//Zum Weltfrauentag am 8. März

Zum Weltfrauentag am 8. März

Helmstedt. Der Weltfrauentag wird seit einigen Jahren auch im Landkreis Helmstedt mit verschiedenen Veranstaltungen begangen.

Unter dem Motto „Frauen verdienen mehr, mehr, mehr…!“ hat der Arbeitskreis für den Weltfrauentag auch in diesem Jahr eine umfangreiche Veranstaltungsreihe zusammengestellt, die bereits am 19. Januar 2019 begonnen hat und erst am 9. April 2019 endet.

Filmvorführungen mit anschließenden Diskussionen, Sport- und Fitnesskurse für Frauen, Buchvorstellungen und Lesungen, Kabarett, Kunstausstellungen, Referate und mehr. Das Veranstaltungsprogramm ist bunt. Das verwundert nicht, ist doch auch der Arbeitskreis für den Weltfrauentag bunt zusammengesetzt. Es wirken aus dem Landkreis Helmstedt die Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit, Bündnis 90/Die Grnen, der Caritasverband, der Paritätische, das Deutsche Rote Kreuz, die Frauen Union der CDU, die Diakonie-Kreisstelle, der Kreissportbund, der KreisLandfrauenVerband, die Gleichstellungsbeauftragte und die Museumsleiterin des Landkreises, das AWO-MehrGenerationenhaus Helmstedt, der Senioren- und Pflegestützpunkt, der SOLWODI Arbeitskreis. der SoVD-Kreisverband, die ASF im SPD-Unterbezirk, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Helmstedt, das Studio für Gesundheit und Bewegung des TSVG Helmstedt sowie der ver.di-Ortsverein Helmstedt mit.

Weitere Informationen zu den Veranstaltungen und den Akteurinnen sind online unter www.helmstedt.de oder telefonisch unter 05351/1211212 erhältlich.

NGG beklagt Lohn-Ungleichgewicht

Passend zum Frauentag hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitgeteilt, dass es im Landkreis Helmstedt noch immer einen Unterschied bei der Bezahlung zwischen Männern und Frauen gibt. „Gleiche Arbeit, unterschiedliche Bezahlung: Im Landkreis Helmstedt verdienen Frauen, die in Vollzeit arbeiten, 15 Prozent weniger als Männer“, teilt die NGG mit. Sie verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach kommen Männer mit einer Vollzeitstelle im Kreis Helmstedt auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 2.867 Euro pro Monat – Frauen hingegen nur auf 2.436 Euro. In Niedersachsen beträgt der Verdienstunterschied bei Vollzeit zwischen den Geschlechtern 17 Prozent (Männer: 3.249 Euro, Frauen: 2.712 Euro). Dies liege teils an niedrigeren Positionen, die Frauen häufig hätten, insbesondere aber auch an der mangelnden Zahlungsbereitschaft von Unternehmen, so die NGG Süd-Ost-Niedersachsen-Harz.

Von 530 Minijobbern sind 330 Frauen

Gewerkschafterin Anke Siedentop spricht von einer „Diskriminierung per Lohnzettel“. Es könne nicht sein, dass Frauen bei der Bezahlung trotz gleicher Arbeitszeit systematisch den Kürzeren zögen. „Dabei sind es immer noch vor allem Frauen, die sich nach einem langen Arbeitstag um Familie und Haushalt kümmern – und das unbezahlt.“ Auch deshalb seien sie oft gezwungen, weniger zu arbeiten. So sind nach Angaben der Arbeitsagentur aktuell 80 Prozent aller Teilzeitstellen im Kreis Helmstedt weiblich. „Gerade im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk ist es gang und gäbe, dass sie nur eine halbe Stelle haben – oder noch weniger“, kritisiert Siedentop. Allein das Gastgewerbe beschäftigt laut Arbeitsagentur im Kreis 530 Minijobber. 330 von ihnen sind Frauen.

Die Folgen seien spätestens im Rentenalter „dramatisch“, so die NGG. „Wer über Jahrzehnte wenig verdient und etwa wegen Kindern Unterbrechungen im Erwerbsleben hat, der bekommt kaum Rentenpunkte. Das führt dann zu Armutsrenten, die der Staat aufstocken muss“, betont Siedentop und fordert: „Unternehmen, die Frauen und Männer für den gleichen Job unterschiedlich bezahlen, sollten mit Konsequenzen rechnen. Weiterhin brauchen Frauen und Männer die gleichen Aufstiegschancen im Betrieb, denn Motivation und Engagement hängen nicht vom Geschlecht ab.“

Auch das Entgelttransparenzgesetz hilft nicht weiter

Zwar gebe es seit gut einem Jahr das so genannte Entgelttransparenzgesetz. Danach haben Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern das Recht zu erfahren, was ein Kollege in vergleichbarer Position verdient. Chefs müssen dann bestehende Unterschiede abschaffen. Doch laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung wird das Gesetz bisher kaum genutzt. Nach Einschätzung von Anke Siedentop liegt das auch daran, dass kleine Betriebe vom Gesetz ausgenommen sind – „obwohl die Lohnunterschiede dort besonders groß sind“. Die NGG macht sich für einen gesetzlichen Anspruch auf „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ stark.

Auch Falko Mohrs setzt sich für Gleichberechtigung ein

„Das Grundgesetz verpflichtet den Staat in Artikel drei, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern durchzusetzen und Benachteiligungen zu beseitigen. Diesen Handlungsauftrag nimmt die SPD-Bundestagsfraktion sehr ernst“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs aus dem Wahlkreis Helmstedt/Wolfsburg zum Internationalen Frauentag am 8. März.
„Wir wollen Gesetze, die zeitgemäße Rollenbilder von Frauen und Männern unterstützen. Auch wenn wir in den vergangenen Jahren beispielsweise mit dem Elterngeld, der Quote für Frauen in Führungspositionen, dem gesetzlichen Mindestlohn und dem Rückkehrrecht auf vorherige Arbeitszeit viel dafür getan haben, laufen Frauen noch immer Gefahr, ihre Möglichkeiten nicht voll ausschöpfen zu können: Sie werden durchschnittlich schlechter bezahlt, steigen familienbedingt öfter und länger aus dem Job aus, steigen überwiegend in Teilzeit wieder in den Job ein, und das nicht selten unterhalb ihrer Qualifikation.“

Verheerend für die Alterssicherung von Frauen

Das wirke sich verheerend auf die Alterssicherung von Frauen aus: So bekämen Frauen am Ende ihres Erwerbslebens nur halb so viel Rente wie Männer. „Unsere aktuellen Vorschläge für eine Grundrente gehen diese Ungleichheit an. Zu 75 Prozent werden Frauen von der Grundrente profitieren: Vor allem Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit wegen ihrer Kinder einschränken mussten und deshalb nicht ausreichend für ihre Alterssicherung vorsorgen konnten. Von der Grundrente profitieren würden auch Frauen, die jahrzehntelang zu
Niedriglöhnen arbeiten mussten“, erklärt Falko Mohrs.
„Neben der Einführung einer Grundrente müssen wir aber gleichzeitig weiter daran arbeiten, dass Frauen über den gesamten Lebensverlauf hinweg die gleichen Chancen wie Männer haben: auf einen gut bezahlten Job und letztlich auf eine eigenständige und auskömmliche Alterssicherung. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir die sozialen und die Gesundheitsberufe aufwerten, denn es ist nicht plausibel, dass eine Arbeit mit so hohen Anforderungen und so großer Bedeutung für die Gesellschaft so gering entlohnt wird“, so der Bundestagsabgeordnete.
Die SPD-Bundestagsfraktion wolle dringend etwas gegen den geringen Anteil von Frauen in den Parlamenten tun. Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag ist 2019 mit 30,7 Prozent so niedrig wie seit knapp 20 Jahren nicht mehr. „Unsere Antwort darauf ist ein Paritätsgesetz. Denn schon bei der Quote für Führungspositionen in der Privatwirtschaft haben wir gesehen: Wer auf Freiwilligkeit setzt, verteilt nur weiße Salbe. Nur per Gesetz machen Männer Platz für Frauen, die mindestens genauso gut dafür geeignet sind wie sie selbst. Die anstehende Wahlrechtsreform ist dafür der richtige Moment“, betont Falko Mohrs.

Mohrs wird am Internationalen Frauentag die Veranstaltung des AWO-Mehrgenerationenhauses in Helmstedt besuchen, die zu der anfangs genannten Reihe im Landkreis Helmstedt gehört. Im Mehrgenerationenhaus gibt es „Interessantes zum Weltfrauentag“, indem Frauen aus unterschiedlichen Lektüren kurze Texte zum Thema lesen. Anschließend ist von der MGH-Leitung eine Führung mit Mohrs durch das Haus geplant.