Helmstedt. Ein Großbrand am Langen Steinweg in Helmstedt hielt Einsatzkräfte auf Trab.
Donnerstagabend, 15. Januar 2026, 17 Uhr: Niemand ahnt, was in wenigen Minuten geschieht. Menschen sitzen bei der Familie, gehen einkaufen oder sind bei der Arbeit – bis um 17.15 Uhr die Funkmeldeempfänger und Alarm-Apps der Feuerwehrkräfte schrillen: „B_2_Y – Feuer im Gebäude, Menschenleben in Gefahr.“ Sofort steigen Puls und Adrenalin. Sekunden später eilen die Einsatzkräfte zur Wache. Schon auf der Anfahrt ist eine mächtige Rauchwolke sichtbar. Über Funk kommt die erste Rückmeldung: „Wohnung in Vollbrand, mindestens zwei Personen im Gebäude.“ Was folgt, ist ein Großeinsatz, bei dem über 200 Einsatzkräfte und rund 60 Fahrzeuge beteiligt sind.
Lebensrettung im dichten Rauch
Bereits kurz nach Eintreffen am Brandort zeigen die Feuerwehrleute vollen Einsatz. Ein junger Kamerad rettet über die Drehleiter zwei Personen aus einem völlig verrauchten Obergeschoss – beide können dank seines schnellen Handelns in Sicherheit gebracht werden. Trupps unter Atemschutz versuchen, in das Gebäude vorzudringen, doch die Hitze und Instabilität machen das unmöglich. Die Löscharbeiten verlagern sich auf den Außenangriff und dauern über Stunden an. Währenddessen sorgt die Stadtverwaltung Helmstedt für logistische Unterstützung. Der Hof von Kramers Gut wird als Bereitstellungsraum genutzt, das Roxy Kino öffnet seine Türen für Toiletten, Snacks und Aufwärmmöglichkeiten – eine Geste, die den erschöpften Einsatzkräften neuen Mut gibt. Bis Freitagvormittag dauern die Aufräum- und Reinigungsarbeiten. Viele Feuerwehrleute schlafen nur wenige Stunden, bevor sie erneut alarmiert werden – diesmal für Nachlöscharbeiten.
Abriss in der Nacht: Glutnester beseitigt
Nach intensiver Abstimmung mit Stadtverwaltung, Bauaufsicht, THW und Feuerwehr fällt am Freitag die Entscheidung: Das Gebäude muss abgerissen werden. Die Firma Klein aus Süpplingen beginnt den Rückbau, unterstützt von Hellmich aus Offleben, während Feuerwehr und Drohne verbleibende Glutnester aufspüren. Das THW überwacht mit modernem Messsystem die Gebäudestatik, um die Einsatzkräfte bei möglichen Bewegungen sofort zu warnen. Gegen Mitternacht endet der Einsatz endgültig – nach rund 30 Stunden unermüdlicher Arbeit. Am Einsatz beteiligt waren Feuerwehren aus Helmstedt, Emmerstedt, Barmke, Offleben-Reinsdorf, Grasleben, Königslutter, Wolsdorf, der Samtgemeinde Velpke sowie Beendorf (Sachsen-Anhalt). Die Kreisfeuerwehr Helmstedt unterstützte mit Drohne, Atemschutz-Container und Verpflegungseinheit, der Rettungsdienst, das DRK und das THW mit Kräften aus Schöningen, Wolfsburg und Gifhorn ergänzten das Team. Dieser Großeinsatz zeigte erneut, wie eng die „Blaulichtfamilie“ zusammenarbeitet. Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, THW und Stadtverwaltung – alle ziehen an einem Strang.
Grenzen des Verständnisses
Trotz der enormen Belastung mussten die Einsatzkräfte sich immer wieder mit Schaulustigen auseinandersetzen, die Absperrungen missachteten. „Eine Absperrung ist keine Dekoration!“, betont die Feuerwehr. Solches Verhalten gefährde nicht nur die Retter, sondern störe den Einsatz erheblich. Ein besonderer Dank gilt allen Unterstützern – dem Roxy Kino Helmstedt, dem Spezi Metzger Wolsdorf, den beteiligten Unternehmen Klein und Hellmich, sowie der Stadtverwaltung Helmstedt.
