Der erste Gang am Morgen führt viele Menschen direkt zur Kaffeemaschine. Ohne das Getränk können sie den Tag nicht starten. 

Es ist allgemein bekannt, dass Koffein die Lebensgeister weckt. Aber kann es auch sein, dass man zu viel Kaffee zu sich nimmt und die Wirkung sich dann in das Gegenteil umkehrt? Ist es wirklich so, dass zu viel Koffein müde macht? 

Der Clou des Ganzen ist, dass das Gehirn die Menschen bereits vor dem ersten Genuss darauf vorbereitet: Schon bei der Zubereitung melden Neuronen dem Gehirn, dass man wach ist. Obendrein wird Adenosin produziert. 

Die Höhe dieses Botenstoffs, der entsteht, wenn der Mensch sich überanstrengt, bestimmt den „Müdigkeitsgrad“.

Denn Adenosin sorgt nicht etwa dafür, dass der Mensch wach wird, sondern es bewirkt das Gegenteil: Wessen Körper zu viel Adenosin ausschüttet, der wird müde. Es handelt sich also um einen Gegenspieler zum Koffein, es wirkt schlaffördernd. 

Adenosin setzt sich an Rezeptoren fest und signalisiert dem Nervensystem Ruhe. Gleichzeitig wird der Blutdruck gesenkt.

Koffein wirkt genau entgegengesetzt. Bei hohem Koffeinkonsum wird immer mehr Adenosin produziert und das Koffein verliert  seine aufputschende Wirkung.

Koffein war bis 2004 ein Doping-Mittel

Dabei ist natürlich unumstritten, dass das Koffein im Kaffee leistungsfähiger macht. Schließlich stand es nicht ohne Grund bis 2004 auf der Liste verbotener Substanzen der Welt-Anti-Doping-Agentur. Dass der Kaffee beziehungsweise das Koffein trotzdem nicht wirken, kann aber eine ganz einfache Erklkärung haben: Es fehlt Schlaf. 

Bei einer Studie fanden Forscher des Walter Reed Army Institute of Research 2016 heraus, dass bereits drei Nächte mit weniger als fünf Stunden Schlaf die leis-tungssteigernde Wirkung von Kaffee zunichte machen. 

Dehydrierung und Dauerstress vermeiden

Eine viel diskutierte Frage ist auch die, ob Kaffee den Körper dehydriert. Immer wieder gibt es neue Studien, die konträre Ergebnisse liefern. Dass Kaffee eine harntreibende Wirkung hat, ist hingegen unbestritten. Da ist es egal, ob Kaffee dem Körper Wasser entzieht oder nicht: Koffein kann seine aufputschende Wirkung nur dann entfalten, wenn man nicht schon dehydriert ist. 

Das Stresshormon Kortisol kann ein weiterer Grund sein, warum Kaffee statt wach müde macht. Zwar führt ein erhöhter Kortisolspiegel (er kann durch Koffein erhöht werden) dazu, dass Angst- und Stressgefühle steigen und der Körper in Alarmbereitschaft sich nicht erlaubt, müde zu werden. Allerdings kehrt Dauerstress das Gefühl später am Tag rasch um und Körper wie Geist werden erschöpft und müde.

Milch und Zucker können Nebenwirkungen haben

Auch „Beigaben“ können im Übrigen dazu beitragen, dass der Kaffee nicht wach macht. Wer beispielsweise Süßungsmittel hinzu gibt, bei dem können diese einen Zuckerabsturz verursachen, der zu Müdigkeit führt, sodass der Koffeinkick wirkungslos bleibt. Und auch wenn die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, so kann theoretisch auch die Beigabe von Milch für Schläfrigkeit sorgen. Schließlich ist ein altes Hausrezept, zum besseren Einschlafen Milch mit Honig zu trinken, da Tryptophan zur Müdigkeit beitragen kann. 

Allerdings enthält Milch davon nur einen sehr kleinen Teil, weshalb ein kleiner Schluck im Kaffee nichts ausmachen sollte. 

Wer testen möchte, ob er womöglich wegen der Milch im Kaffee schläfrig statt wach wird, kann auf Alternativprodukte wie Mandelmilch umschwenken, um den Effekt zu erforschen. 

Fazit: Vier Tassen am Tag sind das richtige Maß

Am besten ist es aber darauf zu achten, neben dem Kaffee genügend andere Flüssigkeit aufzunehmen. Kaffee sowie Zusatzgetränke sollten dabei zuckerfrei sein, um den Blutzuckerspiegel nicht in die Höhe zu treiben.

Außerdem geht man im Allgemeinen davon aus, dass eine Tagesdosis von 400 Milligramm Koffein nicht schädlich ist – das entspricht etwa vier Tassen Kaffee. Ab 1.000 Milligramm können erste Vergiftungserscheinungen auftreten. Dazu gehören Hör-, Seh- und Herzrhythmusstörungen, Herzrasen und Krämpfe.

Übrigens: Nach dem Konsum von Koffein kann die Wirkung bereits nach 15 Minuten eintreten, erreicht aber in der Regel nach etwa einer Stunde den Höhepunkt. Etwa sechs Stunden nach dem ersten Konsum ist noch die Hälfte des Koffeins im Körper und erst nach zehn Stunden ist es verschwunden.

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Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit über 25 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor über 20 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.