Warberg. Denn zum ersten Mal fand das Treffen der Strukturwandel-Experten in einem bundesweiten Format auf Burg Warberg statt.
Nur das Wetter ließ zu wünschen übrig – wegen des strömenden Regens konnte kein Gruppenfoto auf dem Hof der Burg Warberg gemacht werden. Ansonsten waren es wieder zwei zukunftsweisende Tage: Am dritten Revieraustausch, erdacht und ausgerichtet von der Wirtschaftsregion Helmstedt (WRH), nahmen noch mehr Menschen teil, da dieses Mal alle vier Braunkohlereviere Deutschlands – das Lausitzer, das Mitteldeutsche, das Rheinische und das Helmstedter Revier – eingeladen waren. Für die niedersächsische Seite waren erneut die Helmstedter Partner der Region Wilhelmshaven-Friesland dabei. Nach einem laut WRH-Geschäftsführer Thomas Klein „sehr spannenden und gewinnbringenden“ Mittwochnachmittag beim tatsächlichen Revieraustausch in der Warberger Oberburg, wurde zum festlichen Abendempfang in die Erwin-Fromme-Aula eingeladen. Die dort versammelten Regionen standen für 40 Milliarden Euro Strukturstärkungsmittel, die bis 2038 in Transformationsprozesse investiert werden. Mit zahlreichen Gästen wurde zusammengetragen, welche Strategien die einzelnen Reviere verfolgen, um den Strukturwandel zu meistern.
Strukturwandel nicht nur ein Schlagwort
Ein Paradebeispiel lieferte Dr. Klaus Freytag, Lausitz-Beauftragter des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, der über Chancen und Herausforderungen in den bisherigen sechs Jahren Strukturwandel in der Lausitz sprach. Er begeisterte mit bereits Geschaffenem genauso wie mit Visionen und regte zu Aktivismus an. An dem Punkt knüpfte Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Verkehr und Bauen, Grant Hendrik Tonne, an, der Pessimismus und Schwarzmalerei den Kampf ansagte. Strukturwandel sei nicht nur ein Schlagwort, sondern eine Gestaltungschance. Grundvoraussetzung für ein gutes Gelingen sei der Dialog mit den Menschen vor Ort. Ihnen sollte nicht vorgeschrieben werden, wie sie leben sollen, sondern es sollten Vorschläge unterbreitet werden, verdeutlichte der Minister. Es sei wichtig, gezielt in bestimmte Projekte zu investieren – wie etwa Tante Enso in Offleben. Der Minister schloss mit den Worten: „Wir dürfen uns nicht unser schönes Land schlechtquatschen lassen.“ Deshalb dankte Tonne allen Anwesenden für ihren Mut, ihre Ausdauer und ihr tägliches Tun. Lobworte nicht nur für die Akteure in den vier Braunkohlerevieren, sondern insbesondere für die WRH, die den Revieraustausch ersonnen hat und tagtäglich engagiert arbeitet, gab es auch vom unterhaltsamen Moderator Prof. Dr. Lothar Hagebölling, vom Helmstedter Landrat Gerhard Radeck sowie vom „Espresso-Talker“ Dr. Wolf-Michael Schmid mit dem Schlusswort. Am zweiten Tag des Austausches stand das paläon – Forschungsmuseum Schöningen im Mittelpunkt. Zeitgeschichte, Museums- und Ausstellungskonzeptionen waren dabei ebenso in der Diskussion wie künftige Entwicklungen und ein Blick ganz weit zurück in die Geschichte der Ausgrabungsstätte. Im kommenden Jahr wird der Land-kreis Helmstedt erneut Gast-geber des Niedersächsischen Revieraustauschs sein. Der bundesweite Austausch wandert weiter und findet 2027 im Rheinischen Revier statt.
Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit 30 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor 25 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.
