Helmstedt. Eine Sternenkindeltern-Gruppe des Hospizvereins Helmstedt schafft Raum für Austausch, Halt und Verständnis.
„Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.“ Diese Worte des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe berühren Andrea Schmidt bis heute. Sie sind für die Sternenkind-Mutter eine Antwort auf die Frage, wie man mit dem Verlust seines Kindes umgehen kann. Gemeinsam mit Andrea Homuth und Jessica Beckert‑Govaars gehört sie nicht nur zu den Betroffenen, sondern bildet das Gründer‑Trio der Sternenkindeltern‑Gruppe der Hospizarbeit Helmstedt. Als Sternenkinder werden Kinder bezeichnet, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben. Für die Eltern bleibt dieser Verlust meist ein tiefes und schmerzvolles Erlebnis. Vor etwa einem Jahr entstand deshalb das Angebot, bislang offen, nun als geschlossene Gruppe geplant, um den Trauernden einen verlässlichen, geschützten Rahmen zu geben, in dem sie sich öffnen und ihre Geschichte erzählen können. Ein wichtiger Impuls kam von der Grabanlage für Sternenkinder in Emmerstedt: Das Grabfeld ist ein Ort, an dem Schmerz und Trauer einen Platz finden und den Familien ein würdiger Rahmen zum Abschiednehmen geboten wird. Aus dieser Arbeit heraus hat sich das Gruppenangebot entwickelt und will Betroffene noch konkreter begleiten.
Tabuthema in den Fokus rücken
Dr. Joachim Scherrieble, Vorsitzender der Hospizarbeit Helmstedt, betont, wie dankbar er für diese Initiative sei. Sie sei eigenständig aus dem ehrenamtlichen Engagement heraus entstanden. Zugleich zeige sie, dass es am Ende auch Sinn machen könne, aus eigenem Leid anderen Menschen zu helfen. Die Initiatorinnen betonen, wie sehr das Thema in der Gesellschaft noch immer ein Tabu ist und wie vorsichtig viele Frauen mit ihrem Schmerz umgehen. „Es wird häufig belächelt oder nicht ernst genommen“, so die Gründerinnen. In der Folge falle es vielen schwer, sich im Alltag zu öffnen, aus Angst vor Reaktionen. Genau hier setzt die geschlossene Gruppe an: In einem vertrauten Kreis unter Menschen mit ähnlichen Erfahrungen können Teilnehmende reden, weinen, Erinnerungen teilen und praktische Wege im Umgang mit Alltagssituationen finden. Konkrete Alltagssorgen sind oft überraschend banal, aber emotional belastend: „Was mache ich, wenn an der Kasse im Supermarkt plötzlich einen Maxi Cosi sehe? Wie soll ich damit umgehen?“, beschreibt Jessica Beckert‑Govaars eine typische Situation. Solche Fragen und Momente werden in der Gruppe nicht ausgespart. Im Gegenteil: Sie werden in die Mitte genommen, besprochen und gemeinsam nach Wegen gesucht, mit ihnen umzugehen. Die Gruppe startet am 8. September 2026 und umfasst zehn feste Termine, jeweils am zweiten Dienstag im Monat für anderthalb Stunden. Gemeinschaftliche Aktivitäten sind geplant. Die Teilnahme ist kostenfrei und konfessionsübergreifend offen. Eine Anmeldung ist bis Sonntag, 6. September 2026, über das Büro der Hospizarbeit Helmstedt möglich, spontane Gäste sind jedoch willkommen. Zusätzlich bieten die Leitungspersonen Einzelgespräche an, die auch innerhalb des Rahmens der geschlossenen Gruppe stattfinden können. Wichtig sei zudem, dass sich das Angebot nicht nur an Eltern richte, sondern ausdrücklich auch an Angehörige. Gerade Geschwister, Großeltern oder andere nahestehende Menschen seien ebenfalls von dem Verlust betroffen und willkommen. Ziel der Initiative ist nicht nur Trauerbegleitung, sondern auch der Abbau von Isolation: Wer hierher kommt, findet Menschen, die nachvollziehen können, was es heißt, ein Sternenkind zu verlieren, und die praktische Hilfe und Verständnis bieten. Ohne Mitleid allein, sondern mit echtem Austausch.
Die 1998 in Wolfsburg geborene Shirin-Sophie Porsiel, aktuelle Redakteurin des HELMSTEDTER SONNTAG, mag schnelle, laute Musik auf der einen und entspanntes Wandern in der ruhigen Natur auf der anderen Seite. Ein Widerspruch? Keinesfalls. So sorgt sie für Ausgeglichenheit in ihrer Freizeit. Sie ist offen für einen bunten Strauß an Themen, was sie für die schreibende Zunft geradezu prädestiniert.
