//Lesung von Sally Perel: „War Gott auch in Auschwitz?“

Lesung von Sally Perel: „War Gott auch in Auschwitz?“

Helmstedt. Der israelische Autor Sally Perel war auf Lese-Tour im Landkreis Helmstedt unterwegs und erzählte im Roxy-Kino, wie er als Hitlerjunge die NS-Diktatur überlebte. (Korrigierte Fassung)
Lange nachdem der Schrecken vorbei war, besuchte Sally Perel die Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Dort, wo die Nazis mindestens 1,1 Millionen Menschen – hauptsächlich jüdischen Glaubens – systematisch ermordeten, schritt der israelische Autor durch die „von Gott verlassenen“ Baracken, die Krematorien und die Gaskammern. „In einem Raum waren tausende Kinderschuhe aufgetürmt. Bei dem Anblick habe ich mir geschworen, so lange mich meine Schuhe tragen, alles dafür zu tun, um die Jugendlichen von heute gegen jegliches braunes Gift der Welt zu impfen. Das Geschehene darf nicht als Lüge benannt werden – das sind wir den Millionen Opfern schuldig.“
Seitdem ist er regelmäßig in Deutschland unterwegs, um seine Geschichte zu erzählen. So auch vergangene Woche, als Perel vor 130 Schülern der Berufsbildenden Schulen Helmstedt und des Helmstedter Gymnasiums Julianum im Roxy-Kino Helmstedt über sein Leben sprach und vor allem darüber, wie er zum „Hitlerjungen Salomon“ wurde.

“Ich führe immer noch ein Doppelleben – bin Täter und Opfer, Nazi und Jude zugleich”

Rund 40 Jahre hat Sally Perel gebraucht, um mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Um Frieden zu schließen, mit seinem Doppelleben, welches er seit seiner Jugend führte. „Ich war Täter und Opfer, Jude und Nazi zugleich“, sagte Perel über seine zwei Identitäten, die er weit über die Zeit der NS-Diktatur in sich trug.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Perel als Jugendlicher von seiner Familie getrennt und von der Wehrmacht gefangen genommen. Nur, indem er sich als Deutscher ausgab und während der kommenden Jahre als Josef Perel seine jüdische Identität verbarg, gelang es ihm den Nationalsozialismus zu überleben. Bis kurz vor Kriegsende besuchte er die Akademie für Jugendführung der Hitlerjugend in Braunschweig. Seine Erlebnisse verewigte er in der Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“, die 1990 zudem verfilmt wurde.

Perel sprach vor 130 Schülern der BBS Helmstedt und des Gymnasiums Julianum über seine Vergangenheit

Während seiner Lesung im Roxy-Kino berichtete der 94-jährige Zeitzeuge über seinen unbeugsamen Kampf ums Überleben, seine Liebe zu seiner Mutter, die ihn mit den Worten „Du sollst leben“ verabschiedete, sowie vor allem über den inneren Konflikt, die Liebe, die er trotz allem zu seinem „Hitler-Ego“ aufbaute. Wie schnell selbst er als Jude die Ideologien der Nazis, die Menschenhass wie „Gift injizierten“, aufsaugte, soll den Schülern als Mahnung dienen.
„Geschichte ist dazu da, aus ihr zu lernen. Lasst nicht zu, dass sich so etwas wiederholen kann.“

 

Mehr Informationen unter: Sally_Perel und “Hitlerjunge Salomon”.