Teil I: Im September geht es um die Erderwärmung, um Vorhersagen und Gegenmaßnahmen, um Verschwörungstheorien und noch mehr  

„Wenn du das hier liest, dann weine.“ Diese Inschrift hatte ein unbekannter Autor auf einem Hungerstein (ein Stein, der bei Niedrigwasser im Flussbett zu sehen ist) in der Elbe hinterlassen. Zu sehen war die Aufforderung vor wenigen Tagen, als sich das Wasser überall so zurückgezogen hatte, dass mehrere Hungersteine sichtbar wurden. 

Der Pegelstand des Rheins hatte Mitte August in Emmerich seinen absoluten Tiefststand erreicht: null Zentimeter. Die Tro-ckenheit zeigte nach anhaltenden Temperaturen von mehr als 40 Grad allerorts ihre Härte. Teiche und kleinere Seen führten kaum noch Wasser, dem Harz kann aktuell beim Sterben zugesehen werden, Italien sowie Teile Spaniens meldeten, dass das Wasser knapp würde und überall – selbst im Landkreis Helmstedt – wüteten Waldbrände. 

Im September heißt es beim HELMSTEDTER SONNTAG „Was gibt‘s da zu leugnen? DAS ist Klimawandel!“. Mit dem Monatsthema sollen Auswirkungen des Klimawandels auf der ganzen Welt betrachtet und Gründe dafür ermittelt werden. Auch soll thematisiert werden, ob es noch einen Weg heraus gibt. Und schließlich sollen Falschmeldungen und Verschwörungstheorien zum Klimawandel aufgedeckt und möglichst ausgeräumt werden. 

Die Erderwärmung gilt als „DER“ Klimawandel

Was genau ist eigentlich der Klimawandel? Wann „setzt“ er ein, wie wird er „gemessen“?

Zunächst einmal ist klar, dass das Wort Klimwandel eine weltweit auftretende Veränderung des Klimas beschreibt. 

Aktuell erleben wir eine durch Menschen verursachte, globale Erderwärmung, die im Allgemeinen als „DER“ Klimawandel bezeichnet wird. Da durch den Temperaturanstieg aber auch andere Probleme ausgelöst wurden und noch werden, hat sich die Bezeichnung inzwischen oftmals verschärft und es wird von einer Klimakrise gesprochen. 

Ändert sich der Strahlungsantrieb, der das Erdklimasystem aus einem stabilen thermisch-radiativen in ein neues Gleichgewicht überführt, wandelt sich das Klima. Das ist messbar, da der Strahlungsantrieb aus den atmosphärischen Konzentrationen von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid, Methan und Wasserdampf, aus der variierenden Sonneneinstrahlung sowie aus dem Rückstrahlvermögen der Erdoberfläche, einschließlich der Ozeane, resultiert. 

Dass es wärmer wird, ist deutlich spürbar

Ganz unwissenschaftlich betrachtet, zeigt sich der Klimawandel vor allem am Temperaturanstieg. Der ist fühlbar und daher wohl auch für jeden Menschen, jedes Lebewesen leicht nachvollziehbar. Gerade in der vergangenen Woche hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigt: „Die Extreme dieses Sommers zeigen sich auch in unserer -Klimastatistik. Der Sommer 2022 war in Deutschland der sonnigste, sechsttrockenste und gehört zu den vier wärms-ten seit Aufzeichnungsbeginn. Wir dürften damit in Zeiten des Klimawandels einen bald typischen Sommer erlebt haben“, führte Uwe Kirsche, Pressesprecher des DWD, aus. 

Der Temperaturdurchschnitt lag im Sommer 2022 nach vorläufigen Berechnungen des DWD mit 19,2 Grad Celsius um 2,9 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. 

Die deutlich zu trockene und überdurchschnittlich warme sowie sonnenscheinreiche Sommerwitterung ließ die Böden stark austrocknen. Dabei nahm der Rückgang der Bodenfeuchte in Deutschland einen ähnlichen Verlauf wie im Dürrejahr 2018. Mit fast 820 Stunden überragte die Sonnenscheindauer im Sommer ihr Soll von 614 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um rund 35 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 lag die positive Abweichung bei rund 25 Prozent. 

„Club of Rome“ bewies bereits vor 50 Jahren Weitsicht

Ganz aktuell hat der mysteriös klingende „Club of Rome“ (ein 1965 in Rom gegründeter Zusammenschluss von Fachleuten verschiedener Disziplinen und Länder) eine Studie mit dem Titel „Ein Survivalguide für unseren Planeten“ veröffentlicht, die die ganze Welt alarmieren sollte: Ohne eine dramatische Kehrtwende sei die Erde nicht mehr zu retten. Ganze Weltregionen würden von Menschenhand zerstört, meint der „Club of Rome“ zusammen mit weiteren Forschern. Was genau die Studie herausgefunden hat, warum schon vor 50 Jahren die Aussagen des „Club of Rome“ zukunftsweisend und weitsichtig waren, das wird in der nächsten Woche im Monatsthema beleuchtet.


Teil II: Können wir mit den fünf „Kehrtwenden“ die Kurve kriegen?

Als der „Club of Rome“ vor 50 Jahren erstmals mit Nachdruck vor dem Klimawandel warnte, erregte er großes Aufsehen. Der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ klang 1972 für viele zwar utopisch, aber war immerhin der erste umfassende, wissenschaftlich fundierte Report zur Zukunft der Erde. 

Er ist durch ein seinerzeit neuartiges Forschungsprojekt des Öko-nomen Dennis Meadows zustande gekommen. Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA hatten Meadows und sein Team aufwändige Computersimulationen entworfen, mit denen untersucht werden konnte, wie sich Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, nicht erneuerbare Ressourcen und Umweltschäden über die Zeit beeinflussen.

Finanziert wurde das Projekt 1972 übrigens mit 800.000 Dollar von der Volkswagenstiftung. 

Durch Hochrechnungen wurde deutlich, dass ein „Weiter so“ auf der Welt überall Krisen verursachen würde. Bis spätestens 2100 wäre eine Katastrophe für die Weltgesellschaft unvermeidbar, wenn nicht gegengesteuert würde, so das seinerzeitige Ergebnis. 

Im Laufe der vergangenen 50 Jahre hat der Club of Rome immer wieder Berichte herausgegeben, nachdem aufwändig zu bestimmten Aspekten geforscht worden war. 

2012 etwa wurde mit dem Report „2052: Eine globale Vorhersage für die nächsten 40 Jahre“ eindringlich vor Folgen des Klimawandels gewarnt.

Vor wenigen Tagen ist nun eine neue Studie veröffentlicht worden, die drastische Schritte fordert. Ganze Weltreligionen würden zusammenbrechen, wenn jetzt nicht mit einer Umverteilung des Reichtums begonnen werde. Nur so könne die Klimakrise in den Griff bekommen werden. 

Wirtschaftswissenschaftler Jorgen Randers, der schon mehrere Jahrzehnte für den Club of Rome forscht und die Berichte vorstellt, sieht die Welt an einem Scheideweg. Die Studie „Ein Survivalguide für unseren Planeten“, die aus der Initiative „Earth4All“ hervorgeht, macht Vorschläge, wie durch einen Wandel der internationalen Politik der weltweite Zusammenbruch noch abgewendet werden kann. 

Können die Reichen den Planeten vor der Klimakatastrophe retten?

Aus Deutschland ist unter anderem Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Mitautor des Berichtes. Für ihn ist klar, dass der Umbau „noch in diesem Jahrzehnt“ beginnen müsse.

„Wir werden die Welt nicht retten, wenn nicht die reichsten zehn Prozent die Rechnung bezahlen“, formuliert es Jorgen  Randers ganz deutlich: Es seien drastische Schritte auf Kosten der Reichen nötig, um den Planeten vor einer Klimakatastrophe zu bewahren. 

Fünf Kehrtwenden helfen der Erde beim Überleben 

Allerdings macht der Bericht auch Mut, indem er aussagt, dass es noch nicht zu spät ist. Es seien fünf „außerordentliche Kehrtwenden“ notwendig: Die Beendigung der Armut, die Beseitigung der eklatanten Ungleichheit, die Ermächtigung der Frauen, der Aufbau eines für Menschen und Ökosysteme gesunden Nahrungsmittelsystems und der Übergang zum Einsatz sauberer Energie.

So könnte dem Bericht zufolge die Erderwärmung unterhalb der Zwei-Grad-Marke stabilisiert und die Armut beendet werden. 

Untermauert wird das alles mit zwei verschiedenen Szenarien, die auf dem fiktiven Schicksal von vier 2020 geborenen Mädchen in China, den USA, Bangladesch und Nigeria aufbauen.  

Es läuft dabei immer wieder auf das gleiche hinaus. Die Expertinnen und Experten machen an mehreren Stellen deutlich, dass ein extremes Maß an Ungleichheit äußerst destruktiv sei. 

Zu den „Lösungsvorschlägen“ gehören unter anderem, dass Lebensmittel stärker lokal produziert und Verschwendung minimiert werden sollten. Erneuerbare Energien müssten Kohle, Öl und Erdgas ablösen, der -Treibhausgasausstoß etwa alle zehn Jahre halbiert werden. 

Außerdem sollten reiche Länder den armen alle Schulden erlassen. Zugleich müssten die vermögendsten Menschen in allen Ländern stärker besteuert werden. Ein Bürgerfonds könnte zudem mehr Menschen am Reichtum der jeweiligen Länder teilhaben lassen.

In Klima, Nachhaltigkeit und Wohlergehen investieren

Wie aber könnte durch Geld eine Klimakatastrophe abgewendet werden? Der Bericht schlägt vor, dass alle Staaten gemeinsam den Beschluss fassen, dass Weltbank, Internationaler Währungsfonds und Welthandelsorganisation umgestaltet werden. Sie sollten zukünftig die ökologische Wende sowie Investitionen in Klima, Nachhaltigkeit und Wohlergehen unterstützen. 

Damit schließt sich quasi ein 50 Jahre andauernder Kreis. Denn die Empfehlung lautet nicht viel anders als 1972, wurde aber durch mehrere Studien noch weiter belegt und konkretisiert. 

Heute wie damals wird darauf hingewiesen, dass es der Menschheit gelingen muss, ein ökologisches und wirtschaftliches Gleichgewicht herzustellen, um eine Katastrophe zu vermeiden. Statt eines bequemen „Weiter so“ müsse die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsordnung gelingen. Dennis Meadows und seinem Team waren schon vor 50 Jahren klar: Je früher die Menschheit das begreifen und handeln würde, desto wahrscheinlicher könnte sie einen Kollaps verhindern…

An vielen Stellen wird bereits gehandelt

Natürlich darf nicht verschwiegen werden, dass an vielen Stellen bereits aktiv gehandelt wird. In Niedersachsen beispielsweise wurde gerade am Mittwoch eine Studie vorgestellt, in der die Niedersachsen Allianz für Nachhaltigkeit der Frage nachgegangen ist „Wie kann sich die niedersächsische Wirtschaft klimaneutral aufstellen?“ In der nächsten Woche werden unter anderem diese Ergebnisse betrachtet. 


Teil III: Auch im Kleinen kann schon einiges getan werden; aktuelle, nachhaltige Maßnahmen auf allen Ebenen

„Wie kann sich die niedersächsische Wirtschaft klimaneutral aufstellen?“ Dieser Frage ist die Niedersachsen Allianz für Nachhaltigkeit (NAN) im Rahmen einer Studie nachgegangen. Die Ergebnisse daraus sollen unter anderem dazu beitragen, das Land Niedersachsen bis zum Jahr 2045 klimaneutral zu machen. 

Im Rahmen des Monatsthemas „Was gibt‘s da zu leignen? DAS ist Klimawandel!“ lohnt ein Blick auf Anstrengungen, die auf verschiedenen Ebenen eingeleitet wurden, um den Klimawandel noch zu stoppen. 

„Wärmewende“ in der Industrie nötig

Dazu beitragen sollen die Ergebnisse der eingangs genannten Studie. Um Treibhausneutralität zu erreichen, müssten bestehende Produktionssysteme sowie Rohstoffbedarfe und Produkte fundamental verändert werden, lautet das Fazit der NAN. Das könne durch eine „Wärmewende“ in der Industrie, die Steigerung der Energieeffizienz sowie die Förderung der „zirkulären Wirtschaft und Ressourceneffizienz“ geschehen.

„Darüber hinaus stellen der Ausbau der Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien, der Wasserstoffproduktion und -infrastruktur sowie die Begleitung und Gestaltung des Wandels auf dem Arbeitsmarkt wichtige Grundvoraussetzungen für die erforderliche Transformation der Wirtschaft dar“, heißt es in der Studie auch, die im Internet unter www.nachhaltigkeitsallianz.de heruntergeladen werden kann. 

Dass der politische Wille für eine erfolgreiche Umsetzung des Klimaschutzes entscheidend ist, stellt das Buch „Machste dreckig – machste sauber; Die Klimalösung“ von David Nelles und Chris-tian Serrer heraus. Es werden vier Instrumente der Politik formuliert, die den Klimawandel noch stoppen können: Information und Aufklärung, regulatorische Maßnahmen, Preisinstrumente sowie ein innovativer Staat. 

Diese vier Instrumente richten sich vornehmlich an die Gesamtbevölkerung. Es wird aber auch herausgestellt, dass ein zentraler Bestandteil von Politikinstrumenten die CO2-Bepreisung sei, die „in allen Sektoren gleichzeitig Anreize für Klimaschutz schaffen kann.“

Als Ausgleich lockt eine Klimaprämie

Wer nun befürchtet, dass Unternehmen wie Bürger dadurch zu sehr belastet würden, der sollte den vorgeschlagenen Grenzausgleich berücksichtigen: eine Klimaprämie. Sie könnte „wirtschaftliche Nachteile und gesellschaftliche Verwerfungen verhindern, ohne den finanziellen Anreiz zum Klimaschutz zu verringern“, meinen die Verfasser. 

Auch die internationale Zusammenarbeit wird in „Machste dreckig – machste sauber“ als wichtig erachtet. An diesem Punkt darf die Arbeit des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nicht verschwiegen werden. Dort finden zahlreiche internationale Forschungen statt. Aktuell wird beispielsweise untersucht, mit welcher Technik Treibhausgase erfasst (was bei einer Bepreisung dieser natürlich wichtig ist) und zugleich Klimaprognosen präziser gestaltet werden können. Dazu finden Forschungsflüge über Kanada statt, da es dort abwechslungsreiche Landschaften wie Klimazonen gibt.

An der Mission CoMet 2.0 Arctic arbeiten nicht nur deutsche Forschungsinstitute mit, sondern es wurden eben auch  internationale Kooperationen eingebunden. 

Womöglich kann der Klimaschutz aber auch schon im vergleichsweise sehr kleinen Kreis angegangen werden. Dazu sei als Beispiel die Kampfansage der Stadt Helmstedt an alle „Schottergärten“ genannt.

Durch Aufklärung zur Mitarbeit animieren

Vor allem durch Aufklärung sollen die Bürgerinnen und Bürger dazu animiert werden, ihre Versiegelungen zurückzunehmen und wieder mehr Grün entstehen zu lassen. Das ist natürlich einerseits insekten- sowie vogelfreundlich, aber es senkt beispielsweise auch die Temperaturen in Besiedlungszentren. Und natürlich trägt jede Pflanze zu einer Steigerung der Biodiversität bei. 

Nicht vergessen werden darf übrigens auch, dass bei Starkregen das Wasser im Schotterbeet stehen bleibt, weil es durch den verdichteten Boden nicht abfließen kann. 

Das wiederum führt zum Verlust der Bodenfruchtbarkeit – in ihm kann nichts mehr leben, aber auch schlimmstenfalls zu einem vollgelaufenen Keller. Denn irgendwo muss das Wasser ja hin… 


Teil IV: Fazit: Aufklärung ist wichtig, denn Verschwörungstheorien werden wohl immer bleiben

Auch wenn das Monatsthema im September schon im Titel darauf besteht, dass der Klimawandel existiert, gibt es überall auf der Welt Menschen, die genau das vehement leugnen. Da ist die Rede von absichtlich freigesetzten Chemikalien, die das Wetter beeinflussen sollen (Chemtrails) oder davon, dass es in der Millionen Jahre währenden Erdgeschichte bereits viele Klimawandel gegeben habe. 

Es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten

Offenbar ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, damit alle einsehen, dass sie aktiv dazu beitragen müssen, den Klimawandel zu stoppen oder zumindest abzumildern, um nachfolgenden Generationen einen vernünftigen Lebensraum zu hinterlassen. 

Viele, die gegen den Klimawandel argumentieren, beschimpfen die jungen „Fridays For Future“-Aktivisten als Schulschwänzer, wenden sich lautstark gegen die Verkehrswende oder auch nur Geschwindigkeitsbegrenzungen und schimpfen natürlich auf die „Mainstream-Medien“, die als „brave Schlafschafe“ nur Mitteilungen der „Regierung“ weiterverbreiten, die ihnen „von oben diktiert“ werden. 

Dass das auch schon im vergleichsweise kleinen Umfeld so ist, belegen zahlreiche E-Mails die den HELMSTEDTER SONNTAG im September erreicht haben. 

Behauptung: Chemtrails sind verantwortlich

Da ist die Rede von eingangs genannten Chemtrails; Chemikalien, die von der Regierung absichtlich verbreitet und die krank machen würden. 

Die giftigen Substanzen würden verschmelzen und zu Wolken werden. Die wiederum würden als „Chemiesuppe“ auf die Erde herabregnen und so eigentlich Schuld an allem sein: am Artensterben, den Wetterkapriolen und an Atemwegerkrankungen…

Denjenigen, die an solche Dinge glauben (wollen), wird es einfach gemacht, wie unter anderem die Studie „Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung“ aus dem Jahr 2019 des Rates für Kulturelle Bildung, eine Initiative mehrerer großer deutschen Stiftungen, herausstellte. 

Insbesondere junge Leute ließen sich stark von (Werbe)Videos bei YouTube beeinflussen, heißt ein Ergebnis daraus. Nimmt man dann das Forschungsprojekt  Joachim Allgaiers, der sich am Lehrstuhl für Gesellschaft und Technik der RWTH Aachen unter anderem mit digitalen Medien und Wissenschaftskommunikation beschäftigt, hinzu, wird deutlich, wie leicht es Klimaleugnern gemacht wird. 

Allgaier analysierte 200 Videos dahingehend, ob sie dem wissenschaftlichen Konsens zum menschengemachten Klimawandel entsprechen, ob sie den Klimawandel leugnen, ob es sich um ein Debattenformat handelt, oder um eine Verschwörungstheorie. Er fand heraus, dass Videos zu Verschwörungstheorien zum Klimawandel hohe Aufrufzahlen haben, weil Begriffe wie „chemtrails“ öfter gesucht würden als beispielsweise „climate“. 

Immerhin hat die Videoplattform das erkannt: Nach eigenen Angaben solle dem Problem der Verbreitung von Desinformationen über den Klimawandel sowie gefährliche Verschwörungstheorien beigekommen werden, indem Kurzbeschreibungen aus den Lexika Wikipedia und Encyclopedia Britannica neben Videos platziert werden, die derlei propagieren. 

Behauptung: Der Klimwandel existiert schon immer

Auch beliebt ist bei den Leugnern des Klimawandels das Argument, dass es schon immer wechselnde Kälte- und Hitzeperioden auf der Erde gegeben habe. Die Internetseite klimafakten.de, eine gemeinsame Initiative der European Climate Foundation und der Stiftung Mercator unter dem Dach der 2050 Media Projekt gGmbH, ist der Behauptung „Das Klima hat sich schon immer gewandelt“ auf den Grund gegangen. 

Die Antwort ist überraschend einfach. „In der Tat hat sich das Klima schon oft gewandelt, es reagiert sensibel auf verschiedene Einflüsse. Allerdings können die derzeitigen Klimaänderungen durch die bekannten und gut erforschten natürlichen Mechanismen nicht erklärt werden – es sind unbestreitbar menschliche Einflüsse, die momentan die Erde aufheizen“, schreibt klimafakten.de. 

Die Schlussfolgerung, der heutige Klimawandel sei nicht von der Menschheit verursacht, ist schlichtweg falsch, stellt klimafakten.de fest. 

Ganz vereinfacht zusammenfasst waren früher externe Antriebe natürlicher Art ursächlich für den Klimawandel. „Wird die Sonne heller, erhält der Planet mehr Energie und erwärmt sich. Brechen Vulkane aus, stoßen sie Aerosol-Partikel in die -Atmosphäre aus, die Sonnenstrahlen reflektieren; eine Abkühlung der Erde ist die Folge. Sind mehr Treibhausgase in der Atmosphäre, strahlt die Erde weniger Energie ins Weltall ab und erwärmt sich“, heißt es bei klimafakten.de konkret. 

Das Klimasystem der Erde versucht in jedem Fall ein solches Energieungleichgewicht auszugleichen und in eine neue Balance zu geraten; das Klima verändert sich.

Für heute wiederum bedeutet dieses Wissen, dass Treibhausgase das Energiegleichgewicht der Erde verändern, sodass die Erdatmosphäre sich erwärmt. Das Klima reagiert also überempfindlich auf Treibhausgase, die insbesondere aus dem CO2-Ausstoß herrühren, aber zu denen auch Ozon, Lachgas, Wasserdampf sowie Methan zählen. 

Also: Da die „wichtigsten“ (oder schlimmsten) Treibhausgase von Menschenhand gemacht sind, können sie auch von Menschenhand verringert werden. 

Wenn denn rasch etwas geschieht…

Chefredakteurin at Helmstedter Sonntag | + posts

Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit über 25 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor über 23 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.