//Der “etwas andere” Himmelfahrtstag

Der “etwas andere” Himmelfahrtstag

Helmstedt. In Zeiten der Corona-Pandemie ist alles (etwas) anders. Und so wird auch der diesjährige Himmelfahrtstag, 21. Mai 2020, ein besonderer. Größere Zusammenkünfte in der Öffentlichkeit sind verboten, freizeitliche Besuche in Sachsen-Anhalt auch. Die Polizei kündigt großflächige Kontrollen an. Staus auf den Autobahnen wird es laut ADAC aber dennoch geben.

Die Regeln gelten auch am “Vatertag”

Traditionell wird der Himmelfahrtstag gern für Familienausflüge, aber auch von Vätern und solchen, die es noch werden wollen, genutzt, um mit dem Bollerwagen und reichlich Alkohol an Bord, durch die Landschaft und die Parks zu ziehen. Der Landkreis Helmstedt weist darauf hin, dass die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen im Zuge der Corona-Pandemie auch am „Vatertag“ gelten.
Nach der Niedersächsischen Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sind Gruppenbildungen in der Öffentlichkeit mit mehr als zwei Personen untersagt, da diese die Einhaltung der Abstandsregelungen gefährden können. Dazu zählen auch die bekannten „Vatertagstouren“. Ausgenommen von diesem Verbot sind allerdings Zusammenkünfte und Spaziergänge einer Person mit Angehörigen sowie Personen, die dem eigenen oder einem weiteren Hausstand angehören. Anders formuliert sind also Ausflüge zweier Familien, deren Angehörige jeweils in einer Wohnung zusammenleben, erlaubt.

Landrat Gerhard Radeck und die Bürgermeister der kreisangehörigen Gemeinden bitten um Verständnis für diese landesweit gültigen Regelungen. „Gerade bei den traditionellen Vatertagstouren führt Alkoholgenuss oft zu enthemmtem Verhalten“, so Radeck. „In diesen Situationen vergisst man schnell die Gefahren des noch immer grassierenden Virus und die Kontakt- und Abstandsregelungen.“

Alkoholverbotwäre auch eine Möglichkeit – Kreishelmstedter werden aber für Besonnenheit gelobt

In einigen benachbarten Städten und Landkreisen werden aus diesem Grund ortsbezogene Alkoholverbote ausgesprochen. Vor einigen Jahren hatte sich die Stadt Schöningen gezwungen gesehen, ein Alkoholverbot im Elm auszusprechen, da es im Jahr zuvor zu schweren körperlichen Auseinandersetzungen in Folge des übermäßigen Alkoholkonsums gekommen war. Der Landrat und die Bürgermeister sehen aber unisono keine Veranlassung, von diesen Mitteln in diesem Jahr Gebrauch zu machen. Zum einen tendiere die Zahl der registrierten aktuell SARS-Cov2-Infizierten im Landkreis Helmstedt gegen Null. Zum anderen hätten sich die Menschen im Landkreis Helmstedt in besonderem Maße während der Corona-Pandemie durch ihre Disziplin und Rücksichtnahme ausgezeichnet.

„Der Verzicht auf Verbote, die über die Regelungen des Landesverordnung hinausgehen, ist ein Vertrauensvorschuss an die Bürger“, erklärt Alexander Hoppe, Bürgermeister des Stadt Königslutter und Sprecher der kreisangehörigen Gemeinden, und appelliert auch für diesen Tag an die Vernunft der Menschen.

Polizei ist verstärkt unterwegs

„Einsatzkräfte der Polizei werden am diesjährigen Vatertag deutlich sichtbar die Präsenz- und Kontrollmaßnahmen im Landkreis Helmstedt mit den Städten Helmstedt, Königslutter und Schöningen erhöhen. Helmstedts Polizeichefin Imke Krysta kündigt ein konsequentes Vorgehen bei Verstößen gegen die Hygieneverordnung und das Kontaktverbot an: „Die Einhaltung der Vorschriften ist für die Verhinderung der Infektionsausbreitung von immenser Wichtigkeit. Von daher werden Einsatzkräfte der Polizei am kommenden Donnerstag im Landkreis unterwegs sein und die Einhaltung der Ge- und Verbote überwachen.“ Die Polizei in Helmstedt, Königslutter und Schöningen wird für diese notwendigen Kontrollen Einsatzkräfte aus allen Dienstbereichen zusammenziehen und auch die Beamten des Ermittlungsbereiches sowie Kontaktbeamtin Anja Stahl einbinden.
Das Einhalten der Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen wird an diesem Tag auch durch die Ordnungsämter überwacht. Bei Verstößen drohen empfindliche Bußgelder zwischen 200 und 400 Euro für jede beteiligte Person.

Schöningen mit eigenem Appell

Für die Stadt Schöningen hat Bürgermeister Malte Schneider darüber hinaus einen eigenen Appell an die Bürger veröffentlicht.

“Am 21. Mai ist der Feiertag Christi-Himmelfahrt. Für einige ist das ein freier Tag, den man mit der Familie verbringt. Andere treffen sich mit Freunden in größeren Gruppen und ziehen quer durch Feldmark und Elm. Mit dem größten Teil der Vatertagsbegeisterten gibt es an diesem Tag keine Probleme. Erfahrungsgemäß sind allerdings nicht alle Personengruppe friedlich unterwegs”, schreibt Schneider.
Doch in diesem Jahr ist aufgrund der Corona-Pandemie-Gefahr alles anders. Noch immer gelten Kontaktauflagen. „Mittlerweile dürfen sich zwar Personengruppen aus zwei Hausständen miteinander treffen, jedoch sind wir noch nicht zur ‘Vatertagsroutine’ zurückgekehrt“, sagt Polizeihauptkommissarin Jennifer Günter. Auch in diesem Jahr werde es durch die Polizei vermehrte Kontrollen auf den altbewährten Vatertags-Routen geben. Aufgrund der Corona-Regelungen ist auch die Verhängung von Bußgeldern bis zu 400 Euro möglich, wenn gegen die Bestimmungen verstoßen wird.
Der Schöninger Bürgermeister appelliert an alle Schöninger, sich unbedingt an die erforderlichen Abstands- und Hygienemaßnahmen zu halten: „Bitte seien Sie weiterhin so vernünftig, wie in den vergangenen Wochen, und verzichten Sie in diesem Jahr auf die gemeinsame Wanderung mit Freunden und Verwandten, die nicht zu Ihrem Hausstand gehören“, so Malte Schneider
Auch die Schöninger Polizei ist sehr zufrieden mit dem Verhalten der Schöninger. „In den vergangenen Wochen haben sich die Bürger sehr einsichtig gezeigt. Es gab kaum Verstöße zu verzeichnen. Bitte behalten Sie sich diese Disziplin auch am Vatertag bei. Beachten Sie die Kontaktauflagen“, sagt Polizeihauptkommissarin Günter, Leiterin des Einsatz- und Streifendienstes in Schöningen.
Getränke im Bollerwagen und die besten Freunde um sich: Für viele gehört das zum Vatertag dazu. Doch mit der Einhaltung der nötigen Abstände stellt sich das teils als unlösbares Problem dar. Hinzu kommt, dass es auch auf frei zugänglichen Wanderwegen beispielsweise mit zwei Bollerwagen bei einer Begegnung sehr schwer werden kann, den geforderten Mindestabstand einzuhalten.
Sicherlich stünden der Stadtverwaltung auch rechtliche Sanktionen zur Verfügung, um die Gefahr der Gruppenwanderungen zu unterbinden. Doch darauf wolle man verzichten, so Schneider: „Die sehr guten Erfahrungen, die seit Beginn der Sanktionen in Schöningen gesammelt wurden, begründen sich in Ihrer Disziplin und Solidarität. Bitte halten Sie daran fest.“

ADAC sagt Staus trotz Pandemie voraus

Das Himmelfahrtswochenende gehört normalerweise zu den staureichsten des Jahres. Und auch, wenn nichts normal ist in diesem Jahr, könnte das kommende Feiertagswochenende das erste sein, das nach Beginn der Corona-Pandemie für vollere Straßen sorgt – die aktuellen Lockerungen für Reisen innerhalb Niedersachsens und Fahrten nach Schleswig-Holstein machen es möglich. Viele werden das Frühlingswetter für Fahrten an die See, die Seen oder in den Harz nutzen, ob mit Auto oder Camper. Das vermutet der ADAC in einer Pressemitteilung.

Weiter schreibt der Club, das bereits am Mittwochnachmittag die ersten Familien in das freie Wochenende starten würden, die Pendler kommen hinzu. Der Rückreiseverkehr läuft dann ab Sonntagmittag und wird bis in die Abendstunden hinein für Behinderungen sorgen. Autofahrer müssen übrigens damit rechnen, am Feiertag und auch am Sonntag auf LKW zu treffen. Das sonst übliche Sonn- und Feiertagsfahrverbot für LKW ist während der Corona-Krise aufgehoben.

Gebremst werden die Kurzurlauber dabei vor allem durch die Baustellen auf den Autobahnen.
Besonders im Fokus steht diesmal die A 2, die in Richtung Dortmund zwischen dem Kreuz Hannover-Ost und der Anschlussstelle Bothfeld zwischen Mittwochabend, 20 Uhr, und Sonntagmittag, 12 Uhr, voll gesperrt wird. Erstmalig wird in Niedersachsen ein Feiertagswochenende genutzt, um unter Vollsperrung eine komplette Baumaßnahme abzuwickeln – eine sechswöchige Bauzeit mit Behinderungen in beiden Richtungen wäre die Alternative für die Deckenerneuerung gewesen. Da die Sperrung erst nach der diesmal ohnehin abgeschwächten Reisewelle beginnt, sollten sich die Staus auf der A 2 in Grenzen halten.

Engpässe gibt es außerdem auf der A 1, in den Großräumen Bremen und Hamburg, so der ADAC. Auch die A39 ist übrigens gesperrt; zwischen Braunschweig-Heidberg und Wolfenbüttel-West in beide Richtungen.