Helmstedt. Ein Vormittag gegen Alltagsrassismus: Coach Martin Rietsch sensibilisierte Helmstedter Jugendliche
Alltagsrassismus begegnet uns häufiger, als wir glauben. Sprüche wie „Die leben von unseren Steuern“, „Die sehen doch alle gleich aus“ oder auch „Die riechen komisch“ gehören leider noch immer zum Alltag. Sätze und Vorurteile wie diese kennt auch Martin Rietsch, Künstlername „2schneidig“. „Selbst heute noch werde ich manchmal gefragt, ob es bei mir gebrannt hat – wegen meiner dunklen Haut“, erzählt er offen bei seinem Besuch bei den Berufsbildenden Schulen Helmstedt (BBS). Und doch steht da ein selbstbewusster Mann, Coach und Künstler, der mit seiner Präsenz den Raum füllt. Wenn Rietsch spricht, hören die Schülerinnen und Schüler gebannt zu. Er redet klar, direkt und mit einer Energie, die bewegt.
Über 120 Schülerinnen und Schüler lauschten gebannt
Rund 120 Jugendliche nahmen am Donnerstagvormittag an seinem interaktiven Workshop teil. Dass Martin Rietsch überhaupt an der Schule steht, ist Werte-und-Normen-Lehrerin Stefanie Lorenz zu verdanken. Sie hatte den Künstler im Internet entdeckt, war beeindruckt von seiner klaren Botschaft gegen Rassismus und suchte den Kontakt. „So jemanden wollte ich unbedingt an unsere Schule holen“, so Lorenz. Im Mittelpunkt stand die Demokratiebildung mit Themen wie Rassismus, Mobbing und Diskriminierung. In verschiedenen interaktiven Einheiten lernten die Jugendlichen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, Gruppenzwängen zu widerstehen und sich für ein respektvolles Miteinander einzusetzen. Dabei ging es weniger um trockene Theorie, sondern um echte Begegnung und Beteiligung. „Wer von euch hat schon mal Rassismus erlebt?“, „Wie gehst du mit Diskriminierung um?“ Fragen, die auch den Wertecoach nach wie vor bewegen.
Eine bewegte Vergangenheit
Denn Martin Rietsch, der als Sohn eines nigerianischen Vaters und einer deutschen Mutter in Kiel geboren wurde, weiß, wovon er spricht. Seine Kindheit war geprägt von Heimen, Pflegefamilien und Ausgrenzung. In jungen Jahren geriet er auf die schiefe Bahn, landete zeitweise sogar im Gefängnis. Doch Rietsch zog die Konsequenz, kämpfte sich heraus. Schritt für Schritt, mit Disziplin, Musik und Glauben an sich selbst. Heute nutzt er seine bewegte Vergangenheit, um anderen zu helfen. Unter dem Namen „2schneidig“ stand er bereits in über 20 Ländern auf der Bühne, war Teil eines Musical-Ensembles und gründete den Verein „Aktion Liebe Deinen Nächsten“. In seinen Projekten spricht er offen über Fehler, zweite Chancen und den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Wie gefährlich Hass werden kann, erlebte er 2013 in Magdeburg. Dort war er zu einem Workshop über Respekt und Toleranz eingeladen, genau wie in Helmstedt, um junge Menschen zu sensibilisieren. Kurz nach seiner Veranstaltung wurde auf sein Auto geschossen. Ein Schock, der ihn tief traf. Hilfe von der Polizei bekam er damals kaum. Das Verfahren wurde später wegen „Ermittlungsfehlern“ eingestellt, berichtet er. Einschüchtern ließ er sich davon nicht. Heute ist er Pate einer Grundschule in Magdeburg, „gerade, weil Vorurteile früh entstehen“, betont der Familienvater. Unterstützt wurde der Helmstedter Projekttag vom Land Niedersachsen und der Braunschweigischen Sparkassenstiftung (BLSK), die 1.000 Euro beisteuerte.
Die 1998 in Wolfsburg geborene Shirin-Sophie Porsiel, aktuelle Redakteurin des HELMSTEDTER SONNTAG, mag schnelle, laute Musik auf der einen und entspanntes Wandern in der ruhigen Natur auf der anderen Seite. Ein Widerspruch? Keinesfalls. So sorgt sie für Ausgeglichenheit in ihrer Freizeit. Sie ist offen für einen bunten Strauß an Themen, was sie für die schreibende Zunft geradezu prädestiniert.
