Regenbogen-Fahnen, extra Programme bei den Streamingdiensten, Solidaritätsbekundungen in vielen Bereichen. Der Juni ist klassischerweise der „Pride Month”. 

Die 30 Tage des Monats werden genutzt, um für mehr Toleranz gegenüber der LGBTIQ-Szene (Lesbians, Gays, Bisexuals, Transgender, Intersex und Queers) zu werben.

Wie der englische Titel schon vermuten lässt, wurde der „Pride Month” in den Vereinigten Staaten „geboren”. In diesem Jahr ist für viele aber erstmals „spürbar”, dass der Monat des Stolzes auch in hiesigen Gefilden begangen wird. Ist da nur wieder „so ein” Brauch aus Amerika „herübergeschwappt“ oder hat die Aktion einen tieferen Sinn? 

In der Reihe „Ist das wirklich so” geht es genau um diese Frage: Warum wird der „Pride Month” nun auch hierzulande gefeiert?

Entstehungsgeschichte des besonderen Monats

Am 28. Juni 1969 kontrollierte die Polizei die Schwulenbar „Stonewall Inn” in der Christopher Street in New York. Homosexuelle waren seinerzeit von der Gesellschaft ausgegrenzt, galten gar als geisteskrank in den USA. Deshalb durften sie in Amerika nicht zusammen tanzen, sie durften keinen Alkohol kaufen und Frauen, die eine Hose trugen, mussten zum „Ausgleich” mindestens drei andere „weibliche Kleidungsstücke” an haben, um nicht gegen das Gesetz zu verstoßen… 

Am 28. Juni 1969 jedenfalls schikanierten die Polizisten einmal mehr eine lesbische Frau. Das brachte ein Fass zum Überlaufen: Mit den Rufen „Gay Power” wehrten sich die Barbesucher gegen die Diskriminierung, warfen Flaschen und Steine.

Es folgten sechs weitere Tage Krawalle, in denen sich die aufgestaute Wut der Homosexuellen gegen jahrelange Unter-drückung und Gewalt in offenen Protesten entlud. 

Es entstand der bekannte Christopher Street Day

Letztlich entstand daraus eine internationale Bewegung. In Deutschland ist der Christopher Street Day allerdings bekannter als der Pride Month. Große Paraden etwa in Berlin, Köln und Hamburg finden allerdings nicht im Juni, sondern meist im Juli oder August statt. Sie sollen aber ebenso an den Aufstand von 1969 erinnern. Offenbar scheint der Pride Month nun auch immer mehr in hiesigen Gefilden Einzug zu halten. Einen ganzen „Monat des Stolzes” über gibt es bunte, friedliche Paraden, die an den 28. Juni 1969 erinnern, aber zugleich eben auch für mehr Toleranz werben sollen. 

Heute steht hinter dem Pride Month die oben bereits genannte LGBTQ-Szene, in der homo-, bi- und transsexuelle Menschen vereint sind. Mit Partys, Paraden und Protestaktionen werden der offene Umgang mit ihrer Sexualität und die Vielfalt in der Gesellschaft gefeiert. Zugleich wird auf noch immer bestehende Ungerechtigkeiten und Probleme aufmerksam gemacht. 

Corona-Pandemie ist auch für die Paraden ein Problem

Allerdings hat auch diese Aktion mit den Corona-Auflagen zu kämpfen, sodass viele Veranstaltungen zum Christopher Street Day nur online stattfinden können oder abgesagt werden müssen. 

Vielleicht haben die Streamingdienste deshalb TV-Programme zusammengestellt, die unter dem Titel „Pride Month” stehen… 

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Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit über 25 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor über 20 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.