Beim jüngsten Konventgottesdienst in der Klosterkirche in St. Marienberg in Helmstedt feierte es ein kleines Revival: das Stofftaschentuch. Jetzt, mitten in einer Erkältungswelle, stellt sich dem ein oder anderen womöglich wieder die Frage: Stoff- oder Papiertaschentuch? 

Ist es wirklich so, dass die Schnäuztücher aus Stoff zwar umweltfreundlicher, dafür aber unhygienischer sind? 

Der ökologische Fußabdruck ist entscheidend…

Für die Herstellung von Papiertaschentücher müssen jede Menge gesunde Bäume gefällt werden, es wird viel Wasser und Energie verbraucht. Außerdem bestehen die Verpackungen meist aus Plastik. 

Die Umweltbilanz scheint also beim Stofftaschentuch die bessere zu sein. 

Wenn ganz Deutschland nur noch Stofftaschentücher verwenden würde, würden rund 39 Milliarden Papiertaschentücher eingespart – und so auch die für deren Herstellung notwendige Rodung von Bäumen. 

Zwar muss das Stofftaschentuch zur Wiederverwertung in die Waschmaschine und auch deren Herstellung aus „herkömmlicher“ Baumwolle ist oftmals eine Umweltsünde. Dennoch ist der so genannte ökologische Fußabdruck des Stofftaschentuches wegen der jahrzehntelangen Nutzbarkeit deutlich kleiner als der eines Papiertaschentuchs. 

Einwegprodukte verbrauchen eben in allen Bereichen zu viel Energie und Ressourcen. 

Viele Menschen finden es hingegen schlichtweg unhygienisch, ein Taschentuch aus Stoff zu benutzen, es womöglich vollgeschnaubt in der Hosentasche herumzutragen und es zusammen mit anderen Bekleidungsstücken zu waschen. 

Die Tücher sind recht einfach keimfrei haltbar

Dabei ist das gute alte Stück recht einfach „keimfrei“ zu halten. Es muss schlichtweg bei 60 Grad mit Vollwaschmittel gewaschen werden, ohne dabei Weichspüler oder ähnliche Zusätze zu verwenden. Denn diese sind für den Stoff und auch die Umwelt zu aggressiv. 

Nach dem Waschen sollte das Tuch, wie Oma es schon gemacht hat, gebügelt werden. Denn – das gilt übrigens auch für Geschirrtücher – das heiße Bügeleisen versiegelt die Fasern, hält sie länger frisch und tötet zusätzlich restliche Viren und Bakterien. 

Die Tücher sollten zu 100 Prozent aus Baumwolle oder noch besser aus Leinen hergestellt sein, denn letztgenannter Stoff wirkt zusätzlich antibakteriell.

Außerdem sollte ein einzelnes Stofftaschentuch nicht länger als zwei Tage benutzt werden. Schon gar nicht sollte man es nass in die Hosentasche stecken, denn dann entstehen tatsächlich Bakterien. Eine Lösung ist, auf eine Idee, die ebenfalls aus der Vergangenheit stammt, zurückzugreifen: ein extra Täschchen oder Säckchen, in der das Taschentuch aufbewahrt wird. (Auch in diesem Fall war früher die Großmutter aktiv, die Taschentuchsäckchen bestickte oder gar komplett häkelte…) 

Keime können andere Menschen anstecken

Allerdings rät der SWR in seiner Wissensrubrik auf seiner Homepage www.swr.de, dass bei einem richtigen infektiösen Virus-Schnupfen Zurückhaltung geboten sein sollte mit Stofftaschentüchern: „Nicht weil man sich selbst nochmal anstecken könnte. Das passiert nicht, denn wenn der Schnupfen erstmal da ist, sind ja auch die Erreger längst im Körper und der hat schon angefangen Abwehrkräfte dagegen zu entwickeln. Da machen ihm die paar zusätzlichen Keime im Taschentuch auch nichts mehr aus. Anderen Menschen aber schon. Ein benutztes Taschentuch in der warmen Hosentasche ist ein Paradies für Krankheitserreger, und wenn man es dann zum nächsten Schnäuzen aus der Tasche herausholt, wedelt man die Keime unter Umständen durch die Luft und stecken andere Menschen an“, heißt es vom SWR. 

Allerdings gibt es auch zu bedenken, dass ein einfacher Winterschnupfen oder gar eine allergisch bedingte Triefnase nicht ansteckend sind, weshalb in solchen Fällen ruhigen Gewissens zum bei 60 Grad gewaschenen und gebügelten Stofftaschentuch zurückgegriffen werden kann. 

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Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit über 25 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor über 20 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.