Jerxheim. Aber ihren eigentlichen Standort haben die mobilen Übernachtungsmöglichkeiten dann noch immer nicht erreicht; Gastwirt kämpft weiter.

An den vor über vier Jahren dort abgestellten, seitdem ein ungenutztes Dasein fristenden Tiny Houses auf dem Heeseberg hängen zwei große Plakate. Wer die darauf formulierten Fragen ohne Vorkenntnisse des „Falls“ liest, dürfte sich wundern, warum vom Gleichbehandlungsgrundsatz die Rede ist. Oder davon, dass die Natur des Heesebergs nach Jahren der Entwicklung nun gänzlich in Ruhe gelassen und unberührt bleiben soll. Derlei Fragen treiben den Wirt der Gaststätte „Heese 5“, Christian Basner, seit Jahren um. Er fühlt sich von den Naturschutzverbänden, vom Landkreis Helmstedt mit der Unteren Naturschutzbehörde sowie von der Oberen Naturschutzbehörde – dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz – benachteiligt und ungerecht behandelt. Noch immer hat Basner keine Genehmigung, seine Tiny Häuser, die er unterstützt durch eine LEADER-Förderung kaufte, um Gästen seines Lokals, aber auch Touristen Übernachtungsmöglichkeiten in der „unberührten Natur“ zu bieten, auf dem Heeseberg aufzustellen.Insbesondere Umweltverbände haben in der Vergangenheit befürchtet, dass die Übernachtungsgäste die Natur zerstören. Denn der Heeseberg ist laut Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie ein europäisches Schutzgebiet (FFH-Gebiet) sowie ein Naturschutzgebiet, weil er zu den am stärksten kontinental beeinfluss-ten Landschaften Nordwestdeutschlands zählt. Schutzzweck für das Gebiet ist unter anderem Steppenrasen, der nur noch sehr selten vorkommt und in dem  vom Aussterben bedrohte, extrem seltene und stark gefährdete Pflanzen- sowie Tierarten leben.

Erst aktiver Tourismus und jetzzt Stillstand?

Über den Steppenrasen wundert sich Basner nicht und er erkennt auch an, dass seltene Landschaften sowie vom aussterben bedrohte Arten geschützt werden müssen. Allerdings passt das in seinen Augen nicht damit zusammen, dass in der Vergangenheit nicht so viel Rücksicht darauf genommen wurde. Über Jahrzehnte wurde der Heeseberg aktiv touristisch genutzt, erschlossen und durch naturschutznahe Akteure mitgetragen; beispielsweise durch Wanderparkplatz, Heesebergturm, Geopfad, FEMO-Projekte, Veranstaltungen und Festivals sowie die Erstellung touris-tischer Infrastruktur. Genau das ist es aber auch, was Christian Basner von denselben Genehmigungsbehörden unter-sagt wird. Bisher jedenfalls. Denn obwohl der Gastwirt langsam müde wird, will er weiter dafür kämpfen, dass seine Tiny Häuser auf dem Heeseberg Gäste empfangen und ihnen ein Übernachten in der Natur ermöglichen können. Bis es soweit ist, hat er sich mit dem Geschäftsführer von „Pflegen und Wohnen Heeseberg“, Lars Wreczycki, geeinigt, dass er die Holzhäuser erst einmal auf einem unbebauten Gelände des Pflegeheims in Jerxheim aufstellen kann. 

Diesmal dürfte die Genehmigung rasch erfolgen

Da es sich um ein Baugrundstück handelt, das Wreczycki Basner zur Verfügung stellt, dürfte die Genehmigung dafür theoretisch nicht so lange auf sich warten lassen. Gäste haben bis nach Jerxheim hinunter zwar einen Fußmarsch zu bewältigen, wenn sie nach einer Familienfeier auf dem Heeseberg vor Ort übernachten möchten, aber immerhin haben sie am Übergangsort „einen schönen Blick auf den Elm“, kann Basner trotz allem Frust noch schmunzeln. Und wer weiß, vielleicht erkennen die bisherigen Gegner der kleinen Hütten, dass sie gar nicht so „schlimm“ sind wie befürchtet, wenn sie erstmal genutzt werden.

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Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit 30 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor 25 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.