Räbke. Bei der neuen großen Einheitsgemeinde Königslutter-Nord-Elm sind nicht alle dabei.

Als am Sonntag, 15. März 2026, die Glocken zum Fusionsgottesdienst der neu gegründeten Kirchengemeinde Königslutter-Nord-Elm läuteten, blieb es in Räbke und Sunstedt still. Die beiden Gemeinden St. Stephani Räbke und St. Jacobus Sunstedt beteiligen sich nicht an dem großen Zusammenschluss, der von der Landeskirche Braunschweig angestoßen wurde. Seit dem 1. Januar 2026 bildet die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Königslutter-Nord-Elm eine der größten Gemeinden in der Region. Aus bislang 17 selbstständigen Kirchengemeinden in 16 Orten ist eine Einheit mit rund 8.000 Mitgliedern entstanden. Ein gemeinsamer Kirchenvorstand mit 16 Mitgliedern, jeweils zwei aus den früheren Gemeinden, soll die Geschicke der neuen Großgemeinde leiten. Örtliche Ausschüsse vor Ort sollen das Gemeindeleben weiterhin in den Dörfern gestalten (wir berichteten). 

Funktionierende Systeme zerschlagen?

Gerade vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung in Räbke und Sunstedt deutlich: „Die Kirche soll im Dorf bleiben.“ Dieser Satz fällt im Gespräch mit dem HELMSTEDTER SONNTAG häufig und bringt die Stimmung vieler Mitglieder auf den Punkt. Statt Erleichterung durch größere Strukturen befürchten sie, dass funktionierende Systeme zerstört und die Eigenständigkeit der Dörfer eingeschränkt würde. „Fusion dient nur dazu, den Geldbeutel der Landeskirche zu stärken“, lautet ein Vorwurf aus Räbke. Nach Ansicht vieler geschehe die Willensbildung nicht von unten: Synoden sprächen nicht mit den Gemeinden vor Ort, und die Mitglieder fühlten sich bei der Fusion nicht mitgenommen. Die neuen Ortsausschüsse mögen auf dem Papier vorgesehen sein, so die Kritik, doch ohne eigene Handkasse und ohne Mitspracherecht bei Fragen wie Renovierungen oder Projekten gehe viel Entscheidungsfreiheit verloren. „Bislang konnten wir Dinge schnell umsetzen. Künftig müssen wir also für drei Schrauben erst den Vorstand fragen?“, heißt es aus den Reihen der Gemeindemitglieder. Ihre Sorge: Entscheidungen dauern länger, der Bezug zur eigenen Gemeinde schwindet und man findet weniger Gehör. In Räbke und Sunstedt versteht man sich nicht als Gegner kirchlicher Erneuerung, wohl aber als Mahner für den lokalen Zusammenhalt. Das Engagement vor Ort sei groß, die Verwaltungsarbeit gut zu bewältigen. „Wir sehen hier keinen Verwaltungsstress und brauchen keine Entlastung“, betonen die Räbker und Sunstedter. Schon vor rund zehn Jahren wurde beispielsweise die Räbker Kirche in Eigenregie außen renoviert, das Pfarrhaus beherbergte zuletzt drei ukrainische Familien. Ein Zeichen dafür, dass soziale Hilfsangebote und gemeinsame Aktivitäten gut funktionieren. 

Kritik am Vorhaben wird laut

Viele kritisieren das Tempo des Vorhabens: „Man hätte die laufende Legislaturperiode bis 2030 abwarten sollen, um gemeinsam ein tragfähiges Konzept zu entwickeln.“ Bis zum 1. Januar 2027 werden die „Außenseiter“ noch toleriert. Danach drohe die Zwangsfusion oder die Gemeinden müssen sich eine andere Propstei suchen. Gerade im ländlichen Raum, wo die meisten Kirchgänger älter sind, sei es schwer, Mitglieder zu motivieren, für Gottesdienste in Nachbarorte zu fahren. Viele befürchten, dass die Kirche im ländlichen Raum dadurch ausstirbt, das Ehrenamt zurückgesetzt werde und viele aus der Kirche austreten. „Wenn die Kirche aus dem Dorf verschwindet, geht auch ein Stück Heimat verloren“, heißt es. Kirche sollte ein stabiler Anker bleiben. Kein Projekt, das Dis-tanz schafft. „Wer ist am Ende noch für wen da, der Hirte für die Schafe oder die Schafe für den Hirten?“, fragt ein Gemeindemitglied nachdenklich.

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Die 1998 in Wolfsburg geborene Shirin-Sophie Porsiel, aktuelle Redakteurin des HELMSTEDTER SONNTAG, mag schnelle, laute Musik auf der einen und entspanntes Wandern in der ruhigen Natur auf der anderen Seite. Ein Widerspruch? Keinesfalls. So sorgt sie für Ausgeglichenheit in ihrer Freizeit. Sie ist offen für einen bunten Strauß an Themen, was sie für die schreibende Zunft geradezu prädestiniert.