Helmstedt. Gewerkschaften im Kreis Helmstedt laden zur Maikundgebung sowie zum Arbeitnehmerempfang ein und wollen mehr gehört werden. 

Hohe Energie- und Lebensmittelpreise, sich aufstauende Inves-titionen und ein zunehmender Fachkräftemangel: Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in allen Bereichen sind die Zeiten anspruchsvoll bis schwierig. Da ist jede und jeder Berufstätige dankbar, eine Gewerkschaft „im Nacken“ zu haben, die sich für ein besseres, auskömmliches Leben aller Arbeitnehmenden stark macht. Dass die Gewerkschaften es in diesen Zeiten allerdings schwer haben, von der Politik gehört zu werden, das bedauert die Geschäftsführerin der Region SüdOstNiedersachsen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Agnieszka Zimowska: „Die Arbeitnehmende haben die Nase voll von großspurig angekündigten Erleichterungen, die nicht eintreten. Und wir haben das Gefühl, nicht genügend beachtet zu werden“, fasst sie zusammen und macht deutlich, wieso der Tag der Arbeit am 1. Mai in diesem Jahr etwas anders ausfallen dürfte als gewohnt. „Wir werden mal nicht nur unsere Errungenschaften feiern, sondern mal unserem Ärger Luft machen“, kündigt Zimowska an. 

Stellschrauben müssen gedreht werden

Dabei hätten der DGB und alle unter seinem Dach agierenden Gewerkschaften gute Ansätze und Ideen, wie aktuelle Krisen zu meistern seien. „Aber wir werden viel zu wenig gehört“, mahnt die DGB-Regionsgeschäftsführerin. Sie gibt zu bedenken, dass Beschäftigte eben nicht zu oft krank seien, zu viel Lifestyle oder zu viel Lohn forderten, wie ihnen von der Bundesregierung vorgeworfen wird. „Arbeitnehmende sind vielmehr die Lösung aller Probleme“, ist sich Zimowska sicher. Sie wüssten, welche Stellschrauben im Unternehmen gedreht werden müssen, um zu florieren. Entsprechend kommt sie auf das Motto des diesjährigen 1. Mai zu sprechen: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ lautet das bundesweit. Und an dem Feiertag soll dies bei allen Kundgebungen deutlich werden. Eine dieser Kundgebungen findet traditionell auf dem Helmstedter Marktplatz statt. Sie beginnt am Freitag, 1. Mai 2026, um 10 Uhr mit der Mairede von Elke Hannack, der stellvertretenden DGB-Bundesvorsitzenden, und wird um ein Familienfest mit Livemusik von Dr. Tinnitus ergänzt. Ein Team aus „altgedienten“ und neu hinzugekommenen Gewerkschaftsaktiven kümmert sich um die Organisation. Der DGB-Kreisvorsitzende Dominik Meier kann auf die Unterstützung der IG Metall und der IG BCE, der GEW und der GDP sowie von ver.di und des Alevitischen Kulturvereins zählen. Er kündigt einen kleinen Handwerkermarkt, einen Cocktailstand, einen Getränkewagen sowie ein spaßiges Kinderprogramm mit riesigem Fußballdart an. 

Postkarten sollen verteilt werden

Alle Einnahmen des Tages werden im Anschluss wieder einem guten Zweck übergeben. Bei den Maikundgebungen sollen auch Postkarten verteilt werden, auf denen Beschäftigte ihre Bedürfnisse notieren sollen. Dominik Meier weiß, dass die vielen Pendlerinnen und Pendler in der Region von steigende Preise in allen Bereichen aktuell schwer gebeutelt sind. „Wir brauchen ein bezahlbares Leben – für Arbeitende, Rentner und Jugendliche gleichermaßen.“ Der DGB-Kreisvorsitzende  vergisst dabei die Transformation nicht, in der sich das ehemalige Helmstedter Revier befindet und mahnt, dass die Region gestärkt werden müsse.  Mit Schlingerkursen in der Politik fehle es derzeit einfach an verlässlichen Rahmenbedingungen, die vorhandene Unternehmen zu Investitionen ermutigen. Welche Forderungen der DGB an die Politik vor Ort richtet, das ist bereits am nächsten Sonnabend, 25. April, beim Arbeitnehmerempfang der Stadt Helmstedt im Rathaus zu erfahren. Um 10 Uhr beginnt die Veranstaltung für Betriebs- und Personalräte sowie für Vertretende von Arbeitgeberverbänden und sonstigen wichtigen gesellschaftlichen Organisationen. Agnieszka Zimowska wird die Festrede halten – und sicher kein Blatt vor den Mund nehmen… Im Anschluss, gegen 12 Uhr, wird dann auch der Maibaum auf dem Markt aufgestellt.

Chefredakteurin at Helmstedter Sonntag | + posts

Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit 30 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor 25 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.