Im Monatsthema Januar 2021 geht es darum, was Menschen dazu bewegt, sich ehrenamtlich zu engagieren und was hinter den Kulissen des Ehrenamts vor sich geht.

Teil I: Ob erfüllender Lebensinhalt, Freizeitbeschäftigung oder eine Stufe auf der Karriereleiter – freiwilliges Engagement hat viele Gesichter

(erschienen am 3. Januar 2021)

Ehrenamt, das heißt, sich freiwillig zu engagieren, gab es bereits in der Antike. Nichtsdestotrotz hat der Begriff im Laufe der Jahrtausende, vor allem aber in den vergangenen 100 Jahren, einen erheblichen Wandel durchgemacht. War es ursprünglich vor allem ein Engagement in öffentlichen Positionen, legitimiert durch eine Wahl, vermischt sich die Wortbedeutung heute mit bürgerschaftlichem Engagement oder Freiwilligentätigkeit allgemein. Europaweit sind es 100 Millionen Freiwillige, die sich ehrenamtlich engagieren, rund jeder dritte Deutsche hat ein Ehrenamt inne. Was bewegt Menschen dazu, sich freiwillig zu engagieren und zum Teil wichtige, eigentlich staatliche Aufgaben zu übernehmen. Wie sieht der „Dank“ für diese Arbeit aus? Was passiert hinter den Kulissen und welche Rolle spielt die Politik? Diesen Fragen und noch einigen mehr widmet sich das Monatsthema „Ehrenamt“ in den Januar-Ausgaben des HELMSTEDTER SONNTAG.

Freiwilliges Engagement ist das Salz in der Suppe

Ob es ohne Ehrenamt geht oder nicht, lässt sich zumindest für Deutschland schwer beantworten. Zu lange existiert eine traditionell hohe ehrenamtliche Betätigung der Bevölkerung, um diese nur ansatzweise wegzudenken. Selbst angefangen bei den Aufgaben, die in den klassischen Bereich von Ehrenämtern fallen, ist die Liste lang: Feuerwehr, Katastrophenschutz, Politik, Vereinsvorstände und mehr zählen zu diesem Bereich. Wird die heute geläufige Begriffsbedeutung in der Umgangssprache heran gezogen, so wird die Liste praktisch endlos. Sie umfasst jeden, der in irgendeiner Form, meist unentgeltlich, etwas für das im weitesten Sinne Gemeinwohl tut. In den Dankesreden findet genau dieses Engagement dafür gerne – und zu Recht – lobende Erwähnung. Ehrenamt sei wichtig, sei gar unverzichtbar. Weniger überschwenglich formuliert heißt es dann wieder: Es sei das Salz in der Suppe. Das trifft es vermutlich am besten. Wenn viele Bereiche des Ehrenamtes Aufgaben übernehmen, die zu großen Teilen auch hauptamtliche Pendants haben – ein prominentes Beispiel ist die Berufsfeuerwehr – so sind es doch die vielen darüber hinaus gehenden Bereiche, die der Gesellschaft Leben einhauchen.

Ohne Haupt- kein Ehrenamt?

Nun wird häufig unterstellt, dass der Staat versuchen würde, sich in einigen Bereichen „aus der Verantwortung“ zu ziehen und mehr und mehr Aufgaben aufgrund der leeren Kassen den ehrenamtlich Tätigen überlasse. Laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia liege es nahe, „zu vermuten, dass unbezahlte Arbeit einige der nicht mehr vom Staat bezahlten Aufgaben übernehmen soll, die in den vergangenen Jahrzehnten in den Bereich staatlicher Fürsorge fielen.“ Allerdings stelle sich im genannten Falle eher das Gegenteil ein. Ziehe ein Staat sich aus seiner sozialen Verantwortung zurück, sinke auch die Bereitschaft sich ehrenamtlich zu betätigen. Insofern bleibt eine Folgerung auf die Formulierung „ohne Ehrenamt geht es nicht“ schließlich: „Ohne Haupt- auch kein Ehrenamt“. Doch das deckt am Ende nicht alle Bereiche ab. Vor allem im Freizeitbereich, wie zum Beispiel bei Sportvereinen, ist, wenn es sich um kleinere Vereine handelt, an Hauptamtlichkeit kein Gedanke zu verschwenden. Die geleistete Arbeit wird aus der Notwendigkeit heraus getan, einerseits aus jeweils eigenem Interesse, andererseits für die Gemeinschaft.

Werden die Hürden höher?

Während auf der einen Seite immer mehr und neue Möglichkeiten entstehen sich einzubringen, wird es für das Ehrenamt insgesamt nicht leichter. Vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben sich für Vereine, Institutionen, aber auch für Privatpersonen in den vergangenen Jahren drastisch geändert. Vereinsvorstände sprechen von „Stöcken, die man zwischen die Beine geworfen bekommt“ und die Schwierigkeiten, die nicht wenige Vereine haben, um ihren Vorstand zu vervollständigen, scheinen den Beweis dazu zu erbringen. Die Aufgabenlast hat unstrittig zugenommen. Von einem Kassenwart eines kleinstädtischen Sportvereins wird im Prinzip die gleiche kaufmännische Buchführung erwartet wie vom Inhaber eines großen Gewerbebetriebes. Etwas, das der Staat selbst wiederum seit Jahren nicht umzusetzen vermag – oder zumindest nicht überall. Auch zur steten Anpassung der Vereinssatzung ist häufig juristischer Beistand vonnöten. Nicht nur ein Zeit-, sondern auch Kos­tenfaktor. Die Politik ihrerseits hat sich besonders im Jahr 2020 das Ziel gesetzt, es dem Ehrenamt leichter zu machen. Erste Austausche fanden statt und in 2021 soll intensiv gearbeitet werden.

 


Teil II: Einige der Stöcke und Steine, die dem freiwilligen Engagement häufig im Wege liegen

(erschienen am 10. Januar 2021)

Mit dem Thema Ehrenamt befasst sich das Monatsthema des HELMSTEDTER SONNTAG im Januar. Der Fokus an diesem Sonntag liegt auf den Steinen, die für freiwilliges Engagement nicht selten im Weg liegen. So sehr ehrenamtlicher Einsatz in allen Bereichen nämlich auch willkommen ist, so hat jeder Bereich auch Fallstricke und Hürden, die es zu nehmen gilt – manchmal verständlich, manchmal schlicht frustrierend.

Beruf und Ehrenamt: eine Zwickmühle?

Es gibt Berufe, wie auch Ehrenämter, die gut miteinander funktionieren, sich zum Teil sogar befruchten. Es gibt aber auch solche, die sich nahezu ausschließen.  Insofern wird ein freiwilliges Engagement schon im Bezug auf eine Stellenausschreibung, viel mehr noch aber auf der Seite der Bewerber zur entscheidenden Frage: angeben oder aber nicht? Dabei kommt es in erster Linie auf die Art des Engagements an und die damit einhergehenden Zeiten, die die Ausübung dessen benötigt. Jemand, der als Schriftführer für seinen Verein tätig ist, wird selbst in einem größeren Sportverein meist weniger Zeit investieren müssen, als ein Aktiver der freiwilligen Feuerwehren. Auch funktioniert es eher schlecht für eben jenen Feuerwehr-Aktiven im Einsatzfalle schnellstmöglich ein wichtiges Kundengespräch in der Firma zu verlassen, während auf der anderen Seite gerade Kommunen und deren Eigenbetriebe wie die Betriebshöfe, sich über entsprechende Einsatzkräfte in ihren Reihen freuen – natürlich auch vor dem Hintergrund, dass die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft einer Feuerwehr auch zu den Aufgaben einer Kommune gehört.

Die Bürokratie: der Feind des Ehrenamtes?

Etwas, mit dem das Ehrenamt, zunehmend zu kämpfen hat, ist das Thema Bürokratie. War es vor gut zwei Jahrzehnten für einen Verein fast noch damit getan, eine ordentliche Mitgliederliste zu führen, die Vereinssatzung auf dem Stand der Rechtslage zu halten und natürlich die Buchhaltung des Vereins ordnungsgemäß zu führen, kommen heute viele neue Fragen auf. Rechtssicherheit, vor allem bezogen auf sämtliche Online-Aktivitäten, selbst wenn die Vereinswebseite nur eine Art Visitenkarte darstellt, SEPA-Mandate und vieles mehr.
Soll eine größere Veranstaltung geplant werden, zum Beispiel ein Stadtfest oder ein Weihnachtsmarkt, wie es die Werbegemeinschaften der Städte tun, ist es nicht damit getan, die Aussteller einzuladen, einen Lageplan zu erstellen und Standgelder zu kassieren.
Im Vorfeld einer solchen Veranstaltung steht zunächst immer eine Grobplanung, bei der neben dem Termin auch die Termine anderer Veranstalter im Auge behalten werden müssen. Dann folgt der bürokratische Part: Anmeldung der Veranstaltung. Ab einer gewissen Größe fällt die Zuständigkeit dafür neben der der Kommune auch auf den Landkreis. Dann heißt es: Führungszeugnis für den Vorsitzenden, Unbedenklichkeitsbescheinigungen vom Finanzamt für Verein und Vorsitzenden, Lageplan, Ausstellerliste zusammen mit eventuellen (Reise-)Gewerbekarten der Aussteller und dem Veranstaltungskonzept einzureichen. Wird Musik gespielt, ist eine Gema-Anmeldung fällig und noch einiges an „Papierkram“ mehr steht an.
Das alles ist aber nur der Anfang. In Summe fällt für eine solche Veranstaltungsorganisation gut und gerne eine bis zwei Vollzeitwochen an – und zwar für mehrere Beteiligte. Ein großer Aufwand, angesichts dessen, dass dies ehrenamtlich geschieht.
Die Politik ihrerseits verspricht zurzeit Vereinfachungen – ob sie kommen und wie sie aussehen könnten, scheint aber noch niemand zu wissen.

Possen des Alltags

Wie im Alltag jedes „normalen“ Bürgers auch, kommt es natürlich auch bei all jenen, die sich freiwillig engagieren aufgrund von Gesetzen oder Regeln hin und wieder zu ungewöhnlichen Situationen, die für Kopfschütteln sorgen. So wurde bei „Extra3“, einer Sendung, die auf satirische Art und Weise auf ebensolche Kuriositäten des Alltags aufmerksam macht, ein Bürger porträtiert, der Straßenschilder säuberte, im Gegenzug dafür aber Probleme mit der Verwaltung bekam. Es sei nicht seine Aufgabe, er gefährde sich und die Teilnehmer am Straßenverkehr und andere Dinge wurden vorgeworfen. Die gut gemeinte Tat verpuffte somit in einer Wolke aus Ärger.

Ist Undank der Welten Lohn?

Das Vorgenannte klingt in großen Teilen sehr negativ. Wenn es schon kein Geld für die geleistete Arbeit gibt, es stets immer schwieriger zu werden scheint, und selbst der Staat seine finanziellen Aufwendungen in diesem Bereich reduziert, was treibt Menschen dann an, dennoch einem Ehrenamt nachzugehen?

 


Teil III: Was treibt 100 Millionen Menschen in Europa dazu an, sich zu engagieren? Welche Motivation steckt hinter freiwilligen Helfern? Und wird das alles auch gewürdigt?

(erschienen am 17. Januar 2021)

Rund 100 Millionen Menschen in Europa engagieren sich freiwillig. In Deutschland über den Daumen gerundet jeder Dritte. Doch der Blick auf blanke Zahlen spiegelt häufig nicht die Situation in ausreichendem Maße wider. So ist es, gerade im ländlichen Raum, eher die Regel statt der Ausnahme, dass sich auf eine Person gleich mehrere Ehrenämter vereinen. Daraus resultiert schnell die Frage: Wenn es doch ein zusätzlicher Aufwand ist, immerhin wird von ehrenamtlicher Arbeit gesprochen, wieso übernimmt dann eine Person nicht nur ein, sondern oft zwei oder mehr solcher Ehrenämter?

Welche Motivation steckt hinter freiwilligem Engagement?

Studien zufolge gibt es fünf grundlegende Gründe, sich in einem Ehrenamt zu betätigen. Allen übergeordnet steht die Übernahme von sozialer Verantwortung im Sinne humanistischem oder wohltätigem Handelns, nach dem Schema „Ich kann etwas bewegen.“ Darunter ordnet sich als erstes die Selbsterfahrung ein. Ein persönliches „Weiterkommen“ in Form einer Lernerfahrung oder aber auch schlichter ­Lebenspraxis. Das können vergleichsweise banale Dinge sein, aber auch durchaus starke Aspekte wie das Erlernen von Teamfähigkeiten oder sogar Führungsqualitäten.
Ein weiterer Aspekt, der zu nennen ist, ist die soziale Bindung. In der Mehrheit aller ehrenamtlichen Tätigkeiten handelt es sich um solche, die einen gewissen Einfluss auf das soziale Miteinander haben. Zum Beispiel in einem Verein oder aber auch in größerem Umfang für die Kommune, beispielsweise bei einem lokalpolitischen Mandat. Die Interaktion, das Netzwerken, das daraus resultieren kann, führt zusammen mit dem ersten Punkt zum nächsten Aspekt, der Karriereleiter. Ähnlich wie bei Praktika wird ehrenamtlich geleistete Arbeit, so sie denn dem eigenen Beruf nahe liegt, ihn inhaltlich ergänzt oder zumindest Fähigkeiten erwarten lässt, die sich positiv auf die im Beruf zu verrichtenden Arbeiten auswirken können, als Beitrag zur persönlichen Karriereleiter betrachtet. Dabei kann, wie beschrieben, auch ein aus dem freiwilligen Engagement heraus entstandenes Netzwerk von Vorteil sein. Ein vierter Aspekt ist, abseits von den drei bisher genannten, die Steigerung des Selbstwertgefühls, die damit erreicht werden kann. Auf die wesentliche Aussage „Ich tue etwas, um mich sinnvoll zu fühlen“ reduziert, bis hin zu einer Überschneidung mit dem fünften Aspekt, der so genannten „Schutzfunktion“ ist die Bandbreite groß. Die „Schutzfunktion“ wiederum betrifft die Möglichkeit zum Abbau von Schuldgefühlen oder eigenen Problemen nach dem Kernschema „Ich will der Welt etwas zurück geben“. Sie kann aber auch eine Auswegfunktion einnehmen, indem das ehrenamtliche Engagement von den eigenen Problemen ablenkt. Die Studien decken sich auch mit den in Umfragen am häufigsten genannten Motiven für freiwilliges Engagement, wobei der ausschlaggebende Anlass nach Altersgruppe und sozialer Schicht stark variiert.

Ehrenamt mit Ausgleichsfunktion

Egal, welche konkrete Motivation hinter der Ausübung eines Ehrenamtes besteht, gemein ist allen, dass analog zur Wahl eines „Hobbys“ beziehungsweise einer anderen Freizeitbeschäftigung in aller Regel ein Ausgleich zum Beruf gesucht wird.
Wer zum Beispiel einen Job hat, in dem überwiegend körperliche Arbeit geleistet wird, wird nicht selten einen „ruhigeren“ Ausgleich in seinem Ehrenamt anstreben, wenngleich auf einzelne Aufgaben bezogen, auch der berufliche Hintergrund eine Rolle spielen mag. Ebenso ist eine deutliche Tendenz erkennbar, die zeigt, dass Menschen ein Ehrenamt wählen, das soziale Kontakte fördert, wenn der Beruf überwiegend Einzelarbeiten erfordert. Umgekehrt ist das allerdings nicht zwingend der Fall. Ein bereits angedeuteter Sonderfall, der weniger Ausgleich und mehr als Nutzen vorhandener Fähigkeiten einzustufen ist, ist projektbezogenes Engagement. Letzteres nimmt in der Bandbreite ehrenamtlichen Arbeitens einen zunehmend größer werdenden Stellenwert ein. Gemeint ist damit das freiwillige Engagement für ein spezielles Projekt, das zeitlich überschaubar ist und sich auf eine einzelne, klar abgegrenzte Tätigkeit bezieht. Beispiele dafür sind unter anderem eine Aufräumaktion in einem Ort, das Anstreichen oder Herrichten einer Waldhütte und ähnliche Dinge, die keine feste Bindung zu einer sozialen Gruppierung wie einem Verein voraussetzen und nicht selten einmalig sind. So positiv diese konkrete Form von Engagement generell zu werten ist, so wird die Tendenz, dass in den vergangenen Jahrzehnten vor allem junge Menschen dazu neigen, sich auf diese Weise einzubringen, als potenzielle Gefahr für Organisationsstrukturen für Vereine gewertet, die auf dauerhafte Bindung ausgelegt sind.

Wie das Ehrenamt gefördert wird

Während zwar jedes freiwillige Engagement durch die genannten persönlichen Motivatoren eine Belohnung erfahren kann, gibt es auf der anderen Seite für ausgewählte Ehrenämter auch staatliche Förderung. Diese soll, so die aktuelle Diskussion zum Beispiel in Niedersachsen, nach Möglichkeit ausgeweitet werden, um das Ehrenamt in seiner Attraktivität zu steigern. Zu den Förderungen gehören zum Beispiel staatliche Aufwandsentschädigungen, die zumindest in Grenzen steuerfrei sind. Davon betroffen sind nicht nur Sitzungsgelder aus lokalpolitischen Gremien, sondern auch Übungsleiterpauschalen und ähnliches. Einige spezielle Ehrenämter, die in besonderem Maße der Allgemeinheit dienen, genießen zudem einen gesetzlich verankerten Unfallversicherungsschutz. Dazu gehören nicht nur die ehrenamtlich Tätigen in Rettungsdiensten, sondern auch solche in öffentlichen Religionsgemeinschaften oder Bildungseinrichtungen. Generell genießen viele Tätigkeiten diesen Schutz nicht, es sei denn, sie sind aus Vereinen oder Verbänden heraus für öffentlich-rechtliche Projekte tätig, wie zum Beispiel ein Bürgerverein, der bei der Umgestaltung eines kommunalen Spielplatzes mitwirkt. Eine Freistellung von der Arbeit mit anschließendem Verdienstausfall kommt indes nur den wenigsten Ehrenämtern, vor allem aber denen im Rettungsdienst beziehungsweise der freiwilligen Feuerwehr oder in kommunalpolitischen Ämtern, zugute.

Würdigungen der ehrenamtlichen Arbeit

Bereits in der Schule gibt es Auszeichnungen für über das Normalmaß hinaus geleistete Arbeiten. Sei es die Ausübung des Amtes als Klassensprecher, die Leitung einer Arbeitsgemeinschaft, die Übernahme von Tätigkeiten in der Schulbibliothek oder ähnlich gelagertes Engagement: In aller Regel finden diese Leistungen eine entsprechende Würdigung in den Zeugnissen oder gar in Form von weiteren Auszeichnungen.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Würdigungen, die zusätzlich eine Art Belohnung beinhalten. Diese wären zum Beispiel die Ehrenamtscard oder die Jugendleitercard.
Letztere bringt nicht nur Anerkennung und Vergünstigungen mit sich, sondern dient sogar als Qualifikationsnachweis und somit Legitimation gegenüber Behörden.
Schlussendlich, wenn auch nicht direkt an das Ehrenamt gekoppelt, ist die wohl höchste Ehrung im deutschsprachigen Raum die Aufnahme in den Bundesverdienstorden, durch Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Wenn auch nicht allen, aber einer Mehrzahl der Ordensmitglieder haben sich in ihrem Leben durch vielfältiges gemeinnütziges Engagement ausgezeichnet.

 


Teil IV: Wie vielfältig freiwilliges Engagement sein kann, aufgezeigt an einigen Beispielen aus dem Landkreis Helmstedt

(erschienen am 24. Januar 2021)

Ehrenamt ist das Salz in der Suppe, die sich Gesellschaft nennt. Freiwilliges Engagement bereichert nicht nur das Leben, sondern setzt häufig in Bereichen ein, die durch ein Hauptamt nicht besetzt werden, auch wenn das vielleicht manchmal nötig erscheinen kann. Dazu gilt es nicht selten Hürden zu überwinden, die scheinbar in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen sind. Doch das Ehrenamt bleibt stark. Getrieben vor allem von ganz persönlichen, individuellen Motiven. Dieses Mal liegt der Schwerpunkt auf den Akteuren selbst. Exemplarisch wurde aus den zahlreichen Einsendungen eine Auswahl getroffen. Der Dank der Gesellschaft gilt indes natürlich allen Ehrenamtlichen gleichermaßen.

Mit kleinen Dingen den Alltag für alle besser gestalten

„Ist es eine Ehre oder nimmt man ein Amt wahr, wenn man sich für die Bevölkerung im Alltag einsetzt?“, fragt Peter Gläser aus Rottorf am Klei und schildert sein Verständnis von ehrenamtlichen Engagement.
Kleine Arbeiten im Ort, die der Allgemeinheit dienen, wie das Befreien des Spielplatzes von Rottorf oder das Zurückschneiden von wildem Bewuchs an der Beschilderung beim Ortsausgang in Richtung Querenhorst, seien ohne großen Aufwand machbar. Auch um die ­Bushaltestelle im Ort habe er sich schon gekümmert, Bewuchs entfernt und dem Häuschen neue Farbe spendiert.  Ebenso habe er den aktuellen Abfuhrkalender aus Grasleben abgeholt und in seiner Freizeit in Rottorf verteilt. Warum er das tut? „Es ist der schönste Dank, wenn die junge Bevölkerung sich bedankt und wenn die älteren Menschen mich in den Arm nehmen und aus tiefem Herzen ‚Danke‘ sagen. Diese Begegnungen sind mein ‚Lohn‘ und können nicht mit Geld aufgewogen werden. Das alles gibt mir den Mut und die Zuversicht, diese Aufgaben auch in den nächsten Jahren wahrzunehmen“, erklärt Gläser, der „ganz nebenbei“ auch seit 35 Jahren kommunalpolitisch aktiv ist.

Motiviert auf den Spuren der Vergangenheit

Ähnlich selbstverständlich ist ehrenamtliche Arbeit für Hermann Koerber aus Kißleberfeld. Der ehemalige Landwirt ist ­Hobbyarchäologe und hat sich der Warberger Feldmark verschrieben. Zunächst im Jahr 2000 in den Chronikausschuss des Ortes Warberg berufen, hat er seit 2004 auch das Amt des Ortsheimatpflegers inne. Damit nicht genug: 65 Jahre im Schützenverein, 60 Jahre in der Feuerwehr und seit 20 Jahren im Freundeskreis Burg Warberg ist Koerber auch aktiv. „Und ein paar Kleinigkeiten mehr“, zählt Koerber auf.

Großer Einsatz trotz eigener Einschränkungen

Ein Lob spricht Petra Mohr, Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle für den Landkreis Helmstedt, all‘ jenen Gruppenmitgliedern aus, die, ganz besonders in Zeiten von Corona für die betroffen Menschen weiterhin Einsatz zeigen. Sie geben Auskunft über das jeweilige Krankheitsbild, beraten Betroffene und deren Angehörige, unterstützen beim Kontakt mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle, wenn es um Förderanträge und ähnliches geht. „All‘ dies, trotz der eigenen Erkrankung, wohlgemerkt“, stellt Mohr heraus. „Dieses freiwillige Engagement kostet den Betreffenden Zeit und Kraft, wobei beides durch die eigene Erkrankung und/oder Handicap oftmals eingeschränkt ist“, so die Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle.

Überraschende Ehrung für Thiele und Maekler

Eine Würdigung für ehrenamtliches Engagement gibt der Kreissportbund Helmstedt mit der Aktion „Ehrenamt überrascht“ an entsprechend verdiente Ehrenamtliche. Mit Hartmut Thiele hat es jemanden aus den eigenen Reihen „erwischt“… Hartmut Thiele, seit mehr als 20 Jahren in der Vereinsberatung beim Kreissportbund Helmstedt für den Sportstättenbau verantwortlich, hatte wie gewohnt seinen Besuch in der KSB-Geschäftsstelle angekündigt. Spontan hatte das Geschäftsstellenteam die Idee, einem ehrenamtlich Engagierten aus den eigenen Reihen eine überraschende Ehrung zukommen zu lassen. ­Sportreferentin Corinna Pech bedankte sich für den Jahrzehnte langen Einsatz für den Sport im Landkreis und überreichte dem völlig überraschten Hartmut Thiele die Urkunde und ein kleines Geschenkpaket aus der laufenden Aktion „Ehrenamt überrascht“. Susanne Maekler ist aus dem TSV Lelm nicht wegzudenken. Als Mutter von drei Leichtathletikkindern und Mitglied im TSV Lelm ist Susanne Maekler seit 15 Jahren Helferin bei allen Kindersportfesten, Sportabzeichentagen, Läufen und anderen Leichtathletikveranstaltungen. Auch ohne gewähltes Ehrenamt ist es für sie selbstverständlich, sich im Verein zu engagieren und freiwillig einzubringen. Die Vertreter des TSV Lelm waren sich einig: Dies ist ein Grund, sie für die Aktion „Ehrenamt überrascht“ zu nominieren. Leichtathletik-Abteilungsleiter Torsten Dill sprach sich heimlich mit Maeklers Ehemann ab und organisierte eine Überraschung bei ihr zuhause. In Doppelfunktion gratulierte Dill gleichzeitig auch als stellvertretender Vorsitzender des KSB Helmstedt.

Projektbezogen zum Wohl der Kinder

In vielen Kitas und Schulen gibt es Fördervereine. Zahlreiche Eltern, Erzieher und Lehrer engagieren sich darin. Da die Generationen ständig wechseln, müssen diese Vereine sich immer wieder neu organisieren. Meist sind die Leitungen oder ein Mitglied des Teams die konstanten Kontaktpersonen und halten, ebenso ehrenamtlich die Fäden in der Hand.
Aufgabe dieser Vereine ist die Unterstützung der jeweiligen Einrichtung mit Zeit, finanziellen Mitteln, aber auch mit organisatorischen Leistungen, um die Betreuungsqualität für die Kinder zu verbessern. In den Vereinskassen fließen kleine und große Spenden zusammen und werden für größere Projekte angespart. So werden zusätzliche Spielmaterialien oder auch Spielgeräte angeschafft, die im normalen Haushaltsetat der jeweiligen Träger nicht unbedingt zu finanzieren wären. Im vergangenen Jahr wurde die Kindertagesstätte (Kita) Fischersteg in Königslutter 20 Jahre alt und viele ehrenamtliche Helfer, ob Teammitglieder, Eltern oder Großeltern, haben über diesen Zeitraum an der Gestaltung mitgewirkt. Ebenso lange besteht der Förderverein Kita Fischersteg. „Es gibt Eltern, die für die Kinder mindestens einmal im Jahr Theater spielen. Andere helfen regelmäßig in einem ‚Backteam‘ und backen mit den Kindern  oder stellen leckere Sachen für  den Herbst- oder Weihnachtsmarkt her. Der Erlös fließt natürlich in die Vereinskasse“, erklärt Petra Kaul, Leiterin der Kita Fischersteg in Königslutter. „Man kann also sagen: je nach persönlichen Interessen, engagieren sich viele Menschen ehrenamtlich zum Wohle der Kinder. Ganz im Sinne des Afrikanischen Sprichworts: ‚Für die Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf‘“, schließt Kaul.

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