Es geht um die Behauptung, dass der Alkoholkonsum gestiegen ist.

von Katharina Loof

 

Alkohol gilt als Alltagsdroge, genießt aber im Alltäglichen volle Akzeptanz der Gesellschaft. Ein Gläschen in Ehren wird doch keiner verwehren, heißt ein gerne benutztes Sprichwort, wenn zu dem einen Glas Wein oder zum kühlen Bier gegriffen wird. Gerne wird aus Studien zitiert, die belegen, dass Rotwein vor Herzinfarkt schütze. Und auch im Bier, als traditionelles deutsches Getränk, welches seit hunderten Jahren dem Reinheitsgebot unterliegt, kann doch nichts schädliches drinnen sein…Doch ist das wirklich so? Ist regelmäßiger Alkoholkonsum schädlich? Und wenn ja, in welchem Maße?

Alkohol: zwischen Laster und Kulturgut

Fakt ist: Alkohol hat eine lange, fest verankerte Tradition, die sich durch alle Kulturen der Menschheit zieht. Und auch wenn in der modernen, gesundheitsbewussten Zeit Alkohol zu den schädlichen Lastern zählt, denen dem Körper zu Liebe am besten komplett entsagt werden sollte, scheint es unmöglich, das berauschende und stimulierende Getränk aus dem Alltag zu verbannen. Vermutlich sind alkoholhaltige Speisen so alt wie die Menschheit. Schon die alten Ägypter brauten Bier. Die Römer verehrten Bacchus als Gott des Weines, bei den Griechen war es Dionysos. Die Germanen stellten aus Honig und Wasser Met her und in Tibet wurde aus Gerste Bier gebraut. Die Kunst des Bierbrauens wurde während des Mittelalters von den Mönchen spezialisiert, diente die Mixtur aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser doch als sättigendes Lebensmittel, um durch die Fastenzeit zu gelangen. Die Regel lautete schließlich: „Was flüssig ist, bricht kein Fasten.“ Der Legende nach schickten die bierbrauenden Mönche eine Probe ihres Spezialbieres über die Alpen nach Rom, wo sich der Papst von der Reinheit des Getränks überzeugen sollte.

Ein Getränk der höheren Bildungsschichten?

Das Gebräu überstand den langen Weg aber nicht unbeschadet und kam als saure Brühe vor den Pontifex Maximus. Der sah in dem zweifelhaften Genuss dieser Brühe eher eine Buße als eine Freude und gab seinen Segen (Quelle: www.planet-wissen.de). Dank der obersten Freigabe florierte die Brauereikunst und nicht wenige Mönche gelangten dadurch zu Reichtum. Das deut-sche Bier entwickelte sich schnell zum Exportschlager, vor allem aus Bremen gelangte das „flüssige Gold“ nach Holland, Flandern, England und nach Skandinavien. Hamburg war zu jener Zeit als „das Brauhaus der Hanse“ bekannt mit über 600 Brauereien. Eines noch besseres Images erfreut sich der Wein, gilt das Getränk doch als Genussmittel der „höheren Bildungsschichten“. Laut einer Studie assoziieren die meisten Menschen Wein mit Intellekt und Kultur. Weinliebhabern wird demnach ein höherer IQ attestiert, wobei fundierte Beweise dazu freilich fehlen. Und auch gesundheitlich genießen die verschiedenen Rebsorten hohes Ansehen. Es gibt sogar medizinische Hinweise, dass im Wein herzschützende Substanzen stecken sollen.

Alkohol ist kein Bestandteil einer Therapie

„Wer abends gerne ein Glas Wein trinkt, muss darauf nicht verzichten“, sagt beispielsweise Professor Meinertz, Kardiologe und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, in einem Beitrag der Apotheken Um-schau. In geringem Maße würde der Alkoholgehalt eines Glas Weines oder Sekt oder einer Flasche Bier einem gesunden Menschen nicht schaden. Aber zur Gesundheitsförderung sei Alkohol eben nicht geeignet. „Wein ist kein Bestandteil einer Herztherapie“, so der Herzspezialist. Grundsätzlich ist Alkohol eben auch eine Art Gift, für die Auswertung wissenschaftlicher Daten ist vor allem die Dosis von Bedeutung. Und diese ist schon ab einer Menge von 24 Gramm Alkohol pro Tag für einen Erwachsenen auf Dauer schädlich – das sind umgerechnet nur zwei Gläser Bier. Alkohol, also Ethanol, ist biochemisch betrachtet ein Zellgift. Der Körper, allen voran die Leber, versucht die Substanzen nach dem Konsum zu entschärfen, indem das Ethanol in seine Bestandteile zerlegt wird. Das dabei entstehende Zwischenprodukt, das Molekül Acetaldehyd, schädigt stark die Schleimhäute und wird von der Weltgesundheitsorganisation sogar als krebserregend bewertet. Außerdem fördert der Alkoholabbau in der Leber die Produktion von Fettsäuren, die sich mit in der Leber ansammeln und zu chronischen Schäden führen können. Im Folgenden sind auch andere Organe betroffen, wie etwa die Niere und die Bauchspeicheldrüse. Zusätzlich führt die verringerte Fettsäureverbrennung durch den Alkohol zu einer Gewichtszunahme, insbesondere wird die Bildung von dem gesundheitskritischen Bauchfett gefördert. Der so genannte Bierbauch ist demnach wissenschaftlich belegt. Im Gehirn führt ein langfristiger Alkoholkonsum, aber auch ein einmaliger (starker) Konsum dazu, dass sowohl Hirnmasse als auch Hirnvolumen abnehmen. Beeinrächtigt sind Bewegungsabläufe und die Koordination sowie das Gedächtnis. Inwieweit die aufgeschlüsselten Folgen in welchem Maße eintreffen, ist wissenschaftlich jedoch nicht genau belegt. Neben dem Grad am Alkoholkonsum spielen auch Aspekte wie der ansonsten geführte Lebensstil und die genetische Veranlagung eine Rolle.

 

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