Helmstedt. Die Leserschaft soll in den HELMSTEDTER SONNTAG eingebunden werden und mitbestimmen, worüber im Wahlkampf berichtet wird.
Die Straßenlaternen werden mit Plakaten „geschmückt“, die Wahlausschüsse tagen und entscheiden, ob – das ist in diesem Jahr neu – alle Bewerber verfassungstreu sind und zur Wahl zugelassen werden können. Es wird immer offensichtlicher, dass Wahlen vor der Tür stehen. Am 13. September 2026 ist es dann auch soweit: Mit den Kommunalwahlen in Niedersachsen werden in allen Gemeinden des Landkreises Helmstedt die Hauptverwaltungsbeamten neu gewählt.
Nur vier Personen können auf einen Amtsbonus setzen
Die Menschen im Helmstedter Kreisgebiet haben die Qual der Wahl: Wer soll neuer Landrat werden? Wer wird Bürgermeis-ter in den Städten Helmstedt, Schöningen und Königslutter? Wer hat künftig in den Samtgemeinden Grasleben, Nord-Elm und Heeseberg das Sagen? Ebenso entscheidet sich in der Samtgemeinde Velpke und in der Einheitsgemeinde Lehre (außerhalb des Zustellgebietes des HELMSTETDER SONNTAG), wer in den Rathäusern die Fäden in der Hand haben wird. Auf einen Amtsbonus können bei diesen Wahlen nur vier Hauptverwaltungsbeamte setzen, denn in fünf Kommunen stehen ganz neue Bewerber zur Wahl, nachdem sich die bisherigen Verwaltungsleiter zurückgezogen haben. Neue Oberhäupter werden für den Landkreis Helmstedt, für die Städte Schöningen und Königslutter sowie für die Samtgemeinden Grasleben und Velpke gesucht. Die meisten Kandidierenden aus dem Zustellgebiet haben sich in den vergangenen Wochen selbstständig vorgestellt. In Pressemitteilungen beschrieben sie ihre Stärken und ihre Wünsche für das avisierte Amt. Im 27. Jahr seines Bestehens hat sich der HELMSTEDTER SONNTAG an dieser Stelle gefragt, ob es das ist, was die Wählerinnen und Wähler wissen möchten. Die klassische Wahlberichterstattung funktioniert bisher „von oben herab“, indem Parteien und Kandidierende die Themen vorgeben. Aber sind das auch die Themen, die den Menschen wirklich wichtig sind?
Leserschaft soll die Themen bestimmen, nicht die Politik
„Correctiv“ hat 2025 gemeinsam mit sechs unabhängigen Lokalmedien die Wahlberichterstattung neu aufgestellt – zunächst bei der Bundestagswahl, später bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen – und das Projekt „Deine Stimme, deine Themen“ gestartet. Dabei richteten Lokalmedien ihre Wahlberichterstattung nach den Themen aus, die Wählerinnen und Wähler besonders interessieren. So wurde die Leserschaft in die Gestaltung ihrer regionalen Zeitungen aktiv eingebunden. Das soll es zu den Kommunalwahlen 2026 erstmals auch in Helmstedt geben. Im Wahlkampf soll nicht berichtet werden, was die Kandidierenden, die Parteien oder die „große Politik“ vorgeben und auch die Redaktion des HELMSTEDTER SONNTAG möchte nicht entscheiden, wo die Interessen der Leserschaft liegen. Vielmehr sollen alle Leserinnen und Leser überlegen, welche Themen ihnen im Wahlkampf wichtig sind, was es braucht, ihren Wohn- oder Arbeitsort wie gewohnt zu erhalten oder ihn attraktiver zu gestalten. Der HELMSTEDTER SONNTAG ist auf den „Deine Stimme, deine Themen“-Zug aufgesprungen und möchte eine Community schaffen, die auf Augenhöhe in die Wahlberichterstattung eingebunden wird. Dafür ist die Mitarbeit der Leserinnen und Leser notwendig. Sie werden gebeten, an einer kleinen Umfrage teilzunehmen, mit deren Hilfe die Redaktion ermitteln möchte, welche Themen den Menschen im Landkreis Helmstedt wichtig sind. Die Umfrage ist über den Link https://deinestimme.helmstedter-sonntag.de/crowdnewsroom/Kommunalwahlen2026 sowie über den QR-Code zu erreichen.
Ein erster Versuch, ob ein Mitwirken gewünscht ist
Bewusst wurde dabei auf das Du gesetzt, weil es mehr Nähe vermittelt. Und das möchte die Redaktion auch tatsächlich: Mit der Leserschaft auf „Tuchfühlung“ gehen – nicht nur bei den Kommunalwahlen. Sie sind aber der erste Schritt und ein Versuch, ob das aktive Mitwirken an der Berichterstattung überhaupt angenommen wird. Am einfachsten können die neun Fragen der Redaktion am PC, dem Tablet oder auf dem Smartphone beantwortet werden. Wer hingegen lieber einen Papierbogen von Hand ausfüllen möchte: In der Geschäftsstelle des HELMSTEDTER SONNTAG am Holzberg 31 liegen gedruckte Exemplare aus. Die Umfrage läuft bis zum 9. August 2026. Danach beginnt mit der Auswertung die Arbeit der Redaktion. Mit den Antworten erfahren die Redakteurinnen, worüber sie in den Tagen und Wochen bis zur Wahl berichten und zu welchen Themen sie den Kandidierenden auf den Zahn fühlen sollen. Das gesamte Team des HELMSTEDTER SONNTAG hofft, dass das Format von der Leserschaft gut angenommen wird. Gleichzeitig wird mit Spannung erwartet, mit welchen Fragen beispielsweise die Bewerber um das Amt des Helmstedter Landrates – Torsten Wendt (CDU), Malte Schneider (SPD), Tobias Stober (AfD) und Martin Klein (parteilos) – „gelöchert“ werden sollen.
Die genannten vier Personen hat der Kreiswahlausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch offiziell zur Wahl am 13. September zugelassen.
Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit 30 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor 25 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.
