Marienborn. Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn wird am heutigen Donnerstag, 13. August 2026, 30 Jahre alt. Ein Fest wird dazu in er nächsten Woche gefeiert.

Seit ihrer Eröffnung am 13. August 1996 haben mehr als 3,5 Millionen Menschen die Gedenkstätte an der Autobahn zwischen Berlin und Hannover besucht. In 30 Jahren ist das Bildungsangebot der Gedenkstätte stetig ausgebaut worden, gab es zahlreiche Veranstaltungshöhepunkte und viele Investitionen in den Erhalt des historischen Ortes, den ehemals größten Grenzübergang der DDR an der innerdeutschen Grenze.

Sommerfest am 22. August mit Stephan Krawczyk und Keimzeit

30 Jahre Bildungsarbeit am historischen Ort – das ist Anlass zum Feiern und die Gedenkstätte hat ein umfangreiches Programm für ihr Sommerfest am Sonnabend, 22. August 2026, erstellt. Den Auftakt bildet um 12 Uhr ein Rückblick auf drei Jahrzehnte Gedenkstättenarbeit am einstigen Ort der Systemkonfrontation. Danach folgen Präsentationen von Geschichtsprojekten und Vermittlungsformaten anderer Akteurinnen und Akteure im Bereich der Erinnerungskultur und der Demokratiebildung. Im weiteren Programm sind Gedichte und Lieder von Johann Voß. Um 14 Uhr spielt und liest der Bürgerrechtler und Liedermacher Stephan Krawczyk.

Über den gesamten Nachmittag präsentieren sich an zahlreichen Info-Ständen Einrichtungen und Initiativen der Erinnerungskultur am Grünen Band, der Diktatur-Aufarbeitung, der Demokratiebildung, der Heimat- und Regionalgeschichte sowie des gesellschaftlichen Miteinanders. Erstmalig nehmen die Landeszentralen für politische Bildung aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gemeinsam an einer öffentlichen Vorstellung ihrer Arbeit teil. Auf dem Gelände der Gedenkstätte wird es außerdem Mitmach-Aktionen wie einen Graffiti-Workshop und ein Gästebuch-Banner für Groß und Klein sowie Kinderschminken und eine Rate-Rallye geben.

Zeitzeugen berichten von gelungenen und gescheiterten Flucht(versuch)en

In einem Erzähl-Café berichten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von ihren Erfahrungen staatlicher Repression, von gelungenen und gescheiterten Fluchten, von Stasi-Haft und der Aufarbeitung des DDR-Unrechts.

Jeweils um 13 Uhr, 15.15 Uhr und 16 Uhr können sich interessierte Gäste im Rahmen von öffentlichen Rundgängen zu den Passkontrollen an der ehemals größten innerdeutschen Grenzübergangsstelle informieren. Die Kurzführungen dauern rund 30 Minuten. Parallel finden Familienführungen für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren statt. Zudem ist der ehemalige Kommandantenturm von 13 Uhr bis 17 Uhr durchgängig für Besucherinnen und Besucher geöffnet.

Ab 17 Uhr stimmen Schülerbands aus der Region, „Die Quietschies“ (Wolmirstedt) und „Change over“ (Helmstedt) das Publikum auf den Höhepunkt des Tages ein: Um 19 Uhr beginnt das Konzert der Deutschrock-Band Keimzeit.

„Irrenhaus“ war der Soundtrack der Friedlichen Revolution

Seit 1980 in der DDR aktiv, balancierte Keimzeit auf dem schmalen Grat zwischen Distanz und Kompromiss, um auftreten zu können. 1989 nahm die Band ihr erstes Album „Irrenhaus“ auf. Obwohl die Veröffentlichung erst 1990 stattfand, avancierte das gleichnamige Lied zum Soundtrack der Friedlichen Revolution in der DDR. 1993 erschien das Album „Bunte Scherben“ mit dem Song „Kling Klang“, der auch heute für die weit nach dem Ende der deutschen Teilung Geborenen ein bekannter Ohrwurm ist.

„Dass am Ort der einstigen Systemkonfrontation seit 30 Jahren an die Opfer der Teilung erinnert wird und zugleich ein Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Austauschs entstand, ist ein Anlass zum Feiern“, so Gedenkstättenleiterin Dr. Susan Frisch. „Gemeinsam mit allen Teilnehmenden uns Besuchenden wollen wir uns der Bedeutung demokratischer Werte wie Freiheit, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit vergewissern und an ihr historisches Gewordensein erinnern. In der Bandbreite des Programms zeigt sich die Vielstimmigkeit und die Lebendigkeit von Erinnerungskultur in der Region.“

Chefredakteurin at Helmstedter Sonntag | + posts

Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit 30 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor 25 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.