Büddenstedt. Der kleine Saal des ehemaligen Rathauses platzte aus allen Nähten, über 150 Interessierte waren gekommen.

Die knapp 140 bereitgestellten Stühle reichten nicht, das Interesse war riesig: Am Montagabend platzte der kleine Saal im ehemaligen Büddenstedter Rathaus aus allen Nähten. Über 150 Menschen interessierten sich für das „Energieprojekt“: Drei Firmen möchten auf den früheren Tagebauflächen bei Büddenstedt einen Wind- und einen Solarpark sowie ein Rechenzentrum inklusive Batteriespeicher errichten. Als die Konzepte in einer gemeinsamen Sitzung zweier städtischer Ausschüsse und des Ortsrates Büddenstedt im Januar vorgestellt wurden (wir berichteten) wurde deutlich, dass der Informationsbedarf groß ist. Ebenso wurde bereits in dieser Sitzung vor sechs Wochen klar, dass es Widerstand aus der Bevölkerung geben dürfte. Anwohnerinnen und Anwohner sorgen sich um den Schattenwurf der riesigen Windkraftanlagen, um die Hitzestrahlung des Rechenzentrums oder um die Einzäunung des Areals zu Lasten der wildlebenden Tiere.

Widerstand machte sich breit 

Dirk Staats vom SAB WindTeam, Leo Grundmeier von der wpd GmbH und Marion Jäger von der Ignis Energy Germany GmbH unterstrichen, dass sie die Sorgen verstehen, versuchten aber zugleich, diese auszuräumen. Immer wieder fiel dabei das Wort „Vorschrift“: Die Projektträger haben sich an zahlreiche Auflagen zu halten und hoffen darauf, dadurch das Vertrauen der Bevölkerung zu steigern. Beispielsweise darf der Schattenwurf eines Windrades Privatgrundstücke nur maximal 30 Minuten täglich beeinträchtigen, erklärte Staats. Und Jäger beschrieb detailliert die Wasserkreislaufkühlung eines Rechenzentrums, die Hitzestrahlungen nach außen verhindere. Dass das Areal eingezäunt wird, lasse sich, so Grundmeier, hingegen kaum umgehen. Aber die Wege sollen freigehalten werden, ergänzte er. Rund 170 Arbeitsplätze würde das Rechencenter schaffen, sagte Marion Jäger außerdem auf eine Nachfrage. Hinzu kämen Wartungs- und Pflegearbeiten, für die – wenn möglich – hiesige Firmen beauftragt werden sollten, versicherte die Ignis-Geschäftsführerin.

Helmstedt als Energiestandort erhalten und entwickeln

Die Frage des Ratsherren Christian Romba, ob jedes Projekt einzeln realisierbar sei oder ob es nur „das ganze Paket“ gäbe, war eine der letzten des Infoabends. Alle drei Projektträger erklärten, dass sie sehrwohl allein investieren könnten. Zugleich wünschten sie sich aber, Synergieeffekte nutzen zu können. Dirk Staats fasste es für alle Investoren zusammen: „Wir wollen Helmstedt als Energiestandort mit Zukunftsperspektive erhalten und entwickeln.“ Dass dieses Vorhaben noch ganz am Anfang steht, bekräftigten sowohl Büddenstedts Ortsbürgermeister Dirk Zogbaum als auch Helmstedts Bürgermeister Wittich Schobert. Insgesamt werde beim „Energieprojekt Büddenstedt“ Wert auf Transparenz gelegt. Deshalb solle auch eine weitere Bürgerinformationsveranstaltung stattfinden, gab Schobert den Interessierten mit auf den Nachhauseweg.

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Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit 30 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor 25 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.