Helmstedt. Durch das gemeinsame Engagement der Partnerstädte konnten auch Jugendliche aus der Ukraine am Sommercamp teilnehmen.  

Musik und Schwimmen im Waldbad Birkerteich, deutsch-deutsche Geschichte, die Autostadt Wolfsburg und natürlich Fußball, Fußball, Fußball, das alles stand diese Woche auf dem Programm des internationalen Sommercamps „Game On“ in Helmstedt (wir berichteten). Es ist etwas Einzigartiges und Besonderes, was der Helmstedter Partnerschaftsverein (HPV) gemeinsam mit den Schwesternstädten Albuquerque und Vitré sowie der ukrainischen Organisation „Children in war“ hier, an der ehemaligen Schnittstelle des Kalten Krieges organisiert hat: Eine internationale Begegnung von jungen Menschen aus Frankreich, den USA und den vom Krieg schwer betroffenen ukrainischen Städten Charkiv, Cherson und Saporishja, eine Woche voller Gemeinschaft über Grenzen hinweg.  „Really nice“, sei es gewesen, erzählten Teilnehmende im Gespräch mit dem HELMSTEDTER SONNTAG am Mittwochabend im Waldbad Birkerteich, „chouette“, „klasno“, einfach super.  Ihre Woche in „pretty old Helmstedt“ hatte zwischen Platzregen und Gluthitze nicht nur wettermäßig alles zu bieten, was das Leben so mit sich bringt: Schwungvoll und lustig sei es gewesen, voller Intensität, tieftraurig und melancholisch, mal zum Staunen, mal zum Feiern und mal auch zum Weinen. Besonders die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen, deren Alltag von einem verheerenden Krieg geprägt ist, habe sie sehr berührt, erzählen zwei Mädchen aus Vitré, die Umstehenden nicken zustimmend.

Endlich „ein paar Tage Ferien“

Aber sehr schnell, sagt ein Teilnehmender aus dem amerikanischen Albuquerque, habe man die anfänglichen Berührungsängste vergessen, den Frieden gefeiert ohne den Krieg zu ignorieren, habe sich angefreundet, zusammen gegessen, Videos angeguckt, geflirtet, Fußball gespielt, „just normal, just together“, einfach ganz normal, einfach zusammen. Die Vorstellung, dass seine neuen Freunde jetzt dahin zurückfahren, wo Bomben fallen, lässt ihn schlucken. Fußballtrainer Volodomyr aus Charkiv, der auch in seiner Heimatstadt Kinder betreut und in Helmstedt schnell die fröhliche Seele des Camps geworden ist, gehört auch zu denen, die in dieser Woche eine kurze Auszeit, „ein paar Tage Ferien“ vom Krieg hatten. Am Mittwoch im Freibad, zwei Tage bevor es dahin zurück geht, wo die Normalität in Sirenengeheul und Drohnenangriffen besteht, „rettet“ er spontan mit einem Hechtsprung das Gruppenfoto, „sortiert“ noch schnell die Reihen der Teilnehmenden, er lacht und strahlt, wenn er mithilfe der ukrainisch-amerikanischen Dolmetscherin Diana von seiner glücklichen Zeit in Helmstedt erzählt. Dann plötzlich klingen seine Worte ernst und der Sinn ist klar, noch bevor Diana aus dem Ukrainischen ins Englische übersetzt: Ein paar Tage ohne Angst sind ein Geschenk. Überhaupt, Sprache. Ist doch eigentlich nebensächlich, wenn junge Leute tanzen, Musik hören, feiern, und abhängen, sagt Dokumentarfilmer Felix, der eigentlich nur professionell seinen Auftrag erledigen und einen Kurzfilm drehen wollte. Dann hat ihn die Stimmung im Camp so mitgerissen, dass er schließlich fast jeden Tag dabei war. 

Rührender Abschied

Am Morgen vor der Abreise steht für die Besuchenden aus Frankreich und den USA in der Gedenkstätte Marienborn noch deutsch-deutsche Geschichte auf dem Programm. „Unwirklich. Wie ein sehr alter Agentenfilmen. Aber vor allem: bedrückend“, fasst eine französische Teilnehmerin ihre Eindrücke zusammen. Die Gäste aus der Ukraine waren an diesem Vormittag, dem letzten, bevor es zurückgeht, im Wald unterwegs. Ihr Wunsch war ein Spaziergang in der Natur. Frei und  in Frieden. Ohne Angst. Am Abend haben sie noch ein besonderes Abschiedsgeschenk  für die Gastgebenden aus Helmstedt, die Organisierenden aus Charkivs amerikanischer Partnerstadt Albuquerque und alleneugewonnen Freunde der „Game on“- Woche vorbereitet: Bei dem mehrsprachigen Singstück, das sie aufführen,  fließen  Tränen der Rührung und des bevorstehenden Abschieds. Eine Übersetzung braucht niemand, die Botschaft ist universell: „Es war eine tolle Zeit mit Euch“.

Kathrin Peter-Sohr
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Als Freie Redakteurin bereichert Kathrin Peter-Sohr das Team des HELMSTEDTER SONNTAG nicht nur schreibend, sondern zugleich "(be)lehrend": Als Volontärin eines früheren Helmstedter Anzeigenblattes zog sie aus in die große weite Welt. Nach über 20 Jahren als Lehrerin in Hamburg kehrte sie nun zu ihren beruflichen Wurzeln zurück nach Helmstedt. Sie erweckt sogar trockene Themen zu Leben und kennt sich mit Verwaltungsdeutsch bestens aus.