neuer Impulse jenseits der Naturerholung – seien es Kunst, Kultur oder innovative Freizeitangebote. Hier setzen die Arbeiten der Studierenden an: Sie öffneten Perspektiven, die Bad Helmstedt langfristig bereichern könnten. Zwar äußerten einige Gäste im Nachgang an die Vorstellung der Facharbeiten ihre Bedenken hinsichtlich der Umsetzbarkeit und der Kosten, doch die Studierenden hatten sich auch mit Förderprogrammen beschäftigt, die viele ihrer Vorschläge stützen könnten. Einig war man sich am Ende des Abends: Die Kreativität, der Mut und der frische Blick auf das „verschlafene“ Bad Helmstedt haben gezeigt, dass Veränderung nur dort entsteht, wo Menschen sich trauen, Neues zu denken und folglich auch den ersten Schritt gehen.

Redakteurin at Helmstedter Sonntag | Website | + posts

Die 1998 in Wolfsburg geborene Shirin-Sophie Porsiel, aktuelle Redakteurin des HELMSTEDTER SONNTAG, mag schnelle, laute Musik auf der einen und entspanntes Wandern in der ruhigen Natur auf der anderen Seite. Ein Widerspruch? Keinesfalls. So sorgt sie für Ausgeglichenheit in ihrer Freizeit. Sie ist offen für einen bunten Strauß an Themen, was sie für die schreibende Zunft geradezu prädestiniert.