Helmstedt. Um den Geheimbund ranken sich allerhand Verschwörungstheorien und Gruselgeschichten; was spielt hinter verschlossenen Türen wirklich ab?

Bei dem Wort Freimaurer schießen den meisten wahrscheinlich sofort zahlreiche Mythen, Verschwörungstheorien und mitunter Filme wie der „Da Vinci Code“ von Bestseller-Autor Dan Brown  in den Kopf. Dort eint die Darstellung der Freimaurerei grob gesagt immer das Eine: Es handelt sich um einen Geheimbund, der nichts Gutes im Sinn hat, denn er ist ja schließlich geheim. Doch entspricht das wirklich der Wahrheit? Was genau spielt sich hinter den verschlossen Türen ab? Was sind die Ziele, Werte und Ideale der Freimaurer und was steckt hinter der ganzen „Geheimniskrämerei“?  In drei weiteren Artikeln im HELMSTEDTER SONNTAG wird das breit gefächerte Thema genauer unter die Lupe genommen und so (hoffentlich) etwas mehr Licht ins Dunkle gebracht. Dafür muss zunächst mit den Mythen und teils verschwörerischen Theorien „aufgeräumt“ werden, weshalb die Historie und die Entstehung der Freimaurer als erstes betrachtet werden. Fakt ist: Freimaurer haben es nicht leicht. Denn sie galten und gelten seit ihren Anfängen als Geheimniskrämer, als Geheimbündler und auch als gefährliche Verschwörer. Anhänger von Verschwörungsmythen unterstellen ihnen bis heute alles Mögliche: Ob satanistische Rituale oder das Entführen von Kindern – die Bandbreite der teils abstrusen Gruselmärchen ist goß. 

Viele Mythen ranken sich um die Freimaurer

Da oftmals Personen des öffentlichen Lebens, Führungskräfte in Politik und Wirtschaft, aber auch Künstler zu den Freimaurern gehörten, erklärt sich der Verdacht, die Freimaurerei sei ein Ort der Korruption, der eher der Karriere ihrer Mitglieder dient als dem Allgemeinwohl. Namen wie Mozart, Goethe, Wilde, Ford oder auch Washington sind nur die Spitze des Eisbergs an berühmten Personen, die den Freimaurern angehörten. In den meisten totalitären Staatsformen war die Freimaurerei verboten. Dies galt für das NS-Regime, die DDR, die Sowjet-union sowie auch heute noch für die meisten islamisch regierten Staaten. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden Freimaurer sogar verfolgt. So erinnert sich Leser Joachim Giermann an die Erzählungen seines Vaters zurück, der Mitglied in der Helmstedter Loge „Julia Carolina zu den drei Helmen“ war: „Das Freimaurertum war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Die Logen und ihr internationales und elitäres Gedankengut wurden verfolgt, die Freimaurer von den Nazis unter Generalverdacht gestellt. Ob in Helmstedt Logenmitglieder beruflich benachteiligt worden sind, weiß ich nicht, aber die Angst davor ging um.“ Doch der Reihe nach: Seit wann gibt es die Freimaurer und was versteht man darunter genau? 

Die historischen Wurzeln reichen weit zurück

Etwas historische Aufklärung schafft Thomas Behrens, Freimaurer in der Loge „Julia Carolina zu den drei Helmen“, die in Königslutter (im Dombaumuseum) ihr Logenhaus hat. Die Wurzeln der Freimaurerei reichen weit in die Zeit des salomonischen Tempels vor rund 3.000 Jahren zurück. In diesem Tempel sahen Steinmetze aus dem Mittelalter das „vollkommene“ Bauwerk und eiferten in ihren Bauhütten (englisch Lodges = Logen) den damaligen Baumeistern nach. Die Logen wurden für die Handwerker zur Werkstatt sowie zum Versammlungs- und Aufenthaltsraum. Auch die Ausbildungen von Dombaumeistern und Handwerkern wurden dort vorgenommen, die nebenher durch eine Persönlichkeitsbildung sowie eine Ausbildung in Baugeschichte, Theologie und Philosophie Schritt für Schritt erweitert wurden. Diese Form der geistigen Schulung ermöglichte es den Handwerkern, abstrakte Vorstellungen des Göttlichen und Irdischen in ihren Bauwerken künstlerisch auszudrücken. Doch die Zeiten  der imposanten Dombauten in Europa ging zu Ende und weniger Steinmetze wurden benötigt. Thomas Behrens erklärt: „So entwickelte sich aus den mittelalterlichen Steinmetzgilden zunehmend eine Gesellschaft, die eben nicht nur Handwerker, sondern auch Gelehrte und Intellektuelle umfasste.“ Die Quintessenz dessen war eine Wandlung der Werkmaurerei in eine geistig-symbolische Freimaurerei. Die erste moderne Großloge wurde am 24. Juni 1717 in London gegründet, wo sich vier solcher neuartiger Logen zusammenschlossen. Der Mensch und sein Wirken für die Menschheit standen im Mittelpunkt. Von da aus breitete sich diese Form der Freimaurerei über den ganzen Kontinent aus. „Die freimaurerische Bewegung erhielt ihren modernen Namen und ihre organisierte Struktur im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in England. Dabei spielten die Große Loge von London und die UGLE (United Grand Lodge of England) eine wichtige Rolle bei der Festlegung von Ritualen und der Förderung von Prinzipien und Werten“, weiß Behrens. 1737 wurde die erste Loge auf deutschem Boden in Hamburg gegründet und griff schnell auf die Nachbarländer wie Preußen und Westfalen über. Heute exis-tieren an die 500 Logen in ganz Deutschland und circa 15.000 Mitglieder. Weltweit sind es schätzungsweise fünf Millionen Freimauerer, davon die meisten mit 2,5 Millionen in den USA. 

Menschlichkeit bildet den Kern

Erstaunlicherweise gibt es fast so viele Definitionen der Freimaurerei wie es Freimaurer gibt. Im Kern versteht sich die Freimaurerei jedoch als eine internationale Vereinigung, die sich für Toleranz, Brüderlichkeit, freie Entwicklung der Persönlichkeit, Humanität und Gleichheit einsetzt und dabei stets die Würde des Menschen respektiert. Sie richtet ihr Augenmerk auf den einzelnen Menschen und bemüht sich, ihn sittlich zu vervollkommnen, um die Welt ein Stück menschlicher zu gestalten – genau das, was wir in der heutigen Zeit an manchen Stellen vermissen. Doch auf die Werte, Ziele und Ideale und ob die Freimaurerei überhaupt noch zeitgemäß ist, gehen wir im kommenden Artikel genauer ein…

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Die 1998 in Wolfsburg geborene Shirin-Sophie Porsiel, aktuelle Redakteurin des HELMSTEDTER SONNTAG, mag schnelle, laute Musik auf der einen und entspanntes Wandern in der ruhigen Natur auf der anderen Seite. Ein Widerspruch? Keinesfalls. So sorgt sie für Ausgeglichenheit in ihrer Freizeit. Sie ist offen für einen bunten Strauß an Themen, was sie für die schreibende Zunft geradezu prädestiniert.