“Abgehakt” ist der 1. Mai als öffentlicher Feiertag in diesem Jahr: Maibäume werden von den Organisatoren entweder gar nicht oder nur im engsten Helferkreis aufgestellt, das darum herum Tanzen entällt sowieso, es gibt keine Kundgebungen zum Tag der Arbeit und auch an Kaffee und Kuchen im Ausflugslokal ist nicht zu denken. Für den Himmelfahrtstag am 21. Mai 2020 allerdings könnte sich dies ändern.

So strebt Niedersachsen offenbar zusammen mit den Bundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen eine Öffnung von Hotellerie und Gastronomie nach dem 4. Mai an.

In einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums heißt es, dass sWirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann mit seinen Ministerkollegen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen vereinbart habe, bis zur Besprechung der Regierungschefs von Bund und Ländern am 30. April 2020 ein gemeinsames Konzept für eine weitere und gestufte Öffnung des Einzelhandels sowie von Gastronomie und Hotellerie auszuarbeiten. Bei der heute Nachmittag stattfindenden Sonder-Wirtschaftsministerkonferenz im Rahmen einer Telefonkonferenz wollen die Minister  außerdem über mögliche Lockerungen mit ihren Ressortkollegen sprechen und um Unterstützung für ihre Initiative werben.

“Tourismus, Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie haben in Niedersachsen eine besondere Bedeutung”

„In unseren Bundesländern haben Tourismus, Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie eine besondere Bedeutung. Angesichts der Vielzahl attraktiver Ausflugziele und Erholungsgebiete und wegen der hohen Qualität der Angebote prägen Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie unser Wirtschaftsgefüge nachhaltig. Es muss uns gelingen, diese einzigartigen Strukturen zu erhalten. Die Unternehmen der Tourismuswirtschaft, insbesondere der Hotellerie und Gastronomie und ihre Beschäftigten sind mittlerweile durch den nahezu vollständigen Ausfall ihrer Wirtschaftstätigkeit stark belastet, der Bestand zahlreicher Betriebe und der damit verbundenen Arbeitsplätze ist gefährdet. Deshalb benötigen wir jetzt schnell, eine wohlüberlegte, differenzierte und zwischen unseren Bundesländern abgestimmten Vorgehensweise, zumal der Öffentlichkeit in Hotellerie und Gastronomie eine uneinheitliche Strategie kaum vermittelbar ist”, erklärten Althusmann, die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut und Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart am heutigen Mittwoch (22. April). Ihre Ministerien erarbeiten derzeit ein Konzept, das unter Einhaltung strenger Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen weitere Öffnungsschritte nach dem 4. Mai ermöglichen sollen. Ziel ist es, das Papier bis zur Ministerpräsidenten-Konferenz am 30. April vorzulegen.

Fahrplan ist notwendig

Wirtschaftsminister Althusmann kommeniert: „Tourismus und Gastronomie brauchen einen Fahrplan. Der Shutdown wurde von den Branchen ohne Wenn und Aber akzeptiert, trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen – um der Gesundheit willen. Deshalb sind wir es ihnen nun schuldig, schnellstmöglich ein gestuftes Wiederanfahren zuzulassen, selbstverständlich unter konsequenter Berücksichtigung der Regeln des Gesundheitsschutzes.”

Und Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut ergänzt: „Die Hotel- und Gaststättenbranche steht vor einer gewaltigen Insolvenzwelle. Das dürfen wir nicht zulassen. Deshalb ist es unser gemeinsames Ziel, den Betrieben und ihren Kunden klare Orientierungshilfen an die Hand geben. Denn Gesundheitsschutz und differenzierte Öffnungsstrategien sind aus unserer Sicht möglich und dringend notwendig, um diese Branchen eine Zukunftsperspektive zu geben.”

NRW-Wirtschafts- und Digitalminister Professor Dr. Andreas Pinkwart schließlich meint: „Auf dem Weg in eine verantwortungsvolle Normalität brauchen auch die Unternehmerinnen und Unternehmer im Bereich Gastronomie und Hotellerie eine Perspektive. Dazu erarbeiten wir nun gemeinsam ein Konzept, wie wir Schritt für Schritt wieder mehr ermöglichen. Dabei gilt es eine kluge Balance zu halten: Wir wollen die Gesundheit schützen und die Spielräume für eine vorsichtige Öffnung nutzen, damit auch der Tourismussektor an der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung nach der Krise teilhaben kann.”

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Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit über 25 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor über 20 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.