Teil I: Die Geschlechter sind auf so vielen Ebenen noch nicht gleichberechtigt – das wird gerade beim Fußball einmal mehr deutlich

In der Schöpfungsgeschichte der Bibel heißt es, dass Gott Mann und Frau nach Seinem Abbild schuf. Beide Geschlechter waren in Seinen Augen völlig gleichberechtigt und wurden von Ihm gleichermaßen geliebt.

Vom Ursprung der Menschheit machen wir einen Sprung in die Gegenwart: „Ich finde, dass das das Normalste der Welt ist. Also ich habe noch nie vor dem Spiel drauf geachtet, ob bei uns eine Frau oder ein Mann pfeift.” Das sagte Deutschlands Fußball-Nationalspieler Lukas Klostermann vor dem Weltmeisterschaftsspiel gegen Costa Rica am Donnerstag. 

Das wurde – begleitet von einem wahnsinnigen Medienrummel – von einem Frauenteam geleitet. Es war die Premiere, dass mit der Französin Stéphanie Frappart ein Weltmeisterschaftsfußballspiel der Männer von einer Frau gepfiffen wurde. 

Dabei sollte es doch gar keinen Unterschied machen, wer schiedsrichtet. Die Regeln beherrschen Männer wie Frauen schließlich gleich gut (oder schlecht). 

Das wollte Lukas Klostermann mit seinem Kommentar ausdrücken. Die Aussage des Nationalspielers kommt gerade passend zu unserem Monatsthema im Dezember, das leicht provokant den Titel hat „Die Frau, das unerforschte Wesen“. 

Die Vielfältigkeit der Ungleichberechtigung…

Drehen soll es sich in diesem Monat um die Vielfältigkeit der (Un)Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, die es auch in der so genannten „westlichen Welt“ noch immer gibt. Es soll thematisiert werden, welche Qualen weibliche Menschen in Hunderten von Jahren erleiden mussten und müssen. 

Obendrein soll der Frage nachgegangen werden, warum Männer solche Angst vor Frauen haben, dass sie sie zu unterdrücken versuchen – oder welche Gründe es sonst dafür geben könnte. 

Dabei kann reichlich aus der Geschichte „geschöpft“ werden, gibt es doch massenhaft Belege für die Schlechterstellung der Frau, von der Hexenverfolgung bis zum Tod der Iranerin Jina Mahsa Amini am 16. September dieses Jahres. 

Der Anfang kann dabei womöglich in der Bibel ausgemacht werden. Denn obwohl Gott beide Geschlechter auf Augenhöhe betrachtete, schuf er doch die Frau aus der Rippe des Mannes. Nicht wenige Herren sehen dies als Beleg, dass sie über dem weiblichen Geschlecht stehen oder ihnen deren Menschwerdung erst zu verdanken sei. 

Fußball ist das simpelste aller Beispiele

Das lässt sich an so simplen Dingen wie dem Fußball festmachen. Auch wenn er seit Jahren stark im Kommen ist, wird der Frauenfußball noch immer minderwertiger als der Kick der Herren angesehen. Dabei hat sich die Nationalmannschaft der Frauen noch nie so blamiert wie die Herren es gerade beim dritten großen Turnier in Folge taten…

Ebenso ist die Tatsache, dass es bis ins fortgeschrittene 21. Jahrhundert dauerte, dass ein weibliches Schiedsrichtergespann bei der Herren-Weltmeis-terschaft auflaufen durfte, ein Zeugnis dessen. Auch das Lustigmachen über die „unnormalen“ Haltungsformen und Gesichtsausdrücke der Linienrichterin machen deutlich, dass bei den Frauen irgendwas anders sein muss als bei den Männern. 

Frauen müssen offenbar nicht nur in ihrem Tun, sondern auch im Aussehen perfekt sein, um nicht belächelt zu werden. 

Überhaupt: Warum wird im Fußball, den doch alle gleichermaßen so vergöttern, so penetrant zwischen den Geschlechtern unterschieden? Wieso sind die Ki-cker der Bundesliga Millionäre, während die Kickerinnen noch einen Hauptberuf haben, um Geld zu verdienen? Und warum heißt es „Frauenfußball“, während auf der anderen Seite das Geschlecht nicht dazu genannt wird? 

Nachdenken und diskutieren?!

Es wird deutlich: Beim Monatsthema „Die Frau, das unerforschte Wesen“ soll es Stoff zum Nachdenken und vielleicht auch zum Diskutieren geben.


Teil II: Frauen sind offenbar gute Sündenböcke… Von Hexenverfolgungen, die es seit der frühen Neuzeit bis heute gibt

Es war und ist noch immer eine äußerst widersprüchliche „Jagd“, die sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach wiederholte und vor allem zu Lasten des weiblichen Geschlechts ging: die -Hexenverfolgung. 

Wer diese zeitlich im finsteren Mittelalter sieht, ist einem Irrtum aufgesessen. Denn Hexenverfolgungen gab es ab der Frühen Neuzeit – in Europa konkret zwischen 1450 und 1750. Sie flammten immer wieder auf (sogar während der Zeit des Nationalsozialismus etwa) und hatten ihre Hochzeit während des 30-Jährigen Krieges. 

Allerdings ist die Hexenverfolgung kein geschichtliches Thema. Denn es gibt sie noch heute. 

Mit einem Blick auf die Gruppe Frauen, die den Männern dieser Welt offenbar die meiste Angst einzujagen scheint, geht es beim Monatsthema „Die Frau, das unerforschte Wesen“ weiter. Auch wenn die Hexenverfolgung sich nicht allein auf das weibliche Geschlecht bezieht, da mitunter auch Männer oder Kinder der Hexerei bezichtigt, angeklagt und umgebracht wurden und werden, so stellen Frauen doch den Großteil der Opfer dar. 

Und die Mythen, die sich um vermeintliche Hexen ranken, sagen doch aus, dass Männer vor manchen Frauen, beziehungsweise ihren Fähigkeiten offenbar so großen Respekt (oder Angst?) haben, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen als sie „auszurotten“. 

Werfen wir zuerst einen Blick auf die 300 Jahre währende -Hexenverfolgung in Europa. Allein in Deutschland, wo in der Walpurgisnacht angeblich die Hexen auf dem Brocken tanzten (so beschrieb es Schriftsteler Johannes Praetorius 1668 in seinem Buch „Blockes-Berges Verrichtung“), starben zwischen 1450 und 1750 geschätzt 40.000 Hexen auf dem Scheiterhaufen. 

Schön oder hässlich, jung oder alt? 

Uneins waren sich die Ankläger über das Erscheinungsbild: Entweder waren Hexen in der Vergangenheit, als der Wahn Europa erfasste, uralt und abgrundtief häss-lich oder aber blutjung und wunderschön.

Dazu passt die Willkür, in der die Hexenprozesse abgehalten wurden. Die bekannteste Beweisführung ist die des Bades: Die Beschuldigte wurde gefesselt im Wasser versenkt. Ertrank sie dabei (was natürlich meistens der Fall war), galt sie als unschuldig, aber war ja leider tot. Überlebte sie das Manöver allerdings, galt sie als Hexe, weil der Teufel ihr geholfen habe, an der Wasseroberfläche zu bleiben. Auch ihr Tod war deshalb gewiss… 

Natürlich gab es weitaus mehr, das rechtlich festgeschrieben war, um eine Frau der Hexerei zu überführen, beispielsweise die „peinliche Befragung“ (Folter). 

Als „Anleitung“ für alle Hexenjäger gilt das 1486 veröffentlichte Buch „Maleus maleficarum“, der „Hexenhammer“, des Dominikanermönchs Heinrichs Kramer. Das wurde bis ins 17. Jahrhundert nicht nur als Legitimation, sondern auch als Gebrauchsanleitung für Verhöre und Folter genutzt; es galt als die Bibel der Inquisitoren. 

Hexen waren schuld an Unglücken

Hexen wurden gern für -Unglücke jeglicher Art verantwortlich gemacht. Wenn ein Kind schwer erkrankte, das Vieh starb oder die Ernte vernichtet wurde etwa, wurde die Schuld gern bei einer Hexe gesucht. 

Damit zurück in die Gegenwart, in der es deutliche Parallelen zur Neuzeit gibt. In über 40 Ländern werden noch immer Frauen (aber auch Männer und Kinder) der Hexerei bezichtigt, angeklagt und umgebracht. 

In einem Interview mit Charlotte Müller von der Deutschen Welle (DW) sagte Wolfgang Behringer, Professor für Frühe Neuzeit an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken, dass seiner Meinung nach im 20. Jahrhundert „mehr Menschen wegen Hexerei getötet worden sind als in der ganzen Periode der europäischen Hexenverfolgung in 300 Jahren.“

Im afrikanischen Tansania beispielsweise ist die Hexenverfolgung heute noch „üblich“. Zwar ist das nicht gesetzlich verankert, aber „auf dem Dorf“ würden Gerichte weiterhin darüber entscheiden, dass bestimmte Menschen getötet werden sollten. Wolfgang Behringer war sich sicher: „Dahinter strecken auch Strukturen. Deswegen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Hexenverfolgungen kein his-torisches Problem sind, sondern ein brennendes Problem unserer eigenen Gegenwart“, sagte er der DW. 

Dem stimmt offenbar auch die katholische Kirche zu. Denn weil in der Geschichte häufig die Kirche als Übeltäter angesehen wurde, 90 Prozent aller Hexenprozesse aber vor weltlichen Gerichten mit weltlichen Richtern verhandelt wurden, rief das katholische Hilfswerk missio Aachen 2020 den 10. August zum Internationalen Tag gegen Hexenwahn aus…

Frauen sind also offenbar auch heute noch gute Sündenböcke für schlechte Ernten, kranke Kinder oder vergiftetes Vieh… 


Teil III: „… Mutter sein dagegen sehr!“ – Die Rolle der Frau in der Familie und bei der Arbeit

Beim Monatsthema „Die Frau, das unerforschte Wesen“ ging es in der vergangenen Woche um Hexen und insbesondere um deren Verfolgung. Weil diese Frauen „anders“ waren, versuchten einige Männer, sie auszurotten. 

Aber so genannte Hexen taten natürlich auch Gutes. Beispielsweise standen sie schwangeren und gebährenden Frauen zur Seite, wussten Rat oder Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden oder auch Wochenbettdepressionen… 

Heute würde freilich niemand das Wort Hexe in den Mund nehmen, aber die Eigenschaften der Doula, die aktuell ein Revival erlebt, kommen denen einer vermeintlichen Hexe gleich.   

Doulas helfen auf emotionaler Ebene

Doulas sind Schwangerschafts-, Geburts- und Wochenbett-begleiterinen, die sich  vor, während und nach der Geburt eines Kindes um die Frau kümmern, den Partner unterstützen und beiden helfen, emotional mit der neuen Situation zurechtzukommen.

Im Großen und Ganzen lässt sich zusammenfassen, dass eine Doula auf psychischer Ebene unterstützt, wenn das gewünscht ist. Allerdings werden die Kosten für eine Doula in Deutschland nicht von den Krankenkassen getragen. 

Das ist neuerdings aber bei einer so genannten Mütterpflegerin möglich, wenn die Hebamme oder der Arzt eine Verordnung dafür schreiben. 

Das ist neu in Deutschland: die Mütterbegleiterin 

Eine solche Mütterbegleiterin ist Marietta Hugo – wohl die einzige im Landkreis Helmstedt. Ihre Ausbildung ist gerade abgeschlossen, sie ist dabei, sich selbstständig zu machen und mit der Mütterpflege Fuß zu fassen. 

Zwar hat sich das Rollenbild der Frau im Haushalt schon ganz gut gewandelt, dank Elternzeit für Männer und einigem mehr, allerdings ist und bleibt das Kinderkriegen an sich natürlich eine rein weibliche Angelegenheit. 

Und damit einhergehend sind auch Stressfaktoren und/oder körperliche wie psychische Beschwerden „Frauensache“. Zudem sind es noch immer mit deutlicher Mehrheit Frauen, die nach der Geburt die Elternzeit beanspruchen und sich um das Baby kümmern. In der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ wird gerade dargestellt, dass es „auch 15 Jahre nach Start des Elterngeldes … einer Studie zufolge die Mütter [sind], die sich primär um Kind und Haushalt kümmern. Männer nehmen meist nur zwei Vätermonate“, heißt es dort. 

Für Marietta Hugo ist es daher ganz selbstverständlich, dass Mütter Hilfe bekommen, wenn sie sie benötigen. „Wenn es zu meiner Zeit schon die Mütterpflege gegeben hätte, wäre ich glücklich gewesen“, sagt die Mutter zweier Kinder, die sich so manches Mal alleingelassen fühlte mit Haushalt, Babybetreuung und Co. 

Deshalb hat sie sich für die Ausbildung entschieden, sagt die Schöningerin, die zugleich ehrenamtliche Stillberaterin ist, im Gespräch mit dem HELMSTEDTER SONNTAG.  

„Eine Geburt ist ein besonderes Ereignis im Leben. Die Frau wird zur Mutter, eine große Umstellung des Alltags. Das Gewohnte ändert sich, alles bisher Bekannte muss sich anpassen“, erklärt Hugo die Sinnhaftigkeit ihres Berufes. „Wird dieser Abschnitt gut begleitet mit wertvollen Informationen, Hilfe im Haushalt, der Versorgung mit Mahlzeiten, Ruhe und Ausgleich für die Mütter, so kann Schwierigkeiten vorgebeugt werden“, weiß die Mütterpflegerin. 

Es würden auf diese Weise Stillprobleme, Depressionen, Überlastungen, Bindungsstörungen und Anpassungsprobleme vermieden, ist sie der festen Überzeugung. Zudem könne sich der Körper der Frau erholen, der immerhin neun Monate lang nicht ihr allein gehörte, und der Geist stellt sich auf die neue Rolle ein. 

Manchmal sind es die Kleinigkeiten

Das, was Marietta Hugo tut, um junge Mütter zu unterstützen, hat mit den Aufgaben einer -Hebamme nichts gemein. Diese ist für die medizinische Versorgung von Mutter und Kind zuständig, Mütterpflegerinnen allerdings gehen bei vielen Kleinigkeiten zur Hand. Sie kochen mal das Mittagessen oder machen die Wäsche, tauschen sich mit der Mutter aus oder haben ein Auge auf das Kind, wenn die Mutter einen Moment für sich haben will – sei es „nur“ zum Duschen oder den Gang zur Toilette. 

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann sich unter der Telefonnummer 05352/9066870 (gegebenenfalls Anrufbeantworter) oder per E-Mail an marietta-hugo@t-online.de an Marietta Hugo wenden. Ihre Leistungen können von Arzt oder Hebamme verschrieben werden, sodass die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden. 

Frauen wird oftmals mehr „zugemutet“ als Männern

Wer beim Lesen der obenstehenden Zeilen etwas gedacht hat wie „Früher ging das auch ohne“ oder „Die Frauen sollen sich nicht so anstellen“, hat damit genau den Kern des Monatsthemas „Die Frau, das unerforschte Wesen“ getroffen. 

Denn es sind nicht nur die augenscheinlichen Ungleichbehandlungen, die Frauen zu schaffen machen können, sondern genau solche herabwürdigenden Aussagen. 

Im gesamten Berufsleben ist davon etwas zu spüren, egal ob frau im Haushalt arbeitet, im Büro oder in der Fabrik: Ihre Leis-tungen werden oftmals vom männlichen Gegenüber heruntergespielt oder ihnen wird mehr zugemutet und aufgebürdet als dem männlichen Kollegen. Und am Ende soll frau sich „nicht so anstellen“…

Leser Mike Cohn sieht das ähnlich. Er scheibt: „Ich würde behaupten, dass es viele der Probleme in der Welt nicht geben würde, wären die Frauen in allen Gesellschaftsformen gleichberechtigt.“ (Mehr dazu nächste Woche.)  


Teil IV: Das friedliebendere Geschlecht ist eindeutig das weibliche… Oder? Von der weltweiten Unterdrückung durch (vermeintlich) mächtige Männer

„Das bisschen Haushalt macht sich von allein, sagt mein Mann…“ Die älteren Leserinnen und Leser werden bei diesen Zeilen sicherlich die passende Melodie zu dem Gassenhauer von Johanna von Koczian aus dem Jahr 1977 im Kopf haben. 

Der Titel wird heute noch als geflügeltes Wort angewendet, weil er die traditionelle Rollenverteilung im Haushalt auf ironische Weise – damals aber durchaus noch aus geläufiger Sicht – aufs Korn nimmt. 

In den 1970ern nämlich war es in Deutschland noch ganz selbstverständlich, dass der Mann den ganzen Tag arbeiten geht, während die Frau sich um den Haushalt, die Kindererziehung, die Buchführung und alles, was daheim noch so anfiel, kümmerte. 

Inzwischen hat sich dieses Bild extrem gewandelt. 

Mit diesem Wandel hat sich das Monatsthema „Die Frau, das unerforschte Wesen“ im Dezember befasst. Denn noch immer gibt es keine vollständige Gleichberechtigung in Deutschland und Europa, von anderen Regionen wie Arabien ganz zu schweigen. 

Die Diskrepanz auf der Welt ist noch immer groß

Ein Blick auf die Schlagzeilen der vergangenen Tage zeigt die große Diskrepanz, die auf der ganzen Welt auch im 21. Jahrhundert noch besteht. 

So stimmte beispielsweise das spanische Parlament in einer -ersten Lesung dem Gesetzentwurf zu, dass Frauen mit Mens-truationsbeschwerden freie Arbeitstage bekommen können. Auf der anderen Seite verboten die Taliban Afghaninnen die universitäre Bildung. Dabei hatten vor drei Monaten erst Frauen Aufnahmetests für Unis absolviert. Nun wurde das Bildungsverbot für Frauen bis auf weiteres angeordnet; ohne Begründung. 

Bereits seit September wird im Iran von Menschen jedes Geschlechts unter dem Motto „Frauen, Leben, Freiheit“ demonstriert, teils unter lebensgefährlichen Bedingungen. Gerade vor wenigen Tagen wurde beispielsweise die bekannte Schauspielerin Taranah Alidoosti inhaftiert, weil sie sich in sozialen Netzwerken mit den regimekritischen Protesten solidarisiert hatte. Jüngst hatte die Schauspielerin die Hinrichtung des jungen Demonstranten Mohsen Schekari angeprangert mit den Worten: „Jede internationale Organisation, die diesem Blutbad zuschaut und nicht reagiert, ist eine Schande für die Menschheit.“

Männer wollen nicht nur die Bekleidung bestimmen

Im arabischen Raum geht es im Hinblick auf die Ungleichbehandlung viel um Bekleidungsvorschriften, die Männer Frauen auferlegen. Ausgerechnet im ach so freiheitsliebenden Westen, den Vereinigten Staaten, bestimmen (vorwiegend) Männer aber sogar über deren Körper: Die USA kippten das Recht auf Abtreibung, woraufhin insbesondere republikanisch geführte Bundesstaaten ihre Abtreibungsgesetze deutlich verschärften. 

Und auch wenn im Rahmen der Zwischenwahlen (Midterms) Anfang November zumindest in Michigan, Vermont und Kalifornien die Frauenrechte bei Schwangerschaftsabbrüchen gestärkt wurden, wird mehrheitlich den Frauen das Recht auf eine freie Entscheidung über ihren eigenen Körper genommen. 

Ist es die Angst vor Machtverlust?

Um nach dem Exkurs wieder in hiesige Gefilde zurückzukehren, sei die Statistik der Gewalt an Frauen 2021 erinnert, die zeigt, dass das weibliche Geschlecht auch in Deutschland unter männlicher Brutalität und Unterdrückung zu leiden hat, wenn natürlich auch lange nicht flächendeckend. 

Es fällt auch im 21. Jahrhundert schwer, Paritäten durchzusetzen. Weder politische Parlamente noch Vorstandsetagen sind gleichberechtigt besetzt. 

Immer wieder stellt sich die Frage nach dem Warum, auf die es vermutlich nie eine Antwort geben wird, außer womöglich die der männlichen Angst vor dem Machtverlust durch Emanzipation. Deshalb muss selbst in Europa, in Deutschland noch weiter daran gearbeitet werden, Frauen nicht herabzustufen. 

Musiker und Sänger Bela B., der vor ein paar Tagen 60 wurde, formulierte dem WDR gegenüber eine Theorie, wie die Welt gerechter werden oder liebenswert erhalten bleiben kann: „Jugend nach vorne bringen und Frauen an die Macht, dann wird diese Welt definitiv eine Chance haben, weiterzubestehen.“ 

Leser Mike Cohn sieht das ähnlich. Er schreibt: „Ich würde behaupten, dass es viele der Probleme in der Welt nicht geben würde, wären die Frauen in allen Gesellschaftsformen gleichberechtigt. Eine unserer größten Sorgen ist der Klimawandel, aber was ist hier das Hauptproblem? Ich meine das liegt in der Überbevölkerung, wenn sich verglichen mit meinem Geburtsjahr die Bevölkerung fast verdreifacht hat! Wenn Frauen gleichberechtigt an allem teilnehmen könnten und über sich selbst bestimmen, gäbe es mehr Bildung und sehr wahrscheinlich weniger Kriege. Vielleicht würden dann einige Religionen reformiert und Geburtenkontrolle zugelassen, gelenkt von klugen Frauen und Männern. Frauen an die Macht und die Welt wird etwas friedlicher“, lautet Cohns Fazit.

Frage nach dem Geschlecht muss unwichtig sein

Am Ende ist eine Gleichberechtigung gelungen, wenn sich die Frage nach dem Geschlecht nicht stellt, es keine Rolle spielt. 

Es muss schlichtweg egal sein, welche Hautfarbe, Konfession oder eben auch welches Geschlecht ein Mensch hat.

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Katja Weber-Diedrich, geboren 1976 in Helmstedt, ist seit über 25 Jahren Lokaljournalistin durch und durch. Der Legende nach tippte die ehrenamtlich Engagierte vor über 20 Jahren den ersten HELMSTEDTER SONNTAG an einer Bierzeltgarnitur. Sowohl die Tiefen der deutschen Grammatik als auch die Wirren der Helmstedter Politik sind der Chefredakteurin nicht fremd; ihr Markenzeichen sind ehrliche Kommentare und Hartnäckigkeit.