//Königslutter entwickelt sich weiter

Königslutter entwickelt sich weiter

Königslutter. Mit dem Zug am Bahnhof in Königslutter angekommen, wartet vor dem Bahnhofsgebäude schon ein Mini-Bus, der zwischen dem Bahnhof, der Innenstadt und Lutterspring pendelt.


Mit ihm geht es in wenigen Minuten zum Marktplatz, um ein Essen in einem Lokal direkt in der „guten Stube“ der Domstadt zu genießen.
„Nach dem Essen sollst du ruh‘n oder tausend Schritte tun“ heißt es im Volksmund, also wird zweitere Möglichkeit gewählt. Auf dem Weg Richtung Kaiserdom lockt Musik in eine kleine Privatbrauerei mit einem gemütlichen Innenhof. Unter Bäumen wird also kurzerhand ein „kühles Rotblondes“ genossen.
Mit dem Leih-Segway geht es anschließend weiter gen Kaiserdom. Am „Aufgang“ zu dem historischen Bauwerk drückt allerdings die Blase. Gut, dass in der „Villa Romantica“ eine öffentliche Toilette vorhanden ist. Und weil es dort auch gleichzeitig Andenken zu kaufen und Informationen der Domstadt mitzunehmen sind, wird der Rucksack direkt noch etwas gefüllt.
Nach dem Besuch des Kaiserdoms ist das Ziel aber noch nicht erreicht. Es geht weiter zu Fuß auf dem Lutterweg, der mit unterhaltsamen „Zwischenstopps“ bestückt ist. Ein bisschen sportliche Betätigung kann nicht schaden nach gutem Essen und Bier…
Nach einem Blick in den Ursprung Königslutters, die Lutterquelle, ist dann aber das abendliche Ziel erreicht. Die kleine Waldbühne mitten im Elm. Bei einem Kinofilm klingt der Abend toll aus.

Keine Utopie, sondern echte Planungen

Das, was utopisch klingt, ist in den Köpfen der so genannten Planungsgruppe Königslutter, schon fest verankert. Denn seit einem halben Jahr entwickelt das externe Stadtplanerteam des Büros Dr. Klauser gemeinsam mit Verwaltungsmitarbeitern, Politikern und Bürgern der Domstadt ein Entwicklungskonzept für die Domstadt. Das „Band durch Königslutter“ ist dabei ein Kernpunkt. Vom Lutterspring bis zum Bahnhof oder sogar bis zum Schulzentrum soll sich dieses Band künftig nicht nur gedanklich, sondern Wahrhaftig durch die Stadt ziehen.

Das dritte und letzte „Offene Büro“, das dazu gedacht war, die Bürger und ihre Wünsche zu hören, fand gerade guten Zuspruch, da ist die Planungsgruppe schon beim nächsten Punkt angelangt. In einer Stadt.Werk.Stadt sollen bis August gemeinsam mit den Bürgern zwei bis drei Projekte der langen Ideenliste konkretisiert werden, um diese darauf über Förderanträge zur Realisierung zu führen. Für Dr. Wilhelm Klauser vom gleichnamigen Planungsbüro ist dabei klar: „Das Entwicklungskonzept wird sich über Jahre hinweg entfalten. Es muss so robust sein, dass es Stresssituationen aushalten kann, die sich jetzt nicht absehen lassen. Es muss eine Richtung vorgeben und Bürger wie Entscheidungsgeber zur Umsetzung motivieren.“

Ohne die Bürger geht es nicht

Überhaupt: Ohne Bürgerbeteiligung sei eine Umsetzung überhaupt nicht möglich, betonte Dr. Klauser im Jugend- und Gästehaus der Stadt. „Wir möchten weiter so toll mit Ihnen arbeiten wie in den Offenen Büros“, rief er deshalb auf. Gleichzeitig zeigte er sich optimistisch, dass die Stadt.Werk.Stadt auch tatsächlich entstehen kann. Am Abend des letzten Offenen Büros trugen sich immerhin schon etwa ein Dutzend Bürger in die Teilnehmerliste dafür ein…

Nach dem dritten und letzten Offenen Büro im Stadt- und Jugendhaus trugen sich einige interessierte Bürger in die Teilnehmerliste für die Stadt.Werk.Stadt ein. Foto: Katja Weber-Diedrich

Rückblick

Im Dezember vergangenen Jahres hatte der HELMSTEDTER SONNTAG von der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Stadtentwicklung berichtet, in der Dr. Klauser konkrete Projekte vorgestellt hatte:

Planer entwickeln erste Ideen
„Stadt hat alles, was für Erfolg nötig ist“

von Katja Weber-Diedrich

Königslutter. „Die Qualitäten, die von Königslutter ausgehen, sind für jemanden, der von außen kommt, sehr prägnant.“ Viele positive Worte über die Domstadt fand Dr. Wilhelm Klauser vom gleichnamigen externen Planungsteam bei der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Tourismus der Domstadt am Mittwoch.
Er gab einen Zwischenstandbericht zum Entwicklungskonzept, das Stadt- und Landschaftsplaner sowie Fachleute für Tourismus, Moderation und ländlichen Raum gemeinsam mit den Bürgern Königslutters erstellen wollen und das mit den so genannten „offenen Büros“ erfolgreich gestartet ist.
„Diese Stadt hat eigentlich alles, was es braucht, um erfolgreich zu sein“, war Dr. Klauser sicher und wies auf die seiner Meinung nach „unverwechselbare Stadtkultur“ hin, die zeitgemäße Angebote, die Möglichkeit der unmittelbaren Beteiligung, bürgerschaftliches Engagement und moderne Architektur verknüpfe.
Dringend geboten sei es, die Leerstände in der Innenstadt zu bekämpfen. Dies könne mit neuen Wohnprojekten (etwa Wohnen im Alter in der Innenstadt) sowie der Neuansiedlung von produzierendem Gewerbe (etwa in Manufakturen) geschehen. Einige Ideen dafür hatte Dr. Klauser im Gepäck und stellte sie dem Ausschuss vor. Ebenso präsentierte er Ideen für eine augenscheinliche Verknüpfung des Zentrums von der Lutterquelle bis zum Bahnhof und sogar darüber hinaus bis zum Schulzentrum in der Wilhelm-Bode-Straße. Dies könnte gemäß der Ideen der Planer mit kleinen „Aufwertungen“ geschehen: zum Beispiel durch Stege an der Lutterquelle, die Pflanzung von Bäumen am Straßenrand, die „Öffnung“ der Lutter in der Innenstadt oder die Aufstellung von Ausstattungselementen wie Lichtstelen oder Bänken, die in Königslutter einzigartig sind.
Am Ende sollte so „Das Band von Königslutter“ entstehen, schilderte der Stadtplaner seine Vision. Dazu sei es wichtig, mit Privateigentümern entlang des „Bandes“ ins Gespräch zu kommen und gleichzeitig weiterhin die Mithilfe der Domstadtbürger zu haben.
Dr. Klauser hatte noch viele weitere Ideen, wie die Schaffung einer „Stadt.Werk.Stadt“ in der Stadtbücherei, einer „Villa Romantica“, die Tourismus, Kultur, Senioren und Kinder unter einem Dach vereint, oder einer Mobilitätszentrale im Bahnhofsumfeld.
Am Ende seines Vortrages riet er den Ratsleuten: „Konzentrieren Sie alle Entwicklungsanstrengungen auf die Innenstadt. Denn die Innenstadt ist die Stadt von morgen.“ Man solle nicht dem nachtrauern, was einmal gewesen ist, sondern einsehen, dass die Chancen groß sind, wenn man sich entschieden auf den Weg macht.