Helmstedt. „Poetry“ in Zusammenarbeit mit dem Helmstedter Partnerschaftsverein (HPV) .
„Your World is coming“, sagt Clive, der Militärpoet, zu den Lernenden am Julianum in Helmstedt: „Eure Welt kommt jetzt.“ Im Poetry-Workshop fordert er die Teilnehmenden auf, Ideen und Wünschen für die Zukunft Gehör zu verschaffen. Es ist ein nasskalter Februartag, wie eigentlich immer, wenn Clive Sanders von der Londoner Wohltätigkeitsorganisation „Never Such Innocence“ an Helmstedter Schulen von seinem Leben als Soldat und Dichter erzählt und – unterstützt vom Partnerschaftsverein – junge Personen motiviert, ihre Gedanken über Krieg, und Frieden, über Ungerechtigkeit und Hoffnung in Reimform zu präsentieren. Die Ergebnisse können auch in diesem Jahr bei einem Wettbewerb eingereicht werden, an dem junge Personen aus der ganzen Welt teilnehmen.
In ein anderes Schicksal hineinversetzen
„Standing in someone elses shoes“, sich in ein anderes Schicksal hineinversetzen, lautet das aktuelle Motto, über das auch Clive ein Gedicht geschrieben hat. Wie es sich wohl anfühlt, ein Flüchtling zu sein, überlegt er darin, lebensbedrohliche Gefahren auf sich zu nehmen, „nur“ um anderswo ein neues Leben anzufangen, irgendwo in der Fremde, in einem Land, wo Frieden und Freiheit keine Luxusgüter sind. Visualisierung mit oft bedrü-ckenden Bildern, ein weiteres Gedicht von Clive über seine Erfahrung an den Kriegsschauplätzen der Welt, insgesamt vier davon hat er selbst erlebt und den Schrecken, sagt er, „nie wieder vergessen“: Wie in jedem Jahr funktioniert das Prinzip aus Motivation, behutsamer Anleitung und Clives bitterer, aber niemals verbitterter Erfahrung. Die Lernenden stellen ihre ers-ten, nachdenklich stimmenden, manchmal anklagenden, manchmal traurigen Verse in englischer Sprache vor.
Berührende Beiträge
Drei Zeilen über ein Foto, das symbolisch die blutigen Schuhe eines sechsjährigen Mädchens aus Gaza zeigt, drei Zeilen, die alle mit dem selben Wort beginnen sollen, das ist die erste Aufgabe. Lotta schreibt von „beschützen“, Calvin von vertrauten Dingen, die angesichts dieses einen Schreckensbildes plötzlich bedeutungslos scheinen, Hilary von „innocence“ von Unschuld, die verloren gegangen ist. Auch die anderen Beiträge der Lernenden des elften und zwölften Jahrgangs sind berührend, vielleicht weil diese „doppelte Verfremdung“, diese gleich zweifach ungewohnte Art des Ausdrucks, es einfacher macht, über solch verstörende Themen zu schreiben, erzählt ein Lernender. Schließlich, die letzte Aufgabe dieses Vormittags: Wie wäre es, der deutsche Kanzler zu sein? Worauf käme es an, in einer zukünftigen Welt? Armut bekämpfen, sich für vergangenes und aktuelles Unrecht entschuldigen. Daraus lernen für die Zukunft und die Welt zu einem besseren Ort machen, einem Ort ohne Hass, einem Ort für alle, heißt es in den Gedichten und eine der vorgetragenen Verse fasst die Gedanken wie stellvertretend für alle anderen zusammen: „Only the best for my country. As we are all one“.
Kathrin Peter-Sohr
Als Freie Redakteurin bereichert Kathrin Peter-Sohr das Team des HELMSTEDTER SONNTAG nicht nur schreibend, sondern zugleich "(be)lehrend": Als Volontärin eines früheren Helmstedter Anzeigenblattes zog sie aus in die große weite Welt. Nach über 20 Jahren als Lehrerin in Hamburg kehrte sie nun zu ihren beruflichen Wurzeln zurück nach Helmstedt. Sie erweckt sogar trockene Themen zu Leben und kennt sich mit Verwaltungsdeutsch bestens aus.
