Helmstedt. Die Vorträge der Schüleruniversitätstage reflektierten über „Wege aus dem Krieg“.
Hannes, Wiebke, Malte, Robert, Keke und Ida, das waren, genannt in der Reihenfolge ihrer Vorträge, die Namen der Referierenden der diesjährigen Schüleruniversitätstage am Donnerstag im Juleum. Lernende vom Gymnasium Julianum und vom Gymnasium am Böttschenberg, alle ungefähr geboren in der kurzen Zeitspanne, als für ein paar wenige Jahre Kriege der Vergangenheit anzugehören schienen, zumindest in Europa. Aufgewachsen sind die Vortragenden, vor dem Hintergrund des sich zuspitzenden Ukraine-Konflikts und des Krieges in Syrien, in einer Realität, wo Flüchtlingsschicksale und längst vergessen geglaubte Worte wie „Annexion“ wieder zum Alltag gehörten. Vielleicht hat das ihren Blick auf die Konflikte der Vergangenheit und die oft wenig erfolgreichen Versuche zu deren Bewältigung so eindringlich werden lassen. Diplomatie in der Kuba-Krise (Wie fühlt es sich an, wenn eine einzige falsche Entscheidung einen Atomkrieg auslösen kann?“), das bis heute verzerrte und politisch instrumentalisierte Bild der „Trümmerfrauen und die anhand der UN-Mission in Somalia gestellte Frage, ob Waffen Frieden schaffen können: Das waren die mit viel Hintergrundwissen und Forschungsinteresse präsentierten Beiträge vor der Pause. Weiter ging es, nicht weniger fundiert und vor einen zunehmend bewegten Publikum, mit einer bedrückenden Reflektion über „Einsicht und Umerziehung“ in den ehemaligen Achsenmächten Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg. Es folgte ein eindringlich durch Bilder der einschüchternden „Peacewalls“ und Zeitzeugenstimmen illustrierter Beitrag zu Alltag und Sicherheitsgefühl in Nordirland.
Ein trügerischer Frieden?
Der Vormittag (und mit ihm die diesjährigen Schüler-Universitätstage) endete mit der Frage, was Krieg im Inneren der Menschen anrichtet: Welches Trauma, wieviel „Krieg im Kopf“ nehmen die Soldaten und Soldatinnen eigentlich mit Nachhause, wenn der Einsatz längst vorbei ist, fragte Ida, die letzte Referentin dieses nachdenklich stimmenden Vormittags. Draußen, vor den Toren des Juleums scheint noch immer die Septembersonne und die Helmstedter Altstadt wirkt freundlich und friedlich an diesem ganz normalen Donnerstagmittag, ein Fahrrad fährt vorbei, jemand schiebt einen Kinderwagen und scherzt mit dem kleinen Jungen, der darin sitzt. Unter die Gespräche der Zuhörenden der Beiträge zum Thema „Wege aus dem Krieg“ von Hannes, Wiebke, Malte, Robert, Keke und Ida mischt sich Betroffenheit. Wie wäre es denn wirklich, wenn auch dieser so vertraute Frieden ein trügerischer ist?
Kathrin Peter-Sohr
Als Freie Redakteurin bereichert Kathrin Peter-Sohr das Team des HELMSTEDTER SONNTAG nicht nur schreibend, sondern zugleich "(be)lehrend": Als Volontärin eines früheren Helmstedter Anzeigenblattes zog sie aus in die große weite Welt. Nach über 20 Jahren als Lehrerin in Hamburg kehrte sie nun zu ihren beruflichen Wurzeln zurück nach Helmstedt. Sie erweckt sogar trockene Themen zu Leben und kennt sich mit Verwaltungsdeutsch bestens aus.
