von Katja Weber-Diedrich

Der Beschluss des EU-Parlaments besteht, aber wird er denn nun auch umgesetzt? In der vergangenen Nacht wurden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt, es herrscht wieder „Normalzeit“ in Europa. Zum Jahresende 2021 sollte dies (eigentlich) ein Ende haben. Aber ist das wirklich so, dass ab 2022 keine Uhren mehr zurück- oder vorgestellt werden müssen in Europa? Im März 2019 hat der Verkehrsausschuss des EU-Parlaments beschlossen, die Zeitumstellung 2021 abzuschaffen. Vorausgegangen war dem Beschluss eine europaweite Umfrage, bei der sich 2018 deutliche 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer für eine Abschaffung der Umstellerei ausgesprochen hatten. Allerdings ist man sich nicht mal in Deutschland einig, ob nach der Abschaffung der Umstellung die Sommer- oder die Normalzeit beibehalten werden soll. Verbände wie zum Beispiel der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) plädieren dafür, die Sommerzeit dauerhaft beizubehalten, obwohl die Winterzeit eigentlich als die „normale“ Zeit hierzulande gilt. Das EU-Parlament stellt es ihren Mitgliedsstaaten frei, selbst zu entscheiden, welche Zeit sie bevorzugen, ob sie künftig dauerhaft in der Winter- oder der Sommerzeit leben möchten. Und da liegt auch der Hase im Pfeffer: Die Staaten in der Kernzone, der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ)-Zone, von Spanien im Westen bis Polen im Osten können sich nicht einigen. Weil die Sonne bekanntlich im Osten aufgeht, würden die östlicher gelegenen Staaten die Sommerzeit befürworten (um nicht morgens um 3 Uhr von Sonnenstrahlen geweckt zu werden), während westlicher gelegene die Normalzeit priorisieren. Bei dauerhafter Winterzeit würde es im Osten arg früh dunkel werden, während bei anwährender Sommerzeit im Westen im Winter die Sonne erst sehr spät aufgehen würde. Klar, dass da die Vorlieben unterschiedlich gelagert sind. Ist eine Einheitlichkeit aber nicht vorhanden, würde es nicht nur einen „Flickenteppich“ aus verschiedenen Zeitzonen, sondern auch Probleme im europäischen Binnenmarkt geben. Allerdings gibt es bekanntermaßen schon jetzt unterschiedliche Zeitzonen in Europa. Nicht umsonst bezieht sich die gerade abgelaufene Sommerzeit lediglich auf die Mitte Europas. Die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) gilt vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober eines Jahres – und eben nur von Spanien im Westen bis nach Polen im Osten…Wiederum gibt es in Island (bereits seit 1968), in Belarus, Russland und in der Türkei schon keine Zeitumstellung mehr. In Deutschland tut man sich hingegen einmal wieder schwer. Wie der Nordkurier gerade berichtete, habe er auf Nachfrage von einer Bundestagssprecherin erfahren, dass die Corona-Krise und die Bundestags-Neuwahl das Thema „zurück auf Anfang“ gesetzt habe. Wenn jemand die Abschaffung der Zeitumstellung vorantreiben wolle, müsse im neuen Parlament ganz von vorne begonnen werden…

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Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit über 25 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor über 20 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.