Könisglutter. Politik und Verwaltung des Landkreises Helmstedt suchen nach Lösung für die Untermieter von der Driebeschule, Eltern starten Petition.

Das Ideal inklusiver Bildung, in Niedersachsen seit 2013 im Schulgesetz verankert, ist ein gleichberechtigtes System, in dem Vielfalt als Bereicherung betrachtet wird. Resultat: Gemeinsames Lernen schafft verbesserte Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe, während gleichzeitig das unbeschwerte Miteinander schon im Kindesalter Toleranz und Selbstverständlichkeit fördert, die im besten Fall ein Leben lang anhalten. Soweit die Theorie. In der Praxis ist es vor allem die Umsetzung, die Eltern und Lehrkräften Sorge bereitet, das hat eine Forsa-Umfrage an niedersächsischen Schulen ergeben. Dabei gibt es Orte, an denen das Prinzip des vorurteilsfreien Miteinander auch ohne gesetzliche Vorgabe „einfach so“ zu funktionieren scheint, Orte, wan denen aus möglicher anfänglicher Skepsis längst eine im Alltag verankerte Realität geworden ist. Einer dieser Orte ist der Schulstandort „Stadtkirche“ in Königslutter. Dort teilen sich seit knapp drei Jahren Sprachförderungslernende der Wichernschule die Räume mit Grundschulkindern der Driebeschule. 

„Gelebte Inklusion“ in Domstadt

„Gelebte Inklusion“ sei das nicht nur auf dem Papier, erzählen die Eltern beider Schulzweige, sprechen von Freundschaften, Spielgefährten und lieb gewonnenen Ritualen. Umso größer ist die Besorgnis, dass es mit diesem „Eldorado moderner Bildung“ nun zum Ende des nächsten Schuljahres vorbei sein könnte. Grund: Der Landkreis Helmstedt, zugleich Eigentümer der Räume und Schulträger der Wichernschule, erwägt, den „Untermietern“ von der Driebeschule zu kündigen. „Ja“, heißt es aus dem Kreishaus auf Nachfrage, diese Überlegungen gebe es tatsächlich, gleichzeitig aber betont die Verwaltung ihr Verständnis für die Sorgen der Eltern und den Wunsch nach einer tragfähigen Lösung für alle Beteiligten. Hintergrund der Diskussionen, soviel steht für beide Seiten fest, ist der wachsende Raumbedarf am Hauptstandort der Wichernschule in Helmstedt. Dort ist die beengte Lage durch den neu eingerichteten Hauptschulzweig nicht besser geworden, im Gegenteil. Das Angebot ist stark nachgefragt, gleichzeitig wächst auch der Förderschulzweig „Sprache“ von Jahr zu Jahr. Die absehbare Konsequenz liegt auf der Hand: Für beides wird der Platz am Langen Steinweg in Helmstedt kaum ausreichen, schon gar nicht auf lange Sicht. Als Folge sollen, so die Überlegung der Verwaltung, die Sprachheilschüler von der Wichernschule ab dem Schuljahr 2027/28 das Gebäude an der Königslutteraner Stadtkirche alleine nutzen können.

Online-Petition gestartet

Das wäre jedoch gleichbedeutend mit dem „Aus“ für die dortige Außenstelle der Driebeschule und das seit drei Jahren funktionierende Inklusionsmodell. Kann der „Ort der Teilhabe im Alltag“ dennoch „gerettet“ werden? Gibt es Alternativen? Und wie könnten die aussehen? Diese Fragen waren bereits Gegenstand der Überlegungen des Schulausschusses der Stadt Königslutter, seitdem beraten auch Politik und Verwaltung des Landkreises Helmstedt über die Zukunft des Standortes. Ein Gespräch des Landkreises mit einigen Eltern soll nach Informationen des HELMSTEDTER SONNTAG zeitnah stattfinden. Unterdessen sind die Mütter und Väter der betroffenen Lernenden nicht untätig geblieben: Sie appellieren in einer Online-Petition auf der Plattform Change.org an die verantwortlichen Entscheidungsträger, sich für den Erhalt der Außenstelle in der bisherigen Form einzusetzen und gemeinsam Lösungen zu finden. Welche Möglichkeiten es gibt und wie die endgültige Entscheidung ausfällt, bleibt derzeit noch abzuwarten. Der HELMSTEDTER SONNTAG wird über neue Erkenntnisse berichten.

Kathrin Peter-Sohr
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Als Freie Redakteurin bereichert Kathrin Peter-Sohr das Team des HELMSTEDTER SONNTAG nicht nur schreibend, sondern zugleich "(be)lehrend": Als Volontärin eines früheren Helmstedter Anzeigenblattes zog sie aus in die große weite Welt. Nach über 20 Jahren als Lehrerin in Hamburg kehrte sie nun zu ihren beruflichen Wurzeln zurück nach Helmstedt. Sie erweckt sogar trockene Themen zu Leben und kennt sich mit Verwaltungsdeutsch bestens aus.