Helmstedt. Das Projekt „Soziales Engagement“ der Helmstedter Lademann-Realschule könnte zu einem Vorbild in ganz Niedersachsen werden.
Im Landkreis Helmstedt und in der ganzen Region hat es das wohl noch nicht gegeben: Jugendlichen in der Schule ein Ehrenamt ans Herz zu legen. Fabian Heitgreß, Koordinator für Soziales und Personales Lernen der Lademann-Realschule Helmstedt, ist das Vorhaben angegangen. Er freut sich, dass im zweiten Schulhalbjahr eine Probephase gestartet ist: Über 20 Schülerinnen und Schüler des neunten Jahrgangs engagieren sich außerschulisch in sozialen Bereichen. Verschiedene Partner hat der Lehrer gefunden – die Organisationen waren ebenso wie er begeistert von dem Projekt an sich und von der Bereitschaft der Schülerschaft, daran teilzunehmen und sich zu engagieren. In den Worten von Fabian Heitgreß soll das Projekt der Schule den Jugendlichen zeigen, welche Möglichkeiten soziale Arbeit vor Ort bietet – und wie bereichernd sie für alle Beteiligten sein kann. Entstanden ist die Idee im vergangenen Schuljahr damit, dass sich Schülerinnen und Schüler im „normalen“ Schulalltag sozial engagieren können – allerdings schulintern. Beispielsweise sind sie seitdem in der Schulbibliothek tätig, agieren als Dolmetscher, übernehmen die Hausaufgabenbetreuung der unteren Klassen oder auch ganze Arbeitsgemeinschaften.
Verschiedene Partner gefunden
Mit dem Beginn des zweiten Schulhalbjahres öffnete die Lademann-Realschule das Projekt nach außen. Sie fand in Helmstedt einige Partner, die den Jugendlichen verschiedene Wege des Engagements aufzeigen möchten. Ein solcher Kooperationspartner ist die DRK-Kindertagesstätte (Kita) Streplingerode. Deren Leiterin Franziska Feicke freut sich: „Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, sich sozial zu engagieren und sich dadurch persönlich weiterzuentwickeln, ist etwas Großartiges. Wir freuen uns sehr auf die Unterstützung durch die Schülerinnen und Schüler und begleiten das Projekt sehr gerne.“ Nicht nur in der Kinderbetreuung werden die Neuntklässler außerschulisch aktiv sein, sondern ebenso in der Tagespflege, im Pflegeheim, beim Hospizverein und in weiteren sozialen Bereichen. Nach einer Erprobungsphase beraten alle Beteiligten, in welcher Form das Projekt im Schuljahr 2026/2027 komplett an den Start geht. Begleitet wird es auch dann vom Präventionsprogramm „Gesund Leben Lernen“ und der IKK classic. Silke Kampenkel, Gesundheitsmanagerin der IKK classic, unterstützt die Schule schon seit mehreren Jahren und freut sich über die ehrenamtlich aktiven Jugendlichen: „Soziales Engagement bedeutet Verantwortung übernehmen, soziale Kompetenz entwickeln und den eigenen Horizont erweitern. Für Jugendliche ist das eine enorme Chance – und für unsere Gesellschaft ein unschätzbarer Wert.“ Und auch Schulleiterin Jacqueline Conradi ist begeistert: „Ich bin unglaublich stolz auf unsere Schülerinnen und Schüler. Dass sich so viele junge Menschen freiwillig für ein soziales Projekt melden, ist etwas ganz Besonderes. Dieses Engagement zeigt, dass Gemeinschaftssinn lebendig ist und Schule über den Schulalltag hinaus wirken kann.“
Ein Blick in neue Lebenswelten
Für viele Jugendliche ist das Projekt nicht nur ein Blick in neue Lebenswelten, sondern auch eine Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln. Neuntklässlerin Zoe Wende beispielsweise „möchte Menschen helfen und etwas Sinnvolles tun“. Sie hat sich für ein soziales Engagement beim Verein Hospizarbeit angemeldet, um kennenzulernen, was dort getan wird. „Ich freue mich darauf, etwas von meiner Zeit zu schenken“, sagt sie. Cassandra Quost, Schülerin einer anderen neunten Klasse, ergänzt: „Ich wusste gar nicht, wie viele Möglichkeiten es gibt, sich zu engagieren. Ich möchte Erzieherin werden und herausfinden, ob mir das wirklich liegt.“ Entsprechend wird sie sich in der DRK-Kita an der Streplingerode einbringen und Erfahrungen sammeln.
Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit 30 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor 25 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.
