Helmstedt. Der Helmstedter Verein Reversi bietet Unterstützung und Begleitung im Alltag.

Dass es manchmal im Leben nicht ganz leicht ist, das weiß und kennt wohl jede Person. Doch was, wenn Stress, Angst, Traurigkeit und Überforderung nicht von außen kommen, sondern scheinbar abgekoppelt von nachvollziehbaren Gründen, aus dem Inneren? Was, wenn die empfundene Einsamkeit inmitten vertrauter Menschen in einem schleichenden Prozess den Alltag und das soziale Leben lahmlegt? Eine psychische Erkrankung fühlt sich oft nicht wie ein klar lokalisierbarer Schmerz an, sagen Betroffene. Häufig sei da eher eine tiefe, anhaltende Niedergeschlagenheit, diffuse Panik, abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit oder eine Leere, bei der jegliche Freude verloren geht. Im Kopf dreht sich unaufhörlich ein düsteres Gedankenkarussell, raubt die Konzentration und lässt selbst einfachste Alltagsaufgaben wie unüberwindbare Gipfel erscheinen. Konsequenz ist nicht selten ein sozialer Rückzug, bei dem psychisch Kranke sich ausgerechnet von dem isolieren, was zuvor noch lieb und teuer war. Die nächste Umgebung reagiert mit Unverständnis und verletzten Gefühlen. Ein Teufelskreis.  Personen, die sich in so einer scheinbar ausweglosen Spirale  gefangen fühlen, denen hilft seit 40 Jahren der Helmstedter Verein Reversi in der Leuckardtstraße 50. Von Anfang an dabei ist Barbara Lutze, Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin.  

Berufung zur Aufgabe gemacht

„Aus Berufung“ sagt sie lächelnd und erzählt, noch heute gerührt,  wie eine Betroffene wochenlang ein Zeitungsfoto von ihr angeschaut habe, bis endlich genug Vertrauen da war, um sich zu einem Anruf bei Reversi und der „nett aussehenden Dame auf dem Bild“ zu entschließen. Apropos Anruf: Wer zu Reversi Kontakt aufnehmen möchte, findet ein „offenes Ohr“ unter der Nummer 05351/32234. Kontaktmöglichkeiten und Informationen gibt es auch im Internet auf der Homepage www.reversi-helmstedt.de.  Alltagsbegleitung bietet der Verein an, Unterstützung bei Behördengängen, Einkäufen, Arztbesuchen, eigentlich bei allem, was so anfällt, beschreiben es auch Lutzes Mitstreitende Moana Flamme und Oliver Konetzny, engagierte Sozialpädagogen wie sie. Immer unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ und, vielleicht noch wichtiger, immer „auf Augenhöhe“. Das Team will vor allem eins: unterstützen, egal, ob als eine Art „Vorinstanz“ oder auch Ergänzung zur gesetzlichen Betreuung. „Qualifizierte Assistenz“ heißt das im Fachjargon. Gemeinsame Veranstaltungen werden angeboten, Ausflüge, Besuche, Unternehmungen. Zu Anfang ist Lutze auch einfach mal mit ihren Klienten zum Zelten gefahren, später wurden Ferienreisen mit Hotelübernachtungen daraus. Drei Häuser hat der Verein im Laufe der Jahre gekauft, für Wohngemeinschaften. Heute ist eher Individualität gefragt.  Mehr Hausbesuche also. Geholfen wird so, wie es die individuellen Bedürfnisse und die gesellschaftlichen Herausforderungen erfordern. Wer das Engagement des Vereins unterstützen möchte, kann das durch eine Spende auf das Konto mit der IBAN DE15 3702 0500 0007 4159 00. Die Liste an Bedarf jedenfalls, das erzählen die Drei von Reversi am Mittwoch beim Pressebesuch, ist lang. Der Weg zur wichtigsten Grundlage für die Unterstützung, dem Vertrauen der Betroffenen, oft ebenso.  Manchmal hilft es da, wenn Rudi dabei ist, der Blindenhund von Barbara Lutze, ein freundlicher, wolliger Labradudel.Erst habe sie sich Sorgen gemacht, dass ihre eigene Erkrankung belastend für ihre Arbeit sein könnte, sagt Lutze. Aber zum Glück ist es, nicht zuletzt dank Rudi, genau umgekehrt. 

Kathrin Peter-Sohr
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Als Freie Redakteurin bereichert Kathrin Peter-Sohr das Team des HELMSTEDTER SONNTAG nicht nur schreibend, sondern zugleich "(be)lehrend": Als Volontärin eines früheren Helmstedter Anzeigenblattes zog sie aus in die große weite Welt. Nach über 20 Jahren als Lehrerin in Hamburg kehrte sie nun zu ihren beruflichen Wurzeln zurück nach Helmstedt. Sie erweckt sogar trockene Themen zu Leben und kennt sich mit Verwaltungsdeutsch bestens aus.