Königslutter. Der Ursprung liegt historisch weit zurück; sind die vertretenden Werte und Ideale der Mitglieder im 21. Jahrhundert überhaupt noch zeitgemäß?

Im vorherigen Teil haben wir uns dem umfangreichen und mythenumrankten Thema der Freimaurerbünde historisch angenähert. Die Ursprünge reichen dabei weit ins 17. Jahrhundert zurück, weshalb die berechtige Frage aufkommt: Sind die Werte, Ideale und Ziele der Mitglieder damit überhaupt noch zeitgemäß oder längst „Schnee von gestern“? Dafür muss einmal geklärt werden, wofür und vor allem für was die Freimaurer stehen. 

Ideelle Grundpfeiler

Es gibt eine Vielzahl von Prinzipien, die je nach Loge und Land variieren können. Im Kern bilden jedoch Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz, Humanität und persönliche Entwicklung das ideelle Grundgerüst, erklärt Thomas Behrens, Freimaurer bei der Loge „Julia Carolina zu den drei Helmen“ in Königslutter. Doch was verbirgt sich hinter diesen wortstarken Begriffen? Die Freimaurerei soll die Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Mitgliedern fördern, ungeachtet der jeweiligen Religion, sozialen Klasse oder der Hautfarbe. Dabei sind Respekt und Toleranz wichtige Schlüsselelemente. Die Auffassungen, Einstellungen und religiösen Überzeugungen anderer werden nicht „abgestempelt“, sondern vielmehr offen diskutiert und ebenso geachtet wie die eigenen. Eine politische, weltanschauliche und konfessionelle Vielfalt ist für die Freimaurer von hoher Bedeutung und für ein gesellschaftliches Wachstum nicht wegzudenken. Auch die Menschlichkeit und die Menschenwürde stehen im Mittelpunkt eines Freimaurers. Mitglieder sind dazu verpflichtet, nicht nur die eigene Persönlichkeit aus- und weiterzubilden, sondern ebenso die der Mitmenschen. Der Mensch als solches wird als einzigartiges Wesen geachtet und gefördert. Dazu gehöre das Rücksichtnehmen und der Verzicht auf Verfolgen des eigenen Vorteils. Thomas Behrens schildert: „Die Freimaurerei fördert humanitäre Werte und ermutigt ihre Mitglieder, sich für das Wohl der Menschheit einzusetzen und anderen in Not zu helfen. Sie zielt darauf ab, ihre Mitglieder in ihrer persönlichen Entwicklung und moralischen Verbesserung zu fördern. Sie bietet Raum für Bildung, Selbstreflexion und Wachstum.“

Die Frage nach der Aktualität

Diese Ansätze einer sozialen und philosophischen Bruderschaft sind damit gar nicht so „unnobel“, wie Verschwörungsanhänger es in ihren mitunter fantasievollen Ausführungen so oft vermuten lassen. Aber ist die Freimaurerei im 21. Jahrhundert damit noch zeitgemäß? Die ideellen Grundpfeiler scheinen zumindest weit entfernt von veraltet zu sein. Werte wie Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft, die moralischen und ethischen Grundsätze mit Toleranz und Menschlichkeit sind zeitlos und haben ihre Gültigkeit in der heutigen Gesellschaft nicht verloren. Die gegenseitige Unterstützung unter den Mitgliedern sowie das Anstoßen der persönlichen Weiterentwicklung sind keine Dinge aus verstaubten Geschichtsbüchern. Doch es gibt „Gegenwind“: Die Verschwiegenheit und „Geheimniskrämerei“ wird von Kritikern als überholt angesehen, ebenso wie die noch immer bestehende Dominanz von Männern in den Logen. Viele Menschen zweifeln zudem die Relevanz solcher „Geheimbündnisse“ in heutigen Zeiten an, da es mittlerweile Organisationen und Vereine mit ähnlichen Wertvorstellungen und Zielen fernab jeglicher Geheimhaltung gibt. Letztendlich bleibt die Frage nach der Aktualität der Freimaurerei subjektiv und muss von jedem Einzelnen selbst beantwortet werden. So sollte jeder für sich entscheiden, ob und inwieweit die Werte veraltet sind oder wichtiger denn je erscheinen, denn die Prinzipien und moralischen Gebote wie Gewissens-, Glaubens- und Meinungsfreiheit werden teilweise auch heute noch behindert und unterdrückt. Die Gemeinschaft, das Füreinander-Einstehen und das gemeinsame Wachstum, unabhängig von Äußerlichkeiten, können in Zeiten wie diesen – in denen Krieg und politische Konflikte an der Tagesordnung stehen – mitunter wichtige Grundpfeiler sein, um als Gesellschaft zu wachsen und um „Rückschritte“ zu verhindern. Im kommenden Artikel wird es darum gehen, was wirklich an Mythos, Geheimnis und Verschwörung der Freimaurer dran ist. Dabei werden die Traditionen und Rituale sowie der „Verschwiegenheits-Kodex“ gegenüber der Öffentlichkeit, getreu dem Motto „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, genauer unter die Lupe genommen.

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Die 1998 in Wolfsburg geborene Shirin-Sophie Porsiel, aktuelle Redakteurin des HELMSTEDTER SONNTAG, mag schnelle, laute Musik auf der einen und entspanntes Wandern in der ruhigen Natur auf der anderen Seite. Ein Widerspruch? Keinesfalls. So sorgt sie für Ausgeglichenheit in ihrer Freizeit. Sie ist offen für einen bunten Strauß an Themen, was sie für die schreibende Zunft geradezu prädestiniert.