Diesmal geht es um die Redewendung: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“. Ist das wirklich so?

Schon die Römer kannten den Ausspruch: Der Politiker Appius Claudius Caecus soll den Ausspruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ bereits im dritten Jahrhundert vor Christus genutzt haben.

Bis in die heutige Zeit hinein wird die Redensart immer dann verwendet, wenn man der Auffassung ist, dass jeder selbst für seinen Erfolg verantwortlich ist oder durch eigene Taten etwas dazu beitragen kann, ein (glückliches) Ziel zu erreichen.

Das ist beispielsweise bei viel Training für einen Wettkampf möglich – wer die Zähne zusammen beißt und hart auf ein Ziel hin arbeitet, dem ist es (allerdings nur meistens) auch vergönnt, am Ende die Lorbeeren zu ernten.

Jeder kann selbst verantwortlich sein

Jeder kann also für sein Glück selbst verantwortlich sein. Laut der Redensart dürfe sich der Mensch, um Erfolg und Zufriedenheit zu erlangen, nicht auf den Zufall oder die Hilfe anderer verlassen. Mit Ausdauer und Mühe könne jeder sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und glücklich werden.

Aus dem Sprichwort kann aber auch abgeleitet werden, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist, dass sein Leben „erfüllt“ verläuft. Und an diesem Punkt wird es „unfair“: Denn was ist mit jenen, die unverschuldet ins Unglück gestürzt wurden? Die beispielsweise in einen Verkehrsunfall hineingezogen wurden und seitdem etwa auf einen Rollstuhl angewiesen sind?

Aus einem Unglück ist schwerlich rückwirkend Glück zu machen.

“Jeder sei seines Glückes Schmied”

Auf der Internetseite des Deutschlandfunk Kultur ist ein Gastbeitrag der Religionsphilosophin Gesine Palmer aus Schleswig-Holstein zu genau diesem Thema zu finden. Sie erklärt zunächst, dass „Jeder sei seines Glückes Schmied“ die bessere Formulierung sei. Für den genannten Rollstuhlfahrer würde das bedeuten, dass er die  neuen Herausforderungen nach dem Unfall annimmt, um trotz seines Unglücks ein schönes Leben zu führen.

Palmer wird aber noch konkreter. Sie stellt der Frage, ob jeder seines eigenen Glückes Schmied ist, die provokante Gegenfrage: „Was ist mit Hans und Sophie Scholl?“

Die beiden jungen Widerständler hätten sich einer Situation gestellt, die sie nicht herbei gesehnt hatten, die sie aber auch nicht verhindern konnten, schreibt die Religionsphilosophin und weiter: „Ihr Unglück haben ihnen andere geschmiedet. Verhaftet wurden sie eindeutig als Opfer und wussten das. Zugleich haben sie – vorher wie nachher – bewusst und selbstbewusst verantwortet, was sie taten. Glück hatten sie nicht und konnten es sich auch nicht schmieden. Aber bewundernswert tapfer haben sie getan, was sie für richtig hielten.“

Krankheit und Tod sind nicht planbar

Und auch die Neue Züricher Zeitung kam in einem Artikel im Jahr 2010 zu dem Schluss: „Niemand ist seines Glückes Schmied“. Weil niemand Krankheit und Tod „planen“ könne, sei die Redewendung falsch.

Diese Meinung kann allerdings wohl eher den pessimistischeren Menschen zugeordnet werden. Denn wer ein wenig optimis-tischer sein Leben lebt, der kann sicherlich die Meinung vertreten, sich sein Glück schmieden zu können.

Am Ende bleibt es jedem persönlich vorbehalten, sein individuelles Glück und seinen Weg, sein Glück zu schmieden, zu definieren.

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Hallo, ich bin Stephan und ich habe eigentlich kein Ahnung, was ich hier schreiben soll.